DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland's Xherdan Shaqiri celebrates scoring his side's third goal during the Euro 2020 soccer championship group A match between Switzerland and Turkey at the Baku Olympic Stadium in Baku, Azerbaijan, Sunday, June 20, 2021. (Ozan Kose/Pool via AP)

Ein Mann für die grossen Turniere: Xherdan Shaqiri ist da, wenn es ihn braucht. Bild: keystone

Das passt bei der Schweizer Nati schon und das muss vor dem Achtelfinal noch besser werden

Was läuft gut bei der Schweizer Nati? Wo liegen die Probleme? Das sind die Punkte, welche die Fussball-Schweiz vor dem möglichen EM-Achtelfinal beschäftigen.

Etienne Wuillemin / ch media



Diese Mannschaft lebt! Es ist vielleicht das wichtigste Fazit nach dem überzeugenden 3:1-Sieg gegen die Türkei. Was aber bleibt sonst für die Schweiz nach dieser Gruppenphase?

1 – Das Vertrauen von Vladimir Petkovic in die Führungsspieler ist gerechtfertigt

Die Beziehung zwischen dem Nationaltrainer und seinen Spielern ist ziemlich eng. Vladimir Petkovic ist ein Mensch, der gerne Vertrauen schenkt. Ein Trainer, der seinen Spielern einige Freiheiten gewährt abseits des Trainingsalltags.

Der Auftritt gegen die Türkei hat wieder einmal gezeigt: Die Spieler lassen ihren Trainer nicht hängen. Und der Trainer ist fähig, aus der Mannschaft eine Reaktion herauszukitzeln, wenn sie unter Druck steht. Das war schon so, als die Schweiz in der EM-Qualifikation nach einem 1:1 in Irland und einem 0:1 in Dänemark unter riesigem Druck stand.

epa09289163 Granit Xhaka of Switzerland and Switzerland's head coach Vladimir Petkovic (R) react after the UEFA EURO 2020 group A preliminary round soccer match between Switzerland and Turkey in Baku, Azerbaijan, 20 June 2021.  EPA/Ozan Kose / POOL (RESTRICTIONS: For editorial news reporting purposes only. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)

Der Trainer und sein Kapitän: Vladimir Petkovic (l.) setzt weiterhin auf Granit Xhaka. Bild: keystone

Das Vertrauen von Petkovic in seine Führungsspieler hat sich ausbezahlt. Die Rufe nach grossen Veränderungen waren kaum zu überhören. Ob Seferovic, Shaqiri oder auch Rodriguez – allesamt hätte er ohne Gewissensbisse auswechseln können. Er hat es nicht getan. Und die Spieler haben das Vertrauen zurückbezahlt. Die Frage ist nur, ob die Schweizer nun auch einmal vorbehaltlos zu einer Klasse-Leistung fähig sind in einem K.O-Spiel einer Endrunde. Diesen Beweis müssen sie noch erbringen.

Falls die Vorbereitung auf den Achtelfinal noch etwas Freizeit zulässt:

2 – Der grosse Moment von Xherdan Shaqiri an einer Endrunde kommt zuverlässig

Seine Leistung war in den ersten beiden Spielen rätselhaft. Doch dann war er plötzlich wieder da, der Xherdan Shaqiri, der seine Zauber-Künste auspackt. Wie noch an jedem grossen Turnier. WM 2014, Hattrick gegen Honduras. EM 2016, Seitfallzieher gegen Polen, WM 2018 Tor gegen Serbien – und nun: Gala-Auftritt gegen die Türkei, inklusive Zaubertor mit seinem schwächeren rechten Fuss. Sieben Tore an grossen Turnieren – das hat vor Shaqiri noch kein Schweizer geschafft. Mit dem Tor gegen die Türkei überholte er Seppe Hügi. Die Zweifel, ob Shaqiri überhaupt noch zu einer grossen Leistung fähig ist, hat der 29-Jährige ausgeräumt. Lässt er einen weiteren Gala-Auftritt folgen?

Der erste Treffer von Xherdan Shaqiri war ein Traumtor. Video: SRF

3 – Yann Sommer ist da, wenn es ihn braucht

Die EM geht für die Schweizer hoffentlich noch weiter: Eines ist aber jetzt schon klar: die emotionalste Story ist schon geschrieben. Torhüter Yann Sommer wurde zwischen den beiden Spielen gegen Italien und die Türkei Vater, reiste zurück nach Hause – und hexte danach gegen die Türkei so stark, dass der Schluss nahe liegt: Er konnte alle positiven Emotionen, welche die Geburt seiner zweiten Tochter auslöste, mit nach Baku transportieren.

