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Protesters clash with police, Sunday, April 11, 2021, in Brooklyn Center, Minn. The family of Daunte Wright, 20, told a crowd that he was shot by police Sunday before getting back into his car and driving away, then crashing the vehicle several blocks away. The family said Wright was later pronounced dead. (AP Photo/Christian Monterrosa)

Ein Demonstrant hält ein Black-Lives-Matter-Schild vor der Polizei hoch. Bild: keystone

Fall Daunte Wright: Notstand und Ausgangssperre in Minneapolis – Biden ruft zur Ruhe auf

Der tödliche Schuss einer US-Polizistin auf einen jungen Schwarzen entfesselt erneut Proteste. Zwei Grossstädte rufen den Notstand aus, im Grossraum Minneapolis dürfen Bürger nachts nicht mehr ihre Häuser verlassen. 



Ein Artikel von

T-Online

Nach dem tödlichen Schuss einer Polizistin auf einen Afroamerikaner haben die Behörden im Grossraum Minneapolis eine nächtliche Ausgangssperre angeordnet. Diese gilt von Montagabend, 19 Uhr, bis Dienstagfrüh, 6 Uhr, wie der Gouverneur des Bundesstaats Minnesota, Tim Walz, mitteilte. Die Bürgermeister der direkt nebeneinander liegenden Grossstädte Minneapolis und St. Paul riefen zudem den Notstand aus. 

In der Nacht zu Montag waren in der Vorstadt Brooklyn Center Ausschreitungen ausgebrochen, nachdem dort der 20-jährige Daunte Wright bei einer Polizeikontrolle erschossen worden war.

US-Präsident Joe Biden rief zur Ruhe auf. «Friedlicher Protest ist verständlich», sagte Biden am Montag im Weissen Haus. Für Gewalt gebe es aber «absolut keine Rechtfertigung». Der Präsident verwies darauf, dass die Ermittlungen zum Tod des 20-jährigen abgewartet werden müssten. «Die Frage ist, ob es ein Unfall oder Absicht war. Das muss noch geklärt werden.»

«Die Beamtin hat ihre Schusswaffe anstelle ihres Tasers gezogen»

Polizeichef Tim Gannon

Offenbar versehentlich Pistole statt Teaser benutzt

Bei dem tödlichen Schuss auf einen jungen Afroamerikaner nahe Minneapolis hatte die US-Polizistin offenbar versehentlich ihre Pistole anstelle ihres Elektroschockers abgefeuert. Die Polizei der Stadt Brooklyn Center im Bundesstaat Minnesota veröffentlichte am Montag Bodycam-Aufnahmen von der versuchten Festnahme des 20-jährigen Daunte Wright. Dabei ist zu hören, wie die Polizistin mehrfach «Taser» ruft, dann aber mit ihrer Dienstwaffe schiesst.

«Die Beamtin hat ihre Schusswaffe anstelle ihres Tasers gezogen», sagte Polizeichef Tim Gannon über den Vorfall vom Sonntag. «Es war eine versehentliche Schussabgabe, die zum tragischen Tod von Herrn Wright geführt hat.» Die Polizistin wurde zunächst beurlaubt.

«Heilige Scheisse, ich habe ihn erschossen»

Die Polizei hatte Wright am Sonntag wegen eines mutmasslichen Verkehrsdelikts gestoppt . Sie fanden dann heraus, dass gegen den 20-Jährigen ein Haftbefehl vorlag. Die Aufnahmen der Körperkamera der Polizistin zeigen, wie Wright sich losreisst, als die Beamten ihm Handschellen anlegen wollen, und zurück in sein Auto springt.

Bei dem Gerangel droht die Polizistin dem jungen Mann zwei Mal einen Taser-Einsatz an, hält dabei aber ihre Pistole in der Hand. Dann ruft sie mehrfach «Taser» – und gibt einen Schuss ab. Als der schwer verletzte Wright trotzdem losfährt, ruft die Polizistin: «Heilige Scheisse, ich habe ihn erschossen.»

Wrights Wagen prallte kurz darauf mit einem weiteren Fahrzeug zusammen. Der 20-Jährige verstarb noch vor Ort. Eine Beifahrerin, offenbar seine Freundin, wurde verletzt.

Steine, Gummigeschosse und Blendgranaten fliegen

Der Vorfall knapp ein Jahr nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im nahegelegenen Minneapolis löste umgehend neue Proteste aus. In Brooklyn Center zogen am Sonntag hunderte Demonstranten zur örtlichen Polizeistation. Nach Behördenangaben warfen Demonstranten Steine und andere Gegenstände auf die Polizeiwache und plünderten in der Gegend rund 20 Geschäfte. Die Polizei setzte Gummigeschosse, Tränengas und Blendgranaten ein.

A National Guard soldier maintain watch and directs traffic at a shopping center in Brooklyn Center, Minn., a suburb of Minneapolis, Monday, April 12, 2021. A Black man died after being shot by police in a Minneapolis suburb during a traffic stop and crashing his car several blocks away, sparking violent protests that lasted into the early hours Monday as officers in riot gear clashed with demonstrators and the man’s mother called for calm. (AP Photo/Jim Mone)

Die Nationalgarde überwacht den Verkehr vor einem Einkaufszentrum in Minneapolis. Bild: keystone

Bürgermeister Mike Elliott verhängte eine nächtliche Ausgangssperre. Ausserdem rückten wegen des Floyd-Prozesses im nahegelegenen Minneapolis mobilisierte Nationalgardisten an.

Biden ruft zur Ruhe auf

Präsident Joe Biden rief am Montag zur Ruhe auf. Er bezeichnete den tödlichen Polizeischuss als «wirklich tragisch», mahnte aber Geduld bei den Ermittlungen an. Zugleich betonte Biden, es gebe «absolut keine Rechtfertigung für Plünderungen». Friedliche Proteste dagegen seien «verständlich».

Vor knapp einem Jahr hatte Floyds gewaltsamer Tod landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze ausgelöst. Derzeit läuft in Minneapolis der Prozess gegen den weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin, der dem 46-Jährigen nach seiner Festnahme wegen Falschgeldvorwürfen neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt hatte. Nach Angaben von Richter Peter Cahill dürften die Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung Anfang kommender Woche beginnen.

In den USA werden Afroamerikaner immer wieder Opfer von teils tödlicher Polizeigewalt. Zuletzt sorgte im Bundesstaat Virginia das rabiate Vorgehen von Polizisten gegen einen schwarzen Angehörigen der Nationalgarde bei einer Verkehrskontrolle für Empörung. Die beiden Beamten hatten den uniformierten Mann mit gezogener Waffe und unter Einsatz von Pfefferspray aus seinem Fahrzeug gezerrt und festgenommen.

Gouverneur Ralph Northam sagte jetzt eine «unabhängige Untersuchung» zu. Einer der beiden Polizisten wurde entlassen. Der Vorfall hatte sich bereits im Dezember ereignet, jetzt wurden aber Videoaufnahmen bekannt. Der Afroamerikaner hat Klage eingereicht.

(AFP/dpa/aj)

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