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Berns Andre Heim kommt aufs Eis vor dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem Lausanne HC, am Sonntag, 23. Dezember 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

André Heim spielt in der nächsten Saison nicht mehr beim SC Bern. Einen Ersatz konnten die Berner nicht verpflichten. Bild: KEYSTONE

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SC Bern – «Stunde null» nach der heftigsten Transferniederlage der Geschichte

SCB-Obersportchef Raeto Raffainer bestätigt, dass der SCB keine Transfers machen kann. Trotzdem nennt er als Saisonziel Platz 6 bis 8.



Das beispiellose sportliche Führungsversagen hat dem SCB die heftigste Transferniederlage seiner Geschichte beschert: Die Berner haben nicht einen einzigen Schweizer Feldspieler verpflichtet, aber eigene Talente (Playoff-Topskorer André Heim, Yanik Burren, Kyen Sopa) an die Konkurrenz verloren. Transfertechnisch die «Stunde null».

Sogar «Small Market Teams» wie Langnau, Ambri oder die Lakers mit viel bescheideneren finanziellen Mitteln sind heute im Transfer-Business erfolgreicher. Und das in einer Phase, in der in Bern eine Mannschaft mit ergrauenden Leitwölfen erneuert werden müsste.

Was nun? Raeto Raffainer hofft wenigstens noch auf ein paar Herbst- und Frühwinter-Transfers. «Da und dort wird es Spieler geben, die aus den verschiedensten Gründen mit ihrer Situation nicht zufrieden sind.»

Atemberaubende Zuzüge können unter diesen Voraussetzungen nicht erwartet werden. Raeto Raffainer sagt, die Mannschaft sei nominell trotzdem nach wie vor gut genug für eine Klassierung zwischen Rang 6 und 8. «Aber nur, wenn wir weitgehend vom Verletzungspech verschont bleiben. Wir haben zu wenig Breite.»

Das Transferziel im Herbst und Frühwinter ist also nicht in erster Linie die qualitative Verbesserung der Mannschaft. Sondern die breitere Abstützung.

Immerhin gibt es auch eine erfreuliche Meldung. Verteidiger Eric Blum ist auf dem Weg zur vollständigen Genesung von den Verletzungen, die er durch das Foul von HCD-Stürmer Fabrice Herzog (neu Zug) erlitten hat. Raeto Raffainer ist optimistisch: «Es sieht gut aus.»

Zwei Ausländer-Positionen sind noch offen. Ob sich der SCB tatsächlich in der oberen Tabellenhälfte halten kann, hängt auch davon ab, wie gut die beiden neuen Ausländer neben Dustin Jeffrey und Cory Conacher sein werden. Raeto Raffainer spricht von beschränkten finanziellen Mitteln. 400 000 netto könne der SCB nicht offerieren.

Berns Raeto Raffainer, Chief Sport Officer, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern, am Mittwoch, 17. Februar 2021, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Raeto Raffainer. Bild: keystone

Der SCB-Sportchef ist wohl auf einen Zufallsfund in der Transfer-Brockenstube angewiesen – so wie beispielsweise die Langnauer, die in ihrer tiefsten Krise der Neuzeit nach dem Abstieg von 2013 Chris DiDomenico während der laufenden Saison in Italien aufstöberten. Eigentlich ist es ja das, was der SCB braucht: einen charismatischen, bisweilen wilden ausländischen Leitwolf wie «Dido».

Marc Lüthi hat Raeto Raffainer ab 1. Februar als Chief Sport Officer (Obersportchef) angestellt. Das war die einzige Möglichkeit, ihn vom HCD wegzulocken. Raeto Raffainer bekräftigt erneut: «Als Sportchef wäre ich nicht nach Bern gekommen.» Deshalb sucht der SCB ja zurzeit einen Untersportchef als Ersatz für die gefeuerte Untersportchefin Florence Schelling.

Kein Schelm, wer da fragt: Wozu braucht der SCB wieder einen Untersportchef? Obersportchef Raeto Raffainer ist ja der perfekte Mann für den Job. Und wenn ein toller Untersportchef gefunden wird, müssten wir bald die boshafte Frage stellen: Was macht nun eigentlich Raeto Raffainer?

Marc Lüthi hat hochfliegende Pläne mit seinem Obersportchef. In Bern soll in Zusammenarbeit mit den anderen Sportunternehmen (unter anderem YB, BSV Bern), dem Bundesamt für Sport (BASPO) und Swiss Olympic ein Leistungssportzentrum aufgezogen, die Nachwuchsarbeit ausgebaut und verbessert werden. Ganz nach dem Vorbild des meisterlichen EV Zug. Und bald einmal wird eine Renovation des Hockey-Tempels notwendig sein. Solche Projekte soll Raeto Raffainer vorantreiben.

Das ist alles gut und richtig. Aber der SCB ist eine Hockey-Firma, die mit der Leistungsfähigkeit der ersten Mannschaft steht und fällt. Weil das grösste Publikum Europas bei Laune gehalten werden muss.

Wenn der SCB über eine längere Zeit in der hinteren Tabellenhälfte darbt und nicht mehr rockt, lassen sich die Herzen und die Portemonnaies nicht mehr öffnen und die Kassen nicht mehr füllen. Alle noch so schönen Pläne werden dann Makulatur.

Deshalb braucht es nun für den Wiederaufbau in allererster Linie einen kompetenten, fähigen, glaubwürdigen Sportchef, der den SCB auf dem Spielermarkt überzeugend zu vertreten und zu verkaufen versteht. Den haben die Berner mit Raeto Raffainer gefunden.

Es ist die Aufgabe von Marc Lüthi und seinen gut vernetzten Operetten-Verwaltungsräten, kühne Projekte in der Stadt und im Bernbiet administrativ, politisch und finanziell aufzugleisen. Und nicht von Raeto Raffainer.

Marc Lüthi mit wichtigen nichtsportlichen Aufgaben zu beschäftigen, ist im doppelten Sinne zum Wohle des SCB: Erstens braucht der Hockeykonzern mit 60 Millionen Umsatz tatsächlich auch neben dem Eis eine Erneuerung. Sonst haben die Berner in zehn Jahren zwar immer noch die grösste Arena, aber die schäbigste Infrastruktur der Liga. Und zweitens ist es für den SCB besser, wenn Marc Lüthi so weit wie möglich von der Sportabteilung ferngehalten werden kann.

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