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epa08624241 A Facebook application icon (R) is seen on a mobile phone in Bangkok, Thailand, 25 August 2020. Facebook announced preparations for legal action against the Thai government after it demanded the social media platform to block users within Thailand to access the one million members of the 'Royalist Marketplace' Facebook group alleged of critical the king. The 'Royalist Marketplace' Facebook group was created by a Thai self-exiled academic and monarchy critic, Pavin Chachavalpongpun who is currently working as an associate professor in Japan.  EPA/RUNGROJ YONGRIT

Ein internes Memo zeigt, dass politische Manipulation durch Bot-Netzwerke von der Facebook-Führung ignoriert wurde. Bild: keystone

«Blut an den Händen» – Ex-Mitarbeiterin publiziert, was Facebook geheim halten wollte

Ein internes Memo einer ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin wirft der Führungsetage vor, politische Manipulationen durch Bot-Netzwerke zu ignorieren. Mit teils tödlichen Folgen.



Um was geht's?

Eine mittlerweile entlassene Datenwissenschaftlerin von Facebook, Sophie Zhang, erhebt schwere Vorwürfe an die Adresse ihres ehemaligen Arbeitgebers. Facebook habe unzählige Beweise dafür ignoriert, dass Fake-Accounts auf ihrem Netzwerk massiven Einfluss auf Wahlen und politische Angelegenheiten ausübten.

Zhang wurde Anfangs September entlassen und publizierte an ihrem letzten Arbeitstag ein 6600 Wörter langes internes Memo, welches dann «Buzzfeed News» zugespielt wurde.

Zhang deutete an, dass sie gefeuert wurde, weil sie das obere Management mit ihren Bedenken konfrontierte. Ihr sei gesagt worden, sie solle aufhören, sich mit Themen zu beschäftigen, die den Rahmen ihres Zuständigkeitsbereichs sprengen. Zhang war zuständig für das Analysieren von «koordiniertem, nicht authentischem Verhalten», Facebooks Ausdruck für Bot-Netzwerke und andere koordinierte Aktivitäten mit dem Ziel, Wahlergebnisse zu beeinflussen und politische Kandidaten zu unterminieren.

Aus dem Memo geht ebenso hervor, dass Zhang ein Abfindungspaket in der Höhe von 64'000 Dollar abgelehnt hat. Dies, weil es eine Nicht-Verleumdungs-Klausel beinhaltete, die es ihr verboten hätte, öffentlich über das Unternehmen zu sprechen.

Was sind die Vorwürfe?

«Während den drei Jahren, die ich bei Facebook verbracht habe, habe ich mehrere krasse Versuche ausländischer Regierungen vorgefunden, unsere Plattform in grossem Massstab zu missbrauchen, um ihre eigenen Bürger in die Irre zu führen», schreibt Zhang in ihrem Memo und bilanziert: «Ich weiss, dass ich inzwischen Blut an meinen Händen habe.»

Nichts Neues, könnte man meinen. Diese Vorwürfe an die Adresse von Facebook sind bekannt. Aber Zhang liefert auch konkrete Beispiele.

«Buzzfeed» hat einige der heftigsten Anschuldigungen zusammengefasst:

Weil darin auch persönliche Infos über Zhang erhalten sind, hat Buzzfeed davon abgesehen, das Memo in voller Länge zu publizieren. Aus dem Memo geht auch hervor, dass Zhang nicht unbedingt wollte, dass dieses an die Öffentlichkeit gerät:

«Ich sehe mich selbst in eine unmögliche Lage versetzt – hin- und hergerissen zwischen meiner Loyalität gegenüber dem Unternehmen und meiner Loyalität gegenüber der Welt als Ganzes. Das Letzte, was ich tun möchte, ist, von unseren Bemühungen für die bevorstehenden US-Wahlen abzulenken. Aber ich weiss, dass dieser Post dies intern wahrscheinlich tun wird.»

Hier liegen laut Zhang die Probleme

Die Datenwissenschaftlerin selbst glaubt nicht, dass Facebook diese Manipulationen mit schlechter Absicht zulässt. Das Problem sei schlicht ein Mangel an Ressourcen. Dazu komme Facebooks Tendenz, sich auf globale Bot-Aktivitäten zu fokussieren, die ein Risiko für das Image von Facebook darstellen. «Kleinere» Angelegenheiten wie nationale Beeinflussungen fänden dabei wenig Raum – weil es sich verhältnismässig um kleine Netzwerke handle.

