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HarmonyOS / Harmony OS von Huawei

HarmonyOS soll Huaweis Ausweg aus der Software-Misere sein. Bild: Huawei

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Huawei hat an der hauseigenen Entwicklerkonferenz HDC am Donnerstagmorgen seine Software-Pläne für die Zukunft vorgestellt. Dabei hat der Handy-Hersteller vor allem mit seiner Ankündigung für das hauseigene Betriebssystem HarmonyOS hohe Wellen geschlagen.

Was genau hat Huawei angekündigt?

HarmonyOS, das Huawei mit allen Kräften vorantreibt, wird noch im September in der Version 2.0 erscheinen. Das Spezielle daran: Huawei geht nicht den Weg von Apple und zieht ein geschlossenes Ökosystem auf, sondern macht sein OS frei verfügbar. Wie Android wird HarmonyOS, zumindest in seiner Grundform, Open Source sein. Ähnlich wie bei Google wird HarmonyOS mit diversen Diensten, in Form von Apps und Schnittstellen, von Huawei ausgestattet sein.

Eine dieser Apps ist beispielsweise HiLife und sie ist bereits seit längerem verfügbar. HiLife wird dazu dienen, im Internet der Dinge zwischen den verschiedenen Geräten «zu vermitteln».

HarmonyOS 2.0 Richard Yu Huawei

CEO Richard Yu spricht über HarmonyOS. Bild: Huawei

Ebenfalls öffnen möchte Huawei seine Hardware-Plattformen. So soll es Drittanbieter-Apps beispielsweise genauso möglich sein, die umfangreichen Kamerafeatures zu nutzen, wie dies die native Kamera-App von Huawei kann.

Warum ist das so eine grosse Sache?

Dadurch, dass HarmonyOS als offenes Betriebssystem angeboten wird, können auch andere Anbieter die Software einsetzen. Genau wie bei Android können also andere Smartphone-Hersteller HarmonyOS nutzen. Da HarmonyOS aber ein geräteübergreifendes Betriebssystem sein soll, kann die Software auf allen smarten Devices zum Einsatz kommen. Beispiele hierfür sind nebst Uhren oder Tablets auch Kühlschränke, Waschmaschinen oder Autos. Ebenfalls muss der Code von Open-Source-Projekten frei zugänglich sein. So können also auch externe IT-Experten HarmonyOS auf seine Sicherheit überprüfen.

Hat Google, respektive Android jetzt ein Problem?

Android

Bild: Google

So pauschal kann man das nicht beantworten. Grundsätzlich ist es wohl nicht in Googles Interesse, wenn jemand versucht ein konkurrierendes Ökosystem zu Android aufzubauen. Kurzfristig wird Huawei die Dominanz von Google aber kaum antasten können. Offiziell möchte Huawei noch immer mit Google zusammenarbeiten. Dass man nun versucht, eigene Wege zu gehen, liegt schlicht daran, dass der US-Bann den chinesischen Konzern dazu nötigt.

Interessant dürfte die Situation in China werden. Chinesische Elektronikhersteller sind nicht abhängig von Google-Apps. Ein Umstieg auf HarmonyOS dürfte ihnen leichter fallen. Selbst wenn der US-Bann gelockert werden sollte, könnten chinesische Smartphone-Hersteller langfristig auf HarmonyOS wechseln, um sich von den USA unabhängig zu machen.

Wer wird HarmonyOS einsetzen?

Bereits jetzt sollen über 800 Partner mit an Bord sein, die planen, HarmonyOS auf ihren smarten Alltagsgeräten vorzuinstallieren. HarmonyOS 2.0 ist ab sofort verfügbar, die Entwicklerkits für Smartphones werden ab Dezember 2020 ausgeliefert. Anfangs wird HarmonyOS nur für Einsteigergeräte, respektive Devices mit kleinem Arbeitsspeicher verfügbar sein. Spätestens im Oktober 2021 sollen dann sämtliche Smart Devices unterstützt werden.

HarmonyOS Support Roadmap

Bild: huawei

Bereits jetzt arbeite man mit jeweils fünf Partnern zusammen, um Chips und Module mit dem neuen Betriebssystem kompatibel zu machen. Aktuell seien bereits sieben Chips und fünf Module (WiFi/Kamera/Display) für HarmonyOS zertifiziert. Wer diese Partner sind, hat Huawei leider nicht kommuniziert.

Wann kommen die ersten Smartphones mit HarmonyOS?

Voraussichtlich 2021. Da HarmonyOS erst ab April 2021 Endgeräte mit bis zu 4 GB RAM Arbeitsspeicher unterstützt, ist es vorher unrealistisch, dass ein Handy mit HOS erscheint. Vorstellbar ist, dass Huawei ab April 2021 erste Einsteigermodelle mit HOS in China auf dem Markt bringt. Denkbar wäre auch, dass in einem Jahr, wenn das neue Mate herauskommt, dieses gleich mit HarmonyOS ausgeliefert wird. Das alles ist aber vor allem Spekulation. Vieles hängt auch davon ab, wie sich die Angelegenheit mit dem US-Bann entwickelt.

