DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ludmila Balkanovic

«Löli», meint meine Mutter und sagt: «Ich scheiss dir in deinen Mund»

Kettenrauchen, dramatisch sein, bereits am Morgen Schnaps trinken und unter jeder Sau fluchen: Willkommen in den Königsdisziplinen des Balkaners.



«Jebo te, sine, gde si!?!», plärrte meine Mutter kürzlich ins Telefon. Ich hatte mich ein paar Tage nicht gemeldet. Sie ist panisch, sieht mich bereits tot in einem Strassengraben liegen. Jugos sind dramatisch. Und sie fluchen. Oft, ohne es bös zu meinen. So wie meine Mutter am Telefon, als sie mich eben mit «Ich fick dich, mein Kind, wo bist du!?!» begrüsste.

Ludmila Balkanovic

Unsere neue Kolumnistin Ludmila wuchs zwischen Mani Matter, Kettenrauchern, harten Schweizer Schulregeln und einer «Fuck the System»-Kultur auf. Hier erzählt die Mittdreissigerin aus ihrem Leben zwischen Schweizer Bünzli- und dem Jugotum.

Es tue mir leid, dass ich abtauchte, sage ich, wohlerzogen wie ich bin, zu Mama. «Serem ti se u usta», antwortet sie. Zu deutsch: «Ich scheiss dir in deinen Mund». Du hältst meine Mutter für wahnsinnig respektlos? Ist sie nicht.

Bist du dir sicher, dass man so nicht miteinander redet? Tut man doch. Mit aller Mutterliebe, die man in sich hat. Das verwirrt dich? Wirst du doch von Ihrer Mama maximal «Löli», «Totsch» oder vielleicht mal «Glünggi» genannt.

«Läck, Chind, wo stecksch?!?»

Unser Telefonat dauert jedenfalls rund zehn Minuten. Als ich die sehr kurzfristige Einladung zum Znacht bei ihr und meinem Vater ausschlage, serviert sie mich mit einem lachenden «Jebo ti pas mater» ab. Für die Übersetzung dieser Worte musst du stark sein. «Jebo ti pas mater» heisst nämlich nichts anderes als «Möge der Köter deine Mutter ficken».

Nun, nehmen wir Mama Balkanovic beim Wort, fasse selbst ich mir an den Kopf: Wie abgefahren, wenn deine eigene Mutter deine Mutter beleidigt? Aber auf Jugo – der Muttersprache des Fluchens – gehören Ausdrücke wie oben erwähnte zum täglichen Gebrauchsjargon. Hätte das Telefonat mit Mum auf Deutsch stattgefunden, was durchaus hätte sein können, hätte es wie folgt getönt:

Mum: «Läck Chind, wo stecksch die ganz Ziit?»
Ich: «Sorry, Mami, voll viel z tue grad.»
Mum: «Okay, han dänkt, du chöntsch hüt zabig bi eus Znacht ässe.»
Ich: «Ich wür gern, han aber scho öppis anders vor.»
Mum: «Okay, dänn halt nöd. Denn aber gern glii mal, okay?!»
Ich: «Ja, klar.»
Mum: «Super. Denn bis bald, Schatz.»
Ich: «Supi. Tschüss, Mami.»

Wenn homophobe Männer Schwänze wollen

Am spannendsten wird es, wenn zwei Balkaner aufeinandertreffen. Heterosexuelle natürlich. Die Akzeptanz der Homosexuellen ist auf dem Balkan – gelinde gesagt – leider noch nicht ganz angekommen. Dafür die Drei-Küssli-Begrüssung. Die ist auch unter echten, meist homophoben Kerlen unproblematisch. Genau so wie der Satz «Jebem ti majku, gde si!?». Zu Deutsch: «Ich fick deine Mutter, wo steckst du?».

 Schöner und liebevoller könnte eine Balkan-Bromance nicht sein.

Die Herren werden sich um den Hals fallen, ein bisschen Smalltalk betreiben, ein paar Zigaretten rauchen und Schnäpse und mindestens einen sehr starken schwarzen Kaffee trinken. In weniger als einer halben Stunde.

Sie werden sich gegenseitig ein wenig anzünden, bis der eine mit «Hocu malo kurac »antworten wird. Wortwörtlich heisst das: «Ein bisschen will ich einen Schwanz». Umgangssprachlich wird der Ausdruck für «Einen Scheiss will ich» benutzt.

Zum Abschied zurück in die Vagina deiner Mutter

Sitzen die beiden Herren in einer «Kafana», dem Lieblings-Spunten des passionierten Balkaners, und bestellen die Rechnung, gehen die Diskussionen erst richtig los. Balkaner laden ein – und werden nicht gerne eingeladen.

Am besten fährt man also, wenn man zahlt, während der andere auf dem Klo oder so ist. Er wird die Einladung mit einem liebevollen «Idi u picku materinu» quittieren – «Geh zurück in die Vagina deiner Mutter.» Der, der bezahlt hat, wird dem Fluchenden einen Schulterklaps und drei Küsschen geben, bevor beide wieder ihre eigene Wege gehen.

Der Jugo wird dich sofort in sein Herz schliessen, jebo te!

Schöner und liebevoller könnte eine Balkan-Bromance nicht sein.

Probier es aus: Red das nächste Mal mit einem Jugo, pack ein «Jebo te»/«Ich fick dich» vor oder nach jeden zweiten Satz. Der Jugo wird dich sofort in sein Herz schliessen.

Darauf gebe ich dir mein Wort, jebo te!

Eure Ludmila!

Das könnte dich auch interessieren:

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Rund um Gsund

Wie ich versuchte «fit im Homeoffice» zu sein – und scheiterte

Hallo, ich bin die Neue. Ab sofort schreibe ich an dieser Stelle regelmässig über Themen rund um Gesundheit. In der ersten Ausgabe geht’s darum, wie man sich im Homeoffice fit hält – oder eben auch nicht.

Was mich dazu ermächtigt, euch hier etwas zum Thema Gesundheit zu erzählen? Nichts. Ausser der Tatsache, dass es mein Körper und ich bereits 45 Jahre miteinander aushalten und wir in dieser Zeit das eine oder andere grössere oder kleinere Wehwehchen überlebt haben – inklusive zwei Schwangerschaften und Geburten. Über manche Dinge weiss ich besser Bescheid, über andere weniger. Falls Letzteres der Fall ist, frage ich nach. Bei Expertinnen und Experten oder bei meiner Freundin Google (hat …

Artikel lesen
Link zum Artikel