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Sorge um New Yorker Corona-Mutation: Wie gefährlich ist die Variante?

In New York breitet sich eine neue Corona-Variante aus, die Forschern Sorgen bereitet. Denn Untersuchungen zeigen: Bestimmte Impfstoffe wirken bei dieser Mutante wohl schlechter. Was bedeutet das für die Pandemie?

Sandra Simonsen / t-online



epa09047218 People wait in line to receive COVID-19 vaccinations at a vaccination site set up in the Jacob K. Javits Convention Center in New York, New York, USA, 02 March 2021. The United States is trying to vaccinate more and more of the population as the cumulative death toll from the coronavirus pandemic recently rose to over 500,000.  EPA/JUSTIN LANE

New York leidet unter dem Coronavirus – und der mutierten Varianten. Bild: keystone

Ein Artikel von

T-Online

Seit Monaten breiten sich neben der ursprünglichen Variante von SARS-CoV-2 weltweit verschiedene neue Versionen des Virus aus. Mittlerweile sind beispielweise die britische B.1.1.7 sowie die südafrikanische Variante B.1351 auch in Europa verbreitet.

Aus den USA kommen jetzt zwei neue Mutanten, die Sorge bereiten: Als besonders beunruhigend gilt neben der Mutante CAL.20C aus Kalifornien nun die Variante B.1526 aus New York. Forscher befürchten, dass eine Mutation bei dieser Virusvariante die Wirksamkeit der verfügbaren Corona-Impfstoffe schwächen könnte. Folglich könnte diese Mutante gefährlicher sein als andere Varianten des Coronavirus.

Woher stammt die Corona-Variante B.1526?

Die neue Corona-Variante mit dem Namen B.1526 tauchte erstmals in Proben aus New York auf, die vom November vergangenen Jahres stammen. Mitte Februar war bereits etwa jede vierte Infektion in der Region auf diese Mutante zurückzuführen. Untersuchungen zeigen, dass sich diese Variante innerhalb von New York schon weit verbreitet hat. Mittlerweile hat sie sich auch in anderen Ländern, wie beispielsweise Dänemark, ausgebreitet.

Registered Nurse Rita Alba points out to Beltran Orlando the return date on his vaccination card while he rests in the recovery area after his receiving the first dose of coronavirus vaccine at a pop-up COVID-19 vaccination site at the Bronx River Addition NYCHA complex, Sunday, Jan. 31, 2021, in the Bronx borough of New York. From elderly Cuban Americans in Florida to farmworkers in California, Latinos face daunting barriers like fear, language and a lack of education and access as the COVID-19 vaccines roll out, creating risks for public health as the virus mutates and spreads. (AP Photo/Mary Altaffer)

Bild: keystone

«Es sind keine besonders erfreulichen Neuigkeiten», sagte kürzlich Michel Nussenzweig, ein Immunologe an der Rockefeller University gegenüber der «New York Times». Aber es sei gut, darüber Bescheid zu wissen, «denn dann können wir vielleicht etwas dagegen tun».

Was ist besonders an der New Yorker Variante?

Forscher um den Computerbiologen Anthony West von der US-Universität California Institute of Technology haben das genetische Material des Virus untersucht, um die Entstehung neuer Varianten zu erforschen.

Die Wissenschaftler um West entdeckten dabei unter anderem einen Anstieg der Variante B.1526, indem sie eine Mutations-Datenbank durchsuchten. «Es gab ein wiederkehrendes Muster in der Region New York, das ich vorher nicht gesehen hatte», so Anthony West gegenüber der «New York Times».

Die mit der Datenbank arbeitenden Forscher entdeckten auch, dass die neue Variante aus New York Mutationen teilt mit der südafrikanischen Variante B.1351 sowie der brasilianischen Variante P.1 und P.2. Alle drei weisen unter anderem eine Mutation mit der Bezeichnung E484K auf. Von dieser Mutation wird angenommen, dass sie dem Virus die Fähigkeit verschaffen könnte, den aktuellen Impfstoffen auszuweichen.

