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Illustration: FH SCHWEIZ/Flavia Korner

Work in progress

Warum wir uns im Büro nicht mehr konzentrieren können – und was dagegen hilft

Wir leben im totalen Überreiz. Alles ist hektisch, bunt, schnell. Das Nachsehen hat die Konzentration – mit argen Folgen. Doch wenige Tipps reichen, um den Motor des Fokussiertseins hochzudrehen. Was Rafael Nadal damit zu tun hat und warum Langeweile wichtig ist.

Toni Schmid



Das Homeoffice begünstigt die Konzentration. Zu diesem Schluss kommt die Plattform XING in ihrem jüngsten Corona-Barometer. An der Umfrage haben 1300 Personen teilgenommen. Zwei Drittel von ihnen geben an, in den eigenen vier Wänden konzentrierter zu arbeiten. Für Arbeitgeber ist dieser Befund erfreulich – einerseits.

Anderseits heisst das: Um die Konzentrationsfähigkeit im Büro ist es nicht zum Besten bestellt. Und das sollte die Arbeitgeber alarmieren. Konzentration ist die Fähigkeit, seine volle Aufmerksamkeit auf das zu richten, was wichtig ist, und das über längere Zeit. Wo nicht konzentriert gearbeitet wird, bleibt Effizienz glattes Wunschdenken.

Auch in der Politik ist Konzentration ein hohes Gut. Christian Wasserfallen sitzt seit 2007 im Nationalrat. Seine Kernthemen sind Bildung, Energie und Infrastruktur. Um stets à jour zu sein, verarbeitet der FDP-Politiker Unmengen an Informationen. Er sagt: «Meine Basis ist, Wichtiges von Dringlichem zu unterscheiden und gut organisiert zu sein. So kann ich mich im richtigen Zeitpunkt auf das Wesentliche konzentrieren. Informationen einschätzen, fragen, lernen – all das gehört zu meinem Alltag. Genauso wie überraschende Situationen meistern und unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Die Kunst besteht darin, die eigene Zerstreuung so tief wie möglich zu halten.»

Damit legt der 39-Jährige den Finger auf den wunden Punkt der Konzentration – die Ablenkung. Der irrlichternde Geist ist die Grossbaustelle des fokussierten Arbeitens. SMS, Chats, Newsticker, das Getuschel am Nebentisch: Der Geist lässt sich leicht verführen, Zuverlässigkeit geht anders. Deshalb:

Verbanne jede Ablenkung

Willst du dich konzentrieren, musst du Ablenkungen widerstehen. Der Haken ist nur: Widerstehen erfordert Willenskraft, und das ist anstrengend. Als Alternative drängt sich der Weg über die Vermeidung auf. Bleiben die Ablenkungen weg, fällt es leichter, die Aufmerksamkeit zu kontrollieren.

Was eine Ablenkung darstellt, ist individuell. Mit Hintergrundmusik denkt der eine wie Einstein, der andere denkt überhaupt nicht. Du musst folglich herausfinden, was dich ablenkt, wenn du fokussiert bist. Sind es die E-Mails einer Freundin? Das Surren des Kopierers im Gang oder die XXL-Telefonate deines Büronachbarn? Wenn du es weisst, reduziere diese Reize, idealerweise auf null.

«Wichtig ist vor allem das Handy», betont Wasserfallen. «Das ist ein zentraler Ablenkungsfaktor. Lieber eine Kaffeepause mit Handy mehr, als das Ding ständig neben sich liegen zu haben.»

Verordne dir selbst Zeitfenster

Das Denken scheitert am Multitasking, und zwar kläglich. Dafür ist unser Gehirn einfach nicht geschaffen, auch wenn manche das meinen. Sinnvoller ist es, den Fokus auf eine einzige Aufgabe zu legen. Nützlich sind Zeitfenster, die du fix in den Arbeitstag einbaust und fürs fokussierte Denken reservierst. Du tust daneben nichts anderes. Ein Zeitfenster, eine Aufgabe.

Welche Tageszeit du dabei wählst, musst du für dich klären. «Ich bin generell ein Abendmensch», verrät Wasserfallen. «Ich arbeite am Nachmittag bis abends um 23 Uhr am produktivsten.» Seine Zeitfenster fürs konzentrierte Aufgabenlösen müsste er folglich in diesen Teil des Tages legen.