«Es ist ein offenes Geheimnis, dass Facebooks kurzfristige Entscheidungen weitestgehend durch PR und Furcht vor negativer Aufmerksamkeit motiviert sind», schreibt Zhang. Erst wenn genug medialer Druck aufgebaut würde, unternehme Facebook etwas gegen Manipulationen.

Ein weiteres Problem, das Zhang beschreibt, sind die internen Kommunikationswege. Wenn sie eine verdächtige Aktivität entdecke und diese dann über den offiziellen Weg melde, werde sie ignoriert. Erst wenn man via internem Message Board auf ein Problem aufmerksam mache und Druck aufbaue, werde man wahrgenommen. Sie sagte dazu:

«Ich realisierte, dass meine Standpunkte erst respektiert wurden, als ich mich wie ein arrogantes Arschloch verhielt.»

Wie reagiert Facebook?

Gegenüber Buzzfeed sagte Facebook-Sprecherin Liz Bourgeois: «Wir haben spezialisierte Teams aufgebaut, die mit führenden Experten zusammenarbeiten, um böswillige Akteure zu stoppen. Daraus resultierte das Entfernen von über 100 Netzwerken, die nicht authentisches Verhalten koordinieren.»

Weiter heisst es: «Wir untersuchen jedes Problem mit Sorgfalt – auch jene, die von Frau Zhang erwähnt wurden – bevor wir Massnahmen ergreifen oder als Unternehmen öffentlich Behauptungen aufstellen.» (jaw)

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41
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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jo_Sigi 16.09.2020 13:30
    Highlight Highlight Ich empfehle die Netflix Doku „The social Dilemma“ zu schauen. Erschütternd wie sich die Welt aufgrund von Social Media verändert hat in den letzten Jahren
  • what's on? 15.09.2020 21:11
    Highlight Highlight Mit dem Argument, Facebook gefährdet die Demokratie, könnte man es sperren. Das wäre wohl unpopulär, aber vielleicht endlich mal notwendig.
  • landre 15.09.2020 16:48
    Highlight Highlight Hat FB weltweit nicht schon genug Schaden angerichtet? Ist es noch nicht offensichtlich genug? Wie viel oder was braucht es noch?

    PS. Sogar der US-Kongress beschäftigt sich mittlerweile ernsthaft damit, obwohl die Interessenabwägung eigentlich...
  • Jacques #23 15.09.2020 16:17
    Highlight Highlight Und auch heute der Kommentar, diesmal an dieser Stelle.

    Must see:
    The social dilemma.
    Watch netflix now!
    • Ueli der Knecht 16.09.2020 13:13
      Highlight Highlight "The social dilemma" kettet dich an Bildschirm, indem die Macher genau diese psychologischen Tricks benutzen, die sie mit ihrem Film anscheinend kritisieren.

      Irgendwie heuchlerisch, oder?

      Kann man mit Gift eine Vergiftung heilen? Kann man mit Social Media vor Social Media warnen?

      In meinen Augen ist das pure Bigotterie.
  • Meinung 15.09.2020 16:06
    Highlight Highlight Warum hat Frau oder Mann denn eigentlich noch Facebook?

    Weshalb ist denn für so viele das löschen so ein problem?

    Verstehe ich nicht, wenn doch alles so offensichtlich zu sein scheint.

    • El Vals del Obrero 16.09.2020 08:53
      Highlight Highlight Angst, nicht mehr gefunden zu werden?