Es gibt immer wieder Momente, in denen Beobachter rund um die Schweizer Nati eine Torhüter-Diskussion anzetteln wollen. Es ist vergebene Liebesmühe, denn eines hat sich über alle Jahre nicht geändert, seit Sommer die Nr. 1 ist im Schweizer Tor (September 2014). Er ist bereit, wenn es wirklich zählt. Natürlich, das dritte Gegentor im Italien-Spiel war nicht wirklich unhaltbar – aber Sommer hat mit seinen grossartigen Reflexen sowohl gegen Wales wie auch gegen die Türkei überzeugt.

epa09289183 Switzerland's goalkeeper Yann Sommer reacts during the UEFA EURO 2020 group A preliminary round soccer match between Switzerland and Turkey in Baku, Azerbaijan, 20 June 2021.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT (RESTRICTIONS: For editorial news reporting purposes only. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)

Der Goalie hat die Schweiz gegen die Türkei mehr als nur einmal gerettet. Bild: keystone

4 – Ricardo Rodriguez ist ein Innenverteidiger

Die Erkenntnis ist nicht neu, und darum überrascht es, dass Vladimir Petkovic zunächst doch wieder davon abrückte: Ricardo Rodriguez hat sich längst zum Innenverteidiger entwickelt. Auf der Aussenbahn ist er zu langsam, gegen vorne braucht er Unterstützung von einem Flügel wie Zuber. Darum ist die Position als linker Innenverteidiger in der Dreierkette ideal für ihn. Mag sein, dass er beim türkischen Treffer zu weit weg stand, aber insgesamt ist ihm der mit Abstand beste Auftritt gelungen an dieser EM. Noch kann er sich weiter steigern. Aber seine Ruhe am Ball und die starken Auslösungen tun der Nati augenfällig gut.

epa09288980 Turkey's defender Zeki Celik (L) in action against Switzerland's defender Ricardo Rodriguez during the UEFA EURO 2020 group A preliminary round soccer match between Switzerland and Turkey in Baku, Azerbaijan, 20 June 2021.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT (RESTRICTIONS: For editorial news reporting purposes only. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)

Als Aussenverteidiger zu langsam, aber als Teil der Dreierkette passt Rodriguez gut in die Nati. Bild: keystone

5 – die rote Zone der Schweiz, direkt vor dem Strafraum

Die Wechsel von Petkovic auf den Aussenpositionen haben sich ausbezahlt. Mit dem Duo Widmer/Zuber funktioniert das Spiel besser. Aber ein Problem haben die Schweizer gleichwohl noch nicht in den Griff gekriegt: Aus der Zone unmittelbar vor dem Strafraum lassen sie viel zu viel zu, seien es gefährliche Pässe, Flanken oder Schüsse. Woran liegt das?

Die Schweizer Verteidigung stand wiederholt zu tief, also zu nahe am eigenen Tor. Sie verpasste es, rechtzeitig herauszurücken. Dem Mittelfeld wiederum gelang es nicht immer, die Räume zu schliessen. Diese Abstimmung aufeinander muss besser werden. Vielleicht im EM-Achtelfinal. Und ganz sicher dann in der WM-Qualifikation.

Die Highlights des Spiels gegen die Türkei. Video: SRF

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die 12 besten Nati-Torschützen

1 / 15
Die 12 besten Nati-Torschützen
quelle: keystone / walter bieri
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wenn im Büro nur noch die EM regiert

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Riesiger Jubel! Die Schweiz schlägt Frankreich und steht im Viertelfinal

Der Jahrhundert-Coup ist Tatsache! Die Schweiz schlägt im EM-Achtelfinal Weltmeister Frankreich im Penaltyschiessen 5:4. Yann Sommer hielt den letzten Schuss von Kylian Mbappé. Zuvor hatten Haris Seferovic und Mario Gavranovic in der Schlussphase ein 1:3 wettgemacht.

Vor Kylian Mbappés Fehlschuss hatten alle fünf Schweizer getroffen: Mario Gavranovic, Fabian Schär, Manuel Akanji, Ruben Vargas und Admir Mehmedi. Speziell: Ausser Akanji alles Spieler, die im Verlaufe der Partie eingewechselt wurden. Nun wartet Spanien im Viertelfinal am Freitag in St. Petersburg.

Das Glück ist also zurück im Schweizer Fussball. Nach Niederlagen in Penaltyschiessen an der WM 2006 und an der EM 2016 glückte der SFV-Auswahl ausgerechnet in dieser finalen Ausmarchung erstmals …

Artikel lesen
Link zum Artikel