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Mit Angle können sich Menschen über beliebige Themen in Live-Diskussionen austauschen.
Mit Angle können sich Menschen über beliebige Themen in Live-Diskussionen austauschen.
bild: angle
Interview

Wie kommt man als Physiker auf die Idee, eine App für Gruppengespräche zu entwickeln?

Angle ist eine Social-Network-App für alle, die lieber an Gesprächen teilnehmen, statt sich endlos durch Social-Media-Feeds zu hangeln. Matthias Strodtkoetter, Mitgründer des Schweizer Startups, über den Wert guter Gespräche und wie er Hatespeech verhindern will.
30.03.2021, 11:00

Anfang Jahr ist ein regelrechter Hype um die Social-Network-App Clubhouse entstanden. Nutzende der rein audio-basierten App können sich in verschiedenen Räumen austauschen, Gesprächen zuhören und selbst mitdiskutieren. Die Plauder-App ermöglicht auch den direkten, ungezwungenen Austausch mit Fachleuten, Politikerinnen und Prominenten, steht aber inzwischen wegen des mangelnden Datenschutzes, fehlender Moderation und rechtlicher Mängel in der Kritik. Da es die App exklusiv für das iPhone gibt und man nur mit einer Einladung mitdiskutieren kann, ist die grosse Mehrheit ausgeschlossen.

Das Schweizer Startup Angle Audio will es mit seiner gleichnamigen App, die für Android und iOS sowie im Web verfügbar ist, besser machen. Auch hier kann man sich an Unterhaltungen zu jedem erdenklichen privaten oder beruflichen Thema beteiligen oder einfach nur still zuhören. Nach einer Testphase wird Angle heute offiziell lanciert.

Das Team: Angle Audio wurde 2020 von Matthias D. Strodtkoetter (CEO), Valerius Huonder (CTO) und Matthias Karg (CPO) in der Schweiz gegründet.
Das Team: Angle Audio wurde 2020 von Matthias D. Strodtkoetter (CEO), Valerius Huonder (CTO) und Matthias Karg (CPO) in der Schweiz gegründet.
bild: angle

Im Gespräch mit watson erklärt Angle-Mitgründer Matthias D. Strodtkoetter, was den Clubhouse-Rivalen aus der Schweiz von der Konkurrenz abhebt und warum es bei Angle um Freundschaften und wertvolle Kontakte gehe und nicht darum, Influencern beim Quatschen zuzuhören.

Matthias, ihr werbt damit, Angle Audio sei «die Clubhouse-Alternative aus der Schweiz». Wie erklärst du Angle jemandem, der keine Ahnung hat, was Clubhouse ist?
Matthias D. Strodtkoetter: Stell dir vor – richtig gute Gespräche auf Abruf, jederzeit und egal wo.

Ich hasse schon Sprachnachrichten, warum sollte ich also Angle nutzen?
Sprachnachrichten sind keine Gespräche. Sie sind bloss Nachrichten aus Sprache.

Video: watson/Marius Notter, Emily Engkent

Ich mag auch keine Podcasts.
Auch einem Podcast zuhören ist bei Weitem nicht dasselbe wie an einem Gespräch teilzunehmen. Angle ist eine App, die dafür optimiert ist, spannende Gespräche zu entdecken und an ihnen teilzunehmen. Sprachnachricht zu Angle ist wie Selfie-Video zu Tangotanzen.

Matthias D. Strodtkoetter, Co-Founder & CEO von Angle.
Matthias D. Strodtkoetter, Co-Founder & CEO von Angle.
bild: angle

Okay, und wie kommt man als Physiker mit ETH-Abschluss auf die Idee, eine App für Gruppengespräche zu entwickeln?
Manchmal im Leben lernt man Leute kennen und hat dann so ein richtig gutes Gespräch, in dem man sich auf eine neue Weise verstanden fühlt, inspiriert wird und die Zeit vergisst. Wir haben gefunden, dass so etwas viel zu selten passiert und dass wir Smartphones, das Internet und moderne Algorithmen dazu nutzen könnten, solche Gespräche in Serie zu produzieren.

Klingt schön und gut, aber ihr habt ein Problem.
Welches?

Die Clubhouse-Macher hatten die gleiche Idee, vermutlich haben sie mehr Geld und sie waren schneller. Wie wollt ihr den Rückstand aufholen?
Die Clubhouse-Macher hatten die Idee einen Ort zu schaffen, an dem Podcasts live stattfinden. Und das haben sie erreicht – herzliche Gratulation ans Team für das grandiose Produkt. Bei Angle geht es aber viel mehr um die Erfahrung echte Gespräche zu führen – und zwar mit interessanten Menschen zu spannenden Themen.

Klingt für mich nach Clubhouse.
Unser Ziel ist es nicht Clubhouse zu besiegen – wir fokussieren uns einfach darauf ein möglichst gutes Produkt zu entwickeln. Es gibt schon jetzt einige Leute, die sowohl an Clubhouse wie auch an Angle Freude haben.

