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Roland Rino Buechel (SVP-SG) spricht im Nationalrat, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 15. Dezember 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der St. Galler Politiker Roland Rino Büchel gilt als Kritiker der Fifa und Uefa. Bild: KEYSTONE

Interview

Super-League-Beben: «Die Amerikanisierung hat ihren Reiz»

Die Pläne einer europäischen «Super League» überraschen SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel nicht. Der Fussballexperte erklärt im Interview, was er von den Abspaltungsplänen hält.



Die Schweiz hat ihre Super LeagueEuropa soll sie auch bekommen. Nicht als neue Liga, sondern als exklusiver Wettbewerb einiger besonders finanzstarker Klubs. Die Pläne lösten diese Woche ein Beben im europäischen Fussball aus. Nach den gestrigen Rückziehern der britischen Klubs wird gar die Idee als begraben betrachtet. watson hat mit dem SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel darüber gesprochen, der eine jahrzehntelange nationale und internationale Erfahrung als Fussball- und Sportmanager hat.

Sie gelten als profunder Kenner des internationalen Sports. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von den Abspaltungsgelüsten gehört haben?
Roland Büchel:
Ganz ehrlich? Ich war nicht überrascht. Wenn man einigermassen nahe am Ball ist, dann sind entsprechende Gerüchte nichts wirklich Neues. Dass es nun so überfallartig ging, hat auch mit der derzeit stattfindenden Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees zu tun. Das ist Sportpolitik; es geht um Geld und Macht. Darum wird Druck aufgebaut.

Auffällig ist ja auch das Seilziehen der Geldgeber – man liest ja, dass grosse Vermögensverwalter bei der Abspaltung mitmischen. Geht es aber nur darum? Oder spielen da auch sportliche Interessen eine Rolle?
Es ist beides. Finanzstarke und hoch verschuldete Klubs haben sich bei der angedachten neuen «Super League» gefunden. Offenbar haben es sowohl die einen als auch die anderen satt, grössere Geldbeträge aus der TV-Vermarktung und den Sponsorentöpfen bei der UEFA zu belassen. Dazu kommt eine steigende Unlust, sich an deren Bedingungen zu halten. Darum: Diese Form der Amerikanisierung hat für einige ihren Reiz.

Was meinen Sie damit?
Man spielt unter sich, man teilt sich die Einnahmen. Und man setzt den Rahmen selbst.

«Solche Muskelspiele schaffen einfach kein Vertrauen.»

Roland Rino Büchel

Die Klubs haben sich aber auch wegen der zunehmenden Kommerzialisierung selbst in die Situation gebracht. Sie erkennen jetzt, dass ihr Geschäftsmodell nicht aufgeht.
Ich sehe es auch so. In Spanien haben Klubs wie Real Madrid oder der FC Barcelona hunderte Millionen Euro Schulden – teure und überbezahlte Spieler gehen nun mal ins Geld; überrissene Zahlungen an Spielervermittler ebenfalls.

Hat die UEFA zu lange zugeschaut?
Ja. Man kann nicht, wie UEFA-Präsident Aleksander Čeferin, immer wieder von Spielmanipulationen und illegalen Wetten als «grösstem Krebsgeschwür» des Sports reden – und trotzdem jahrelang kaum etwas dagegen unternehmen. Vielleicht wollen die abtrünnigen Klubs tatsächlich mehr für einen guten, sauberen Sport tun, wenn sie schon grosse Zahlungen von Sponsoren, aus TV-Rechten und von den Fans erhalten. Ich hoffe zumindest, dass solche Gründe mitspielen (lacht).

Was für Reformen bräuchte es, damit der «Super League»-Plan fallen gelassen wird?
Es ist ein Tauziehen. Die grossen Klubs wollen mehr Geld für sich und weniger Macht für die Verbandsfunktionäre. Die Drohungen der UEFA, Spieler in den nationalen Meisterschaften und sogar für die Nationalteams zu sperren, falls sie in der neuen Liga mitspielen, sind Muskelspiele.

Noch ist die Idee nicht begraben. Gestern haben jedoch alle Premier League ihren Ausstieg bekannt gegeben.
Es wird sich zeigen, ob die Idee damit vom Tisch ist. Die Unruhe im europäischen Fussball ist aber nach wie vor da.

Wer könnte da eingreifen?
Leute mit Interessen an einem starken europäischen Klubfussball, wie zum Beispiel Bernhard Burgener. Der FCB-Boss ist Verwaltungsratspräsident der Team Marketing AG, welche das Produkt Champions League quasi erfand und für die UEFA schon seit Jahrzehnten vermarktet. Klar geht es auch ihm um finanzielle Interessen. Aber er ist einer derjenigen, die Ruhe in die ganze Situation bringen könnten.

Voraussetzung dafür wäre, dass es ihm um einen länderübergreifenden und sportlichen Wettkampf geht, gepaart mit einem Solidaritätsgedanken.
Ja.

Wäre die Abspaltung der Top-Klubs nicht auch eine Chance für den Fussballsport, wenn die Besten der Besten in einer separaten Liga spielen würden? Schweizer Vereine sind ja chancenlos gegen Liverpool, Madrid und Co..
Wir haben mit der Europa League heute und mit der Conference League bald schon so etwas wie eine «Nationalliga B» bzw. «Nationalliga C» auf europäischer Ebene. Dort haben YB, der FC Basel oder auch Klubs wie der FC St.Gallen durchaus ihre Chance. Doch auch hier geht es ums Geld. Ohne die bekannten europäischen Klubs fehlen die ganz grossen Summen der Sponsoren. Und auch die TV-Rechte schenken weniger ein.

Eine solche Top-Klub-Liga würde sich doch komplett von der Fanbasis entfernen!
Das ist gut möglich. Die Champions League und Europa League könnten durchaus interessanter werden, wenn die komplett kommerzialisierten Klubs nicht mehr alles dominieren würden. Aber Tatsache bleibt: Die jetzige, zentralisierte Rundumvermarktung bringt viel Geld in viele Kassen. Wenn solche Quellen versiegen, leidet unter dem Strich auch ein Schweizer Klub in der Champions League, auch wenn er nicht einmal in die Nähe des Pokals kommt.

Was ist mit den Schweizer Spielern wie Granit Xhaka oder Xherdan Shaqiri? Diese Spitzenspieler würden wir auch verlieren, wenn die UEFA ihre Drohung wahr macht.
Ich denke nicht, dass dies passieren wird. Glauben Sie im Ernst, dass der Weltverband FIFA die Spieler von Liverpool oder Arsenal für die WM in Katar sperren würde, um der UEFA einen Gefallen zu machen? Ich sehe also nicht so schwarz für die Fans der Nationalmannschaften, selbst wenn es zu dieser Abspaltung kommt. Und, wie gesagt: Gesamthaft gesehen könnte es für Klubs ausserhalb dieser Liga sogar reizvoll werden. Zumindest sportlich gesehen.

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quelle: keystone / paolo foschini
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