Interview
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THEMENBILD --- GASTROBETRIEBE MACHEN WEGEN CORONA-MASSNAHMEN ZU WENIG UMSATZ -- Une serveuse avec un masque porte des bieres sur un plateau aux clients de la terrasse des Grandes Roches sous les arches du Pont Bessieres lors de la crise du Coronavirus (Covid-19) le samedi 16 mai 2020 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Trotz explodierender Corona-Fallzahlen bleiben die Restaurants in der Schweiz weiter bis 23 Uhr offen. Bild: KEYSTONE

Interview

«Man sollte der Bevölkerung keinen Vorwurf machen»: Experte Tanner zu den neuen Massnahmen

Während Deutschland und Frankreich alle Beizen dichtmachen, kann man in der Schweiz weiter munter bis 23 Uhr bechern. Epidemiologe Marcel Tanner sagt, was er von den neuesten Verschärfungen des Bundes hält und was ihm am meisten Sorgen macht.



Herr Tanner, reichen die Massnahmen des Bundes aus, um die Pandemie in den Griff zu kriegen?
Marcel Tanner: Der Bundesrat ist den Empfehlungen der Wissenschafts-Taskforce weitgehend gefolgt. Wichtig ist festzuhalten: Wir brauchen nicht nur stabile, sondern sinkende Fallzahlen! Wir müssen den R-Wert, die Übertragungsrate, wieder unter 1 drücken können. Ich hoffe, dass die beschlossenen Massnahmen des Bundesrates ausreichen. Denn sie erlauben – im Gegensatz zu einem harten Lockdown – weiter ein wirtschaftliches und soziales Leben in der Schweiz.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Während Deutschland trotz deutlich tieferer Fallzahlen ab Montag alle Restaurants dichtmacht, dürfen wir in der Schweiz weiter munter bis 23 Uhr bechern. Ist das nicht absurd?
Jedes Land muss selber einschätzen – eine Güterabwägung vornehmen – welchen Weg es geht und welche Einschränkungen dazu nötig sind. Die Beizen-Sperrstunde um 23 Uhr (mit Beschränkung auf 4er-Regel pro Tisch und Abstandsregel) ist sicher das Minimum an Einschränkung, was man in der Gastronomie machen sollte. Die Kantone können weitergehen, wie das Beispiel Wallis zeigt.

«Deutschland muss selber einschätzen, welchen Weg das Land geht.»

Voller ÖV, volle Innenstädte: Es scheint, als hätten viele Menschen den Ernst der Lage noch nicht begriffen. Was muss jetzt passieren?
Je weniger Leute wir in den nächsten Wochen treffen, desto besser. Darum müssen nun die Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden wenn möglich im Homeoffice arbeiten lassen. Man sollte der Bevölkerung keinen Vorwurf machen. Vielmehr sollten wir uns alle jetzt an der Nase nehmen und die vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen gemeinsam konsequent umsetzen.

Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes, Marcel Tanner,

Marcel Tanner ist Epidemiologe an der Uni Basel. Bild: Annette Boutellier

«Ein zweiter Lockdown wäre für das soziale und wirtschaftliche Leben desaströs.»

Der Winter hat noch nicht einmal begonnen, schon rufen einige Spitäler in der Schweiz die höchste Warnstufe aus. Was macht Ihnen mit Blick auf die nächsten Monate am meisten Sorgen?
Wir müssen jetzt alle am gleichen Strick ziehen. Das muss uns gelingen. Dann lässt sich ein zweiter Lockdown verhindern. Dieser wäre sowohl für das wirtschaftliche als auch das soziale Leben in der Schweiz desaströs.

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