Wirken die Impfstoffe gegen diese Variante nicht mehr?

Neue Studien zeigen, dass Virusvarianten, die die E484K-Mutation enthalten, weniger auf Impfstoffe ansprechen als das Ursprungsvirus.

Die Mutation störe die Aktivität einer bestimmten Art von Antikörpern, die fast jeder infizierte oder gegen Corona geimpfte Mensch herstellt, so der US-Immunologe Nussenzweig. «Menschen, die sich vom Coronavirus erholt haben oder geimpft wurden, sind sehr wahrscheinlich in der Lage, diese Variante abzuwehren, daran besteht kein Zweifel», sagte er. Aber «sie könnten leicht erkranken». Zudem könnten sie auch weiterhin andere Menschen anstecken. 

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Video: watson/jah

Wie gut bestimmte Impfstoffe auch bei Mutationen wirken, hat Nussenzweig in einer Studie untersucht, deren Ergebnisse im Fachblatt «Nature» veröffentlicht wurden. Dafür impften die Wissenschaftler 20 Freiwillige mit dem Wirkstoff von Moderna oder Biontech /Pfizer und analysierten die Reaktionen. Eine Erkenntnis: Die Wirksamkeit dieser mRNA-Impfstoffe gegen bestimmte SARS-CoV-2-Varianten, unter anderem jene mit der Mutation E484K, war «zwar geringfügig, aber doch signifikant verringert».

Grundsätzlich neutralisieren die Antikörper in den Impfstoffen den Erreger SARS-CoV-2 wirksam. Dieser Prozess werde jedoch durch bestimmte Mutationen verringert oder aufgehoben, so die Studienautoren. «Zusammengenommen legen die Ergebnisse nahe, dass die Impfstoffe gegen neu auftretende Varianten getestet werden sollten und dass mRNA-Impfstoffe möglicherweise regelmässig aktualisiert werden müssen, um einen möglichen Verlust der klinischen Wirksamkeit zu vermeiden», schreiben die Forscher.

Auch andere Wissenschaftler sind besorgt. So erklärte die Epidemiologin Wafaa El-Sadr gegenüber der ARD kürzlich, bestimmte Veränderungen könnten dazu führen, dass das Virus sich schneller vermehre oder nicht mehr auf Impfstoffe reagiere.

Wie wirkt sich die Mutante aus New York auf den Verlauf von Covid-19 aus?

Forscher der Columbia University haben 1142 Proben von Covid-Patienten analysiert und dabei festgestellt, dass zwölf Prozent der Menschen mit der Variante infiziert waren, die die Mutation E484K enthält. Patienten, die durch diese Mutante an Covid-19 erkrankten, waren demnach im Schnitt etwa sechs Jahre älter als andere Patienten und mussten häufiger im Krankenhaus behandelt werden.

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Was ist der Unterschied zur Variante in Kalifornien?

Auch aus Kalifornien kommt eine neue Variante von SARS-CoV-2, die sich CAL.20C nennt. Sie wird für die steigenden Infektionszahlen im Süden des Bundesstaates verantwortlich gemacht und wurde bereits im Juli 2020 nachgewiesen. Mittlerweile hat sich CAL.20C auch in anderen US-Bundesstaaten und in Europa und Australien ausgebreitet.

Noch ist unklar, ob diese Variante ansteckender ist als das Ursprungsvirus. Die schnelle Zunahme der Corona-Neuinfektionen innerhalb der Bevölkerung in Kalifornien weise jedoch darauf hin, so Experten. Ebenfalls noch unbekannt ist bisher, ob diese Variante den Krankheitsverlauf oder die Impfwirkung beeinflussen kann.

Dr. Nussenzweig zeigte sich zuletzt allerdings «besorgter über die Variante in New York als über die, die sich in Kalifornien schnell verbreitete». Anders als die New Yorker Mutante enthält CAL.20C nicht die Mutation E484K, die Einfluss auf die Wirksamkeit der Impfstoffe nehmen kann. 

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