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Per Autostopp um die Welt – Woche 68: Alaska-Rundreise mit dem Mietauto

Meine Familie (oder zumindest ein Teil davon) und ich: Mein Mami lag leider falsch mit ihrer Heimweh-Theorie. Bild: Thomas Schlittler

Per Autostopp um die Welt

Liebes Mami, ich erkläre dir jetzt, warum ich kein Heimweh habe

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Als meine Reise per Autostopp um die Welt immer näher rückte, heckte meine Mutter einen fiesen Plan aus. Zu meiner Freundin, meinen drei Schwestern und meinem Vater sagte sie:

«Wir sollten Tom möglichst wenig besuchen gehen.»

Ihr Kalkül: Dann hätte ich schneller Heimweh und würde früher wieder nach Hause kommen.

Und wenn ich jeweils im Family-Chat Fotos postete von meiner Reise um die Welt, pflegte sie zu sagen:

«Dafür muss man nicht ans Ende der Welt reisen, das gibt es auch in der Schweiz!»

Mittlerweile bin ich seit mehr als 15 Monaten unterwegs und meine Mutter hat ihre Taktik aufgegeben.

Sie, mein Vater und meine jüngste Schwester sind für zwei Wochen nach Alaska geflogen, um mich wieder einmal in die Arme schliessen zu können. Ich habe Tränen in den Augen, als ich die drei am Flughafen in Anchorage abhole.

In den vergangenen Monaten bin ich mehreren Langzeit-Reisenden begegnet, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie vor etwas davonlaufen, dass sie vor ihrem Umfeld geflohen sind. Das ist ein legitimer Grund, um in die grosse weite Welt aufzubrechen. Bei mir war das aber nie der Fall.

Warum gehe ich überhaupt weg?

Ein guter Freund hat mir vor meiner Abreise gesagt: «Ich finde deine Pläne vor allem deshalb so bewundernswert, weil du hier glücklich bist und ein tolles Umfeld hast.»

Für mich war das ein wundervolles Kompliment. Und es stimmt, ich hatte in der Schweiz wirklich ein fantastisches Umfeld: Eine Familie, die immer für mich da ist. Die beste Freundin der Welt. Geniale Freunde, mit denen ich über alles reden kann. Einen spannenden Job. Aber ich bin trotzdem losgezogen – aus Neugier!

Zu Beginn meiner Reise habe ich oft darüber nachgedacht, ob es vielleicht ein Fehler war, alles hinter mir zu lassen. Ich habe mich gefragt, ob es in Ordnung sei, das Schicksal derart herauszufordern. Denn in zwei Jahren kann viel passieren.

Freundin weg? Hochzeit verpasst?

Irgendeinen Job werde ich schon wieder finden, da machte ich mir keine Sorgen. Aber wird die Beziehung mit meiner Freundin die räumliche Trennung überleben? Was ist, wenn ich mich von meinen Freunden entfremde? Ist meine älteste Schwester nicht enttäuscht von mir, weil ich die ersten zwei Jahre im Leben ihres ersten Kindes verpasse? Und wird es mir die Zweitälteste verzeihen, dass ich an ihrer Hochzeit nicht dabei bin?

Hier kommen ein paar Bilder der Woche. Unten geht's weiter ...

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Per Autostopp um die Welt – Woche 68: Alaska-Rundreise
quelle: thomas schlittler / thomas schlittler
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Und die Karte mit meiner unserer Route:

quelle: mymaps/google

Ich habe in der letzten Zeit oft an meine Liebsten gedacht – deutlich öfter und intensiver, als wenn ich zu Hause geblieben wäre. Ich weiss jetzt mehr denn je, was ich an ihnen habe.

Früher nach Hause will ich trotzdem nicht. Denn als ich meine Eltern und meine jüngste Schwester am Flughafen in die Arme nehme, ist sofort wieder alles wie immer. Die Vertrautheit hat kein bisschen nachgelassen.

Ich halte es nach wie vor gut aus in der Ferne, weil ich weiss, dass die wirklich wichtigen Leute auch nach meiner Rückkehr noch da sein werden – Familie, Freundin, Freunde.

Das gibt mir die Gewissheit, dass ich mein tolles Umfeld trotz meiner Reise nicht verlieren werde. Die Taktik meiner Mutter, mit Nicht-Besuchen mein Heimweh ins Unerträgliche zu steigern, ist nicht aufgegangen.

Mami, dein Plan hat nicht funktioniert

Das Paradoxe: Der Plan hat gerade deshalb nicht funktioniert, weil ich eine so wundervolle Familie habe. Ich halte es nach wie vor gut aus in der Ferne, weil ich weiss, dass die wirklich wichtigen Leute auch nach meiner Rückkehr noch da sein werden – Familie, Freundin, Freunde.

Mittlerweile hat sich auch mein Mami damit abgefunden, dass ich zwei Jahre weg sein werde. Und sie musste nach den zwei Wochen in Alaska sogar eingestehen, dass es in der Schweiz eben doch nicht alles gibt – zum Beispiel frei lebende Grizzlybären, die man aus nächster Nähe beim Herumtollen beobachten kann.

Tja Mami, in der Schweiz gibt es eben doch nicht alles – oder hast du diese Situationen schon erlebt?

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