Contentpartnerschaft mit FH Schweiz

Die Beiträge dieses Blogs stammen vom Dachverband der Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen (FH Schweiz). Darin geht es um Arbeit, Karriere sowie Aus- und Weiterbildung. Es handelt sich nicht um bezahlten Content. (red)

Unser Gehirn leistet Schwerarbeit beim Nachdenken. Die Erfahrung zeigt, dass nach 30 Minuten Konzentration erste Ermüdungszeichen auftreten. Eine Pause von drei Minuten reicht aus, um den Kopf zu lüften, hierauf kann man den Tunnelblick wieder einschalten. Solche 30-3-Zeitfenster lassen sich beliebig aneinanderreihen, nach vier oder fünf sollte man eine längere Pause einlegen oder noch besser: Tätigkeit wechseln.

Nutze die Kraft des Rituals

Die Geschichte ist bekannt: Tennis-Ass Rafael Nadal zupft vor jedem Aufschlag an seiner Hose und am T-Shirt und berührt Ohren sowie Nase. Das ist keine Schrulle, sondern eines seiner Rituale, um sich zu fokussieren. Die Psychologie hält fest: Rituale bringen Geist und Körper in Bereitschaft. Die interne Botschaft lautet: Jetzt liefere ich Topleistung!

Das kannst du dir ebenso zunutze machen. Finde ein Ritual, das dich auf das konzentrierte Arbeiten einstimmt. Manche räumen den Tisch komplett frei, andere fahren sich mehrmals mit der Handfläche übers Gesicht, wieder andere führen ein Mini-Selbstgespräch bei geschlossenen Augen.

Alternativ dazu können Visualisierungen helfen. Wie fühlt es sich an, wenn du konzentriert bist? Wie sieht dein Arbeitsplatz dabei aus? Wann empfindest du Freude beim Fokussiertsein? – Ruf dir die entsprechenden Bilder in Erinnerung, bevor du mit der Arbeit loslegst. Damit wechselst du automatisch in den Konzentrationsmodus.

Wesentlich dabei: Rituale und Visualisierung müssen zur Gewohnheit werden. Das geht nicht von heute auf morgen, regelmässige Einübung ist Pflicht. Dann aber entfalten sie ihre gigantische Kraft.

Kenne jederzeit das Ziel

Jede zu lösende Aufgabe muss ein klares Ziel verfolgen. Bei umfangreichen Aufgaben lohnt es sich, Teilziele zu definieren und sie Schritt für Schritt abzuarbeiten. Bevor du also in die Versenkung verschwindest, hast du das Ziel bereits geklärt. Du weisst, wieso du dich konzentrierst. Das erhöht ferner die Motivation.

Dessen ist sich auch Wasserfallen bewusst. Er bestätigt: «Ich setze mir schrittweise Ziele, die gut erreichbar sind, anstatt vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Dann kann ich mich voll auf diese Schritte konzentrieren.»

Beim Nachdenken tauchen zuweilen Gedanken auf, die mit den Zielen wenig zu tun haben. Sich lang mit ihnen zu beschäftigen, hiesse, den Fokus aufs Falsche zu legen. Darum: Unnütze Gedanken auf ein Blatt Papier notieren und das Blatt beiseitelegen. Diese Gedanken stören nur.

Sei entspannt

Konzentration ist ein Muskel, den man trainieren muss. Davon ist Cal Newport überzeugt. Er arbeitet als Professor für Computerwissenschaft in den USA und hat den Begriff «Deep Work» geprägt.

«Deep Work» umfasst ein Massnahmensetting, das konzentriertes Lösen anspruchsvoller Aufgaben fördert. Dieses Setting kreist um Regeln, die im Kern wenig von den bislang erwähnten Tipps abweichen. «Deep Work» bricht eine Lanze für die Langeweile. Wer Langeweile aushält, hat gelernt, Ablenkungen standzuhalten; man fügt sich ihnen nicht, wenn es langweilig wird. Das stärkt die Willenskraft und damit auch den Konzentrationsmuskel.

Langeweile kann zudem das Tor zur Entspannung öffnen. Sie ist die heimliche Ziehmutter der Konzentration. Wer entspannt ist, dessen Geist ist gelöster, was die Konzentrationsfähigkeit begünstigt. Meditation, Yoga und autogenes Training leisten hierbei gute Dienste. Speziell belastenden Gefühlen oder Gedanken muss die Spitze gebrochen werden; wer von Sorgen niedergedrückt wird, kann sich nur schlecht fokussieren.

Halten wir fest: Die Konzentration ist kein Selbstläufer. Noch dazu ist sie fragil. Mit etwas Organisation und Training lässt sie sich allerdings festigen. Und ganz egal, wofür man sie einsetzt, sie ist immer ein Sechser im Lotto. Immer.

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