Kommt HarmonyOS auch bei Autos zum Einsatz?

Ja. Auch hier hat Huawei bereits fortgeschrittene Pläne präsentiert. Aktuell seien mehr als 20 Autohersteller an Bord, die HiCar, so die Autoversion von HarmonyOS, einsetzen wollen. Die meisten Hersteller sind dabei aber nur in China bekannt. Mit Volvo ist immerhin auch ein Hersteller dabei, den man in Europa kennt. Hier muss man aber anmerken, dass Volvo schon länger in chinesischer Hand ist.

Huawei HiCar

Laut Huawei nutzen bereits über 150 Automodelle HiCar. 2021 rechne man damit, dass HiCar in fünf Millionen Fahrzeugen installiert sei. Ebenfalls ist HiCar bisher in 30 Apps integriert worden. Bild: Huawei

Bereits im August hat Huawei, in Zusammenarbeit mit dem Elektroautohersteller BYD, das erste Fahrzeug vorgestellt, das HiCar ab dem Fliessband installiert haben wird.

Han EV von BYD

Der Han EV ist das erste Auto mit Huaweis HiCar. Bild: BYD

Wie sehen die zukünftigen Software-Pläne von Huawei aus?

Seit dem Software-Bann durch die USA haben sich die Ziele von Huawei klar verschoben. Lag der Fokus in der Vergangenheit vor allem auf Hardware, liegt nun die Software klar im Zentrum von Huaweis Zukunftsplänen. Der Konzern definiert seine vergangenen und zukünftigen Ziele folgendermassen:

HarmonyOS

Bild: Huawei

Eine Herausforderung ist für Huawei dabei, Entwickler zu überreden, ihre Apps für HarmonyOS anzupassen. Da Android-Apps nicht mit Huaweis OS kompatibel sind, wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, entsprechende Apps einfach von alternativen Quellen herunterzuladen.

Huawei versucht den Entwicklern das Leben möglichst einfach zu machen. Ein Kernpunkt spielt dabei die Barrierefreiheit: Laut Richard Yu müsse ein Entwickler seine App nicht extra für jedes Device anpassen. Vielmehr müsse man die Anwendung nur einmal programmieren. HarmonyOS adaptiere die App dann für jede Auflösung und Bildschirmgrösse automatisch, sodass sie optimal dargestellt werde.

HarmonyOS Huawei

Bild: Huawei

Eigene Sprachassistentin kommt nun auch nach Europa

Celia Huawei Sprachassistentin

Bild: Huawei

Wer ein eigenes Ökosystem anbietet, braucht natürlich auch eine Sprachassistentin. Huawei hat bereits im März mit der Einführung der P40-Serie auch die Sprachassistentin Celia vorgestellt. Bisher ist diese aber nur in China verfügbar. Allerdings soll Celia noch in diesem Jahr den Sprung nach Europa schaffen.

Eigene Suchmaschine ausgebaut und Google-Maps-Konkurrent

Ausgebaut hat Huawei auch seine eigene Suchmaschine Petal Search. Bisher war die Suchmaschine vor allem dazu da, um Installationsdateien von Android-Apps zu finden. Zwar gab es auch einen News-Bereich, allerdings war dieser nicht sehr umfangreich. Nun hat Huawei Petal Search aber mit einem Update ordentlich ausgebaut. Nebst einem verbesserten News-Hub gibt es jetzt diverse Funktionen, die man sich von Google gewohnt ist. Ähnlich wie bei Googles Suchmaschine werden die Informationen wie Rezepte, Wissen oder Shopping in übersichtlichen Kacheln dargestellt.

Update von Petal Search Huawei

Bild: Huawei

Noch nicht vorgestellt hat Huawei seine Alternative zu Google Maps. Gerüchte, wonach der Konzern an solch einer arbeite, gibt es seit einigen Wochen. Huawei soll dabei auf Daten des niederländischen Kartenpioniers TomTom zurückgreifen. Huawei arbeitet bereits für seine GPS-Schnittstelle, die App-Entwicklern zur Verfügung steht, mit TomTom zusammen. Ebenfalls ist die App TomTom Go Navigation seit einigen Tagen offiziell in der AppGallery verfügbar.

Was passiert, wenn der US-Bann aufgehoben wird?

Diese Frage ist aktuell nicht zu beantworten. Huawei hat für dieses Szenario sicher schon Pläne in der Schublade liegen. Kurzfristig dürfte es bedeuten, dass neue Smartphone-Modelle mit Android und Google-Apps ausgeliefert werden. Es scheint aber unwahrscheinlich, dass Huawei die Entwicklung von HarmonyOS einstellen wird. Zu gross ist die Gefahr, dass die USA es sich plötzlich wieder anders überlegt. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Mehr zum Thema USA vs. Huawei:

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