Warum sollte ich Angle nutzen, wenn es bereits das Original gibt?
Im Gegensatz zu Clubhouse hat Angle eine Android-App, eine Web-App, Screen-sharing, Text-Chat, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und regelmässig wiederkehrende Konversationen.

Screenshot der Angle-App.
Screenshot der Angle-App.

Was unterscheidet euch sonst noch?
Auf Clubhouse gibt es ‹Follower› und auf Angle ‹Friends›. Diese und diverse Design-Entscheidungen führen dazu, dass sich die Gespräche auf Angle intimer, authentischer und inklusiver anfühlen. Auf Angle entstehen Freundschaften und wertvolle Kontakte. Das passiert nicht, wenn man ‹Influencern› folgt und beim Quatschen zuhört.

Bei Clubhouse gab es Anfang Jahr einen Hype, weil Influencer Werbung machten und viele Promis an Diskussionen teilnahmen. Ist das auch eure Strategie?
Nein. Promis sind natürlich herzlich willkommen auf Angle. Aber für ein richtig gutes Gespräch muss man nicht mit einem Promi reden. Manchmal hat man die besten Gespräche mit Menschen, die einen überraschend inspirieren oder motivieren.

Social-Apps sind nur nützlich, wenn sie breit genutzt werden. Wie schnell wollt, respektive könnt ihr wachsen?
Social-Apps sind nützlich, wenn sie von Personen genutzt werden, mit denen man sich gerne austauscht. Masse kann dabei ein wichtiges Kriterium sein – muss es aber nicht. Sobald wir ein paar tausend aktive Nutzer haben, sollte Angle die kritische Masse erreicht haben. Danach gilt: Sky’s the limit!

Der Hype um Clubhouse entstand auch durch die künstliche Verknappung. Nur wer ein iPhone und einen Einladungslink hat, darf mitmachen. Warum verzichtet ihr auf diesen Marketing-Trick?
Während der Beta-Phase hatten wir auch eine Warteliste, wir erachten es jedoch nicht als sinnvoll diese als Marketing-Tool einzusetzen, um künstlich den Clubhouse-Hype nachzuahmen.

Wie wollt ihr Belästigungen und Hatespeech verhindern? Werden Gesprächsrunden auf Angle moderiert?
Die Moderation ist eine Herausforderung für jede Plattform, die nutzergenerierte Inhalte zulässt. Kennt ihr wahrscheinlich aus euren Kommentar-Bereichen, oder?

Nur zu gut, darum prüfen wir Kommentare, bevor sie online sind, das ist bei Apps wie Angle nicht möglich.
Es gibt keine einfache Lösung. Wir haben jedoch Mechanismen eingerichtet, die es der Plattform ermöglicht, sich selbst zu verwalten, vor allem dadurch, dass die Benutzer in der Lage sind, Unterhaltungen oder andere Benutzer zu melden. Wir geben auch den Hosts und anderen Administratoren Werkzeuge an die Hand, um mit schlechtem Verhalten im Moment umzugehen. Ausserdem sind wir selbst in jeder Konversation wachsam und präsent.

Wenn die Nutzerzahl schnell wächst, wird es so kaum noch möglich sein, Missbrauch zu verhindern.
Ein Teil der Moderation wird immer auf manueller Arbeit beruhen. In Zukunft werden wir zudem weitere technologische Lösungen einführen, um Fehlverhalten automatisch zu erkennen und zu behandeln. Aber auch dann wird es immer einen Anteil an Grenzfällen geben, auf einem schmalen Grat zwischen Moderation und Zensur.

Angle ist gratis und ich sehe (noch) keine Werbung? Wie wollt ihr Geld verdienen?
Wir sehen Potenzial in Nutzer-zu-Nutzer-Zahlungen, zum Beispiel in Form von ‹Tickets› oder freiwilligen ‹Trinkgeldern› für Content-Creators. Schliesslich ist Angle ein Ort für richtig gute Gespräche. Und für manche dieser Gespräche zahlt man auch gerne Geld – zum Beispiel bei Kursen, Therapien, Vorträgen, Gruppen etc.

Social-Apps haben einen schlechten Ruf, da sie es mit dem Datenschutz oft nicht sehr genau nehmen. Wie garantiert ihr den Datenschutz der User und Userinnen und wo werden die persönlichen Daten gespeichert?
Die Audio- und Screen-Sharing-Daten werden Ende-zu-Ende verschlüsselt an die Konversations-Teilnehmer via weltweit verteilter Server übermittelt. Alle anderen Daten werden in der Google Cloud in Belgien und den Niederlanden gehostet sowie auf PubNub in der Region Europa.

Letzte Frage: Was war die beste Unterhaltung, die du bislang auf Angle gehört hast?
Eben nicht nur gehört, sondern teilgenommen – an einer Unterhaltung mit Prof. Anders Sandberg vom Future of Humanity Institute an der Oxford University. Es ging um ‹Long Term Sustainability of Earth› und ich habe meine Kinnlade im Laufe des Gesprächs kaum noch hochbekommen.

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