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Der Ansturm der Impftouristen: Die meisten Kantone winken ab – einer heisst sie willkommen

Der Bund erlaubt das Impfen überall. Trotzdem werden Auswärtige abgewiesen. Lohnt es sich nun, in den einzigen offenen Kanton auszuweichen?

Pascal Ritter / ch media



Der Kanton Schaffhausen verschickte diese Woche ein paar Hundert SMS mit dem Text: «Ihre Anmeldung ist nicht mehr gültig.» Empfänger waren Personen aus anderen Kantonen und aus Deutschland, die sich online für eine Corona-Impfung angemeldet hatten. Laura Gialluca, Sprecherin des kantonalen Covid-Teams, sagt:

«Die Anmeldungen kamen auch aus relativ weit entfernten Gegenden.»

Wer die Nachricht bekommen hat, kann sich per Telefon wieder anmelden. Er muss glaubhaft machen, nachweislich in Schaffhausen zu arbeiten.

Apothekerin Martina Haug zieht eine Spritze mit dem COVID-19 Moderna Impfstoff auf am Mittwoch, 5. Mai 2021, in Zuerich. Ab heute kann die COVID-19-Impfung neben Impfzentren, Hausarztpraxen und Spitaelern neu auch in 160 Apotheken im Kanton Zuerich gemacht werden. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Seit 5. Mai kann die Covid-Impfung im Kanton Zürich auch in 160 Apotheken gemacht werden. Bild: keystone

Jede zweite Anmeldung von ausserhalb

Anmeldungen zur Impfung von ausserhalb haben in jüngster Zeit stark zugenommen - nicht nur in Schaffhausen. Der Kanton Baselland verschickte ähnliche SMS. Dabei kam es zu einer Panne.

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Im Kanton Appenzell Innerrhoden kommt mittlerweile jede zweite Anmeldung von einem Auswärtigen. Die Innerrhödler akzeptieren die Anmeldung nur, wenn der Impfling im Halbkanton arbeitet, einen Zweitwohnsitz hat oder zum angestammten Hausarzt geht. Im Zweifelsfall wird per Telefon nachgehakt. Es kam auch schon vor, dass eine Absage des Impftermins auf der Combox landete.

In Appenzell Ausserrhoden haben sich rund 1500 Ausserkantonale angemeldet. Das entspricht etwa 8 Prozent aller Impflinge. Beim grössten Teil handelt es sich um St. Galler, wie Georg Amstutz, Sprecher der Kantonskanzlei, sagt. Auch der Kanton Aargau muss immer wieder Impftouristen abweisen, führt aber keine Statistik darüber.

Mit der Stromrechnung beweisen, dass man im Kanton wohnt

Grund für den verstärkten Impftourismus könnten Privilegien sein, die Geimpften winken. Zudem scheint es, als ob ausgeladene Impftouristen es einfach beim nächsten Kanton probieren.

In den Zentralschweizer Kantonen Schwyz und Zug sorgten Impftouristen schon früh für Aufsehen. In Schwyz haben sich bisher 1900 Auswärtige angemeldet, 500 bekamen eine Spritze. Im Kanton Zug wurden 70 Personen von Ausserhalb geimpft. Versucht hatten es 150. Beide Kantone kontrollieren nun strenger, wer sich anmeldet. Auf der Schwyzer Anmeldewebseite geht ein Fenster auf, wo man den Wohnsitz bestätigen muss. Regelmässig werden die Anmeldedaten zudem exportiert und Stichproben vorgenommen, heisst es auf Anfrage.

Auslöser der schärferen Kontrollen waren Zürcher, die sich im Kanton Schwyz hatten impfen lassen. Von «Impfdränglern» war die Rede. Allerdings ist die Sache nicht so eindeutig, wie sie scheint.

Der Bund erlaubt Impftourismus, verteilt den Stoff aber proportional zur Kantonsbevölkerung

Der Bund beschafft den Coronaimpfstoff zentral und verteilt ihn an die Kantone. Dies erfolgt nach einem Verteilschlüssel, der Rücksicht nimmt auf Grösse und Zusammensetzung der Wohnbevölkerung. Dennoch ist es erlaubt, sich in einem anderen Kanton impfen zu lassen.

Das Bundesamt für Gesundheit schreibt auf seiner Webseite:

«Sie sind frei, wo Sie sich impfen lassen. Der Tarifvertrag gilt in der ganzen Schweiz. Die Impfung ist somit unabhängig vom Wohnort oder vom Ort einer laufenden Behandlung.»

In der Anmeldemaske, die der Bund den Kantonen zur Verfügung stellt, ist es denn auch nicht möglich, Auswärtige auszuschliessen. Der Kanton Solothurn hat darum beim Bund interveniert und hofft auf eine «rasche Lösung».

Linda Nartey, Berner Kantonsärztin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärzte warnte am Mittwoch vor Impftourismus «im grossen Stil». Dies sei nicht fair gegenüber Personen, die wegen gewisser Risiken Priorität hätten. Zudem sei Impftourismus unnötig. «Ich gehe davon aus, dass schnell genug alle Impfgruppen in ihrem Wohnkanton Zugang zur Impfung bekommen», sagte Nartey. Das Impfen am Arbeitsort findet sie sinnvoll.

Linda Nartey, Kantonsaerztin Bern, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Mittwoch, 7. April 2021 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Linda Nartey, Berner Kantonsärztin: «Ich gehe davon aus, dass schnell genug alle Impfgruppen in ihrem Wohnkanton Zugang zur Impfung bekommen.» Bild: keystone

Die meisten Kantone akzeptieren Auswärtige nur, wenn sie im Kanton arbeiten oder vom angestammten Hausarzt geimpft werden. Die Behörden beteuern, es werde kontrolliert, ob die Impflinge im Kanton wohnen. Allerdings ist dies nicht einfach. Auf Einwohnerregister dürften Angestellte von Impfzentren keinen Zugriff haben. Zudem fehlt die Zeit für genaue Abklärungen.

Im Kanton Waadt muss man ein Dokument vorlegen, das den Wohnsitz belegt. Zum Beispiel eine aktuelle Stromrechnung. Im Kanton Uri setzen die Behörden darauf, dass man die Einwohner kennt. «Uri ist klein», sagt Adrian Zurfluh von der Standeskanzlei. Wenn sich Unbekannte anmeldeten, werde «näher abgeklärt».

Das Wallis hat kein Problem mit Impftouristen

Während die meisten Kantone Impftouristen abwehren, versprüht das Wallis Gelassenheit. Die Dienststelle fürs Gesundheitswesen teilt auf Anfrage mit: «Der Kanton Wallis nimmt derzeit Anmeldungen von Personen aus anderen Kantonen entgegen.» Von den 56'189 Personen, die sich bisher anmeldeten, hatten 572 ihren Wohnsitz nicht im Wallis. Das entspricht einer Auswärtigenquote von einem Prozent.

Ob es sich noch lohnt, ins Wallis auszuweichen, ist fraglich. Der Kanton kündigt an, Impftermine für alle ab Mitte Mai zu vergeben. Auf diesen Termin versprechen auch die meisten anderen Kantone, dass sich jeder impfen kann.

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Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie
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