      Ich hätte z.B. ohne Facebook nie von einem Klassentreffen nach 15 Jahren erfahren. Andere Kontaktmöglichkeiten hätten die Organisatoren des Treffens nicht gehabt (heute, wo die meisten keinen Telefonbucheintrag mehr haben).
  • Toga 15.09.2020 15:37
    Highlight Highlight Am Anfang 2003/4 war ich noch richtig begeistert.
    Aber mit den Jahren wurde FB immer mehr, steinig kohlen-geil. Darum bin ich seit 2016 nicht mehr bei FB.
  • Dory. 15.09.2020 15:30
    Highlight Highlight Mehr zum Thema:
    Play Icon
  • fireboltfrog 15.09.2020 15:20
    Highlight Highlight #DeleteFacebook
    • TBD 15.09.2020 15:46
      Highlight Highlight Und zwar wirklich "delete" bitte... Ich hatte damalsdie Wahl zwischen "delete" und "deactivate" :-)
    • ast1 15.09.2020 18:34
      Highlight Highlight Und dann auch noch WhatsApp, Instagram und Oculus. Und nicht vergessen, einen Tracker-Blocker zu installieren. Facebook wird so schnell leider keiner los...
    • TBD 16.09.2020 09:13
      Highlight Highlight Korrekt :-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cirrum 15.09.2020 15:15
    Highlight Highlight Und danach, wenn man das System und ihre "Erhlichkeit" hinterfragt heisst es sofort; Zieht doch mal euren Aluhut aus.. hahaha.. es ist alles ein riesen Spiel, dass auf den Schultern der normalen Bevölkerung ausgetragen wird.. es ist alles so lächerlich und das Schlimmste, es wirkt, denn in der normalen Bevölkerung wird der Graben immer tiefer und die eigentlichen Ursacher beschützen ihre Millionen in ständiger Angst, jemand könnte es ihnen wegnehmen oder schlimmer, aufdecken, wie sie zu ihrem Reichtum gekommen sind.
  • smartash 15.09.2020 15:13
    Highlight Highlight «Ich realisierte, dass meine Standpunkte erst respektiert wurden, als ich mich wie ein arrogantes Arschloch verhielt.»

    So einen Satz sollte man nicht einfach so in Grussbuchstaben rot und fett hinknallen.
    Ich hätte mir etwas mehr Kontext gewünscht. In ihrem Memo führt sie sicher genauer aus, wie das gemeint ist. Also wieso lässt man die Aussage einfach so stehen? Nur wegen Effekthascherei?
  • Joe Smith 15.09.2020 15:10
    Highlight Highlight Glaubt wirklich jemand, die Kommentarspalten von z.B. Blick und 20 Minuten würden nicht von «organisierten Netzwerken» laufend mit fremdenfeindlichen und SVP-verherrlichenden Posts gefüllt? Übrigens wurden auch schon in der guten alten Analogzeit Leserbriefkampagnen organisiert, nur waren die damals im Ausmass noch überschaubar.
    • Statler 15.09.2020 16:19
      Highlight Highlight 18 Bots/Trolle finden diesen Kommentar nicht gut.
    • maylander 15.09.2020 16:28
      Highlight Highlight Blick, 20min, Watson und andere Schweizer Medien haben Moderatoren in der Schweiz, die die Beiträge moderieren.

      Facebook hat viel weniger Moderatoren pro User, die sind zudem meistens Offshore.

      Daz kommen noch die Algorithmen, die eine Bubble schaffen.

      Selbst wenn du nur Blick konsumiert wirst du ausgewogener informiert wie auf FB.
    • Die_andere_Perspektive 15.09.2020 16:33
      Highlight Highlight Sieht man auch bei Watson regelmäßig bei Artikeln über Flüchtlinge
    Weitere Antworten anzeigen
  • Andre Buchheim 15.09.2020 15:07
    Highlight Highlight Facebook ist eben eine Zusammenballung von Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Geld- und Machtgier. Was an solchen Netzwerken 'sozial' sein soll, möchte ich mal wissen. Eine Hetz-, Manipulations- und Werbemaschine, mehr ist FB nicht. Die Menschen sollten das langsam mal erkennen, auf digitale Verbindung mehr und mehr verzichten, um die Verbindungen im und mit dem Leben zu stärken. FB und andere soz. Netzwerke waren und sind Fehlentwicklungen, die unsere dunkle Seite fördern und hervorbringen.
    • Die_andere_Perspektive 15.09.2020 16:35
      Highlight Highlight Die grundidee dahinter (Menschen zu Verbinden) ist ja nicht mal so verkehrt... Was daraus wurde ist jedoch ein wucherndes Krebsgeschwür
    • Andre Buchheim 15.09.2020 17:39
      Highlight Highlight Die andere Perspektive
      Ja, geb ich Dir recht, das Internet sollte Wissenspool sein und dem zwischenmenschlichen Austausch dienen.
      Der Fehler ist nicht das Internet, wir sind es. Das Internet ist nur ein Vergrößerungsglas unserer invertierten kollektiven Haltungen und Einstellungen. FB ist wie es ist, weil wir mehrheitlich sind wie wir sind.
      Erst wenn wir mit einem anderen Bewusstsein rangehen, würden auch neue Formen des Miteinanders, im realen wie digitalen Leben, entstehen.
  • Behemoth 15.09.2020 14:47
    Highlight Highlight Facebook ist für mich nur noch ein Geburtstagsreminder.
    • D(r)ummer 15.09.2020 17:19
      Highlight Highlight Für mich auch.

      Ausser ich brauch noch was seltenes, dann frag ich bei der Monster Hunter Community nach.

      Aber ich glaube in anderen Ländern wird Facebook, bei einer nicht vernachlässigbarer Anzahl an Menschen, tatsächlich als Haupt-Medienquelle genutzt.
  • Katzenseekatze 15.09.2020 14:40
    Highlight Highlight Sollte mich das wundern …?
  • Tom Garret 15.09.2020 14:33
    Highlight Highlight Ich habe Facebook 2007 entdeckt und genutzt um mit Freunden des Austauschjahres in Kontakt zu bleiben. Seit etwa 7 Jahren nutze ich den Account nicht mehr, hab mich seither noch einmal eingeloggt... Ich erschrecke immer wieder wie gross der Einfluss ist von Facebook.
  • Therealmonti 15.09.2020 14:30
    Highlight Highlight Selber Schuld, wer bei Facebook ( und anderen Social Medias) einen Account hat.
  • Provinzprinz 15.09.2020 14:24
    Highlight Highlight Facebook löschen, Amazon boykottieren, Google verstaatlichen!
    • Die_andere_Perspektive 15.09.2020 16:36
      Highlight Highlight Da google in den USA liegen wäre das wohl kaum besser...
  • MeinAluhutBrennt 15.09.2020 14:23
    Highlight Highlight dieses FBI-Buch ist wirklich das hinterletze!
  • Coffeetime ☕ 15.09.2020 14:22
    Highlight Highlight Wer meint, dass FB (und andere soziale Plattformen) nicht gefährlich sein kann, hat von Datenmanipulation noch nicht viel gehört...

    Mir scheint es, dass das FB Management besonders lernresistent ist, wenn sie nur auf Druck reagieren... das wird Mark zwar nicht stören, aber das wird nicht schmeichelhaft in die Annalen aufgenommen.
    • Andre Buchheim 15.09.2020 15:46
      Highlight Highlight Solange es Geld bringt, drückt man lieber bei der Ethik beide Augen zu.
  • Timiböög 15.09.2020 14:20
    Highlight Highlight „... bevor wir Massnahmen ergreifen oder als Unternehmen öffentlich Behauptungen aufstellen.»
    Also genauso wie Frau Zhang dargestellt hat.
    • 97ProzentVonCH68000 15.09.2020 15:42
      Highlight Highlight ...wäre ja soviel besser, ohne sachliche Prüfung einfach Behauptungen raus zu lassen. Ich bin sicher, das würdest du auch kritisieren.
  • InfulänzerAufInstagähn 15.09.2020 14:13
    Highlight Highlight «Ich realisierte, dass meine Standpunkte erst respektiert wurden, als ich mich wie ein arrogantes Arschloch verhielt.» - Ist leider im echten Leben meist auch der Fall...
  • Ritalina 15.09.2020 13:56
    Highlight Highlight Black Mirror really outdid themselves this time; having us experience season 6 instead of watching it👏🏽👏🏽
  • BetterTrap 15.09.2020 13:55
    Highlight Highlight In Ecuador die aktuelle Regierung unterstützt, in Bolivien die Opposition, in der Ukraine die pro-westlichen Unternehmungen, in Brasilien Unruhe gestiftet - was haben diese Länder wohl mittlerweile alle gemeinsam?

    So leid es mir tut - die Aussage, dass Facebook das ganze gar nicht willentlich zulässt ist schwachsinn. Facebook ist ein US-amerikanisches Unternehmen und vertritt amerikanische Interessen. Punkt.
    Da muss man gar nicht gross drüber diskutieren, man weiss genau welchen Einfluss man hat, ob man diesen Einfluss haben möchte und was man machen könnte. Bitte nicht so blauäugig.
    • Juliet Bravo 15.09.2020 18:52
      Highlight Highlight Die USA hast du vergessen auf deiner Liste (Trump und Milizen) und Grossbritannien (Brexit und Johnson).

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