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In London wehrt sich die Bevölkerung gegen die totale Überwachung mit Köpfchen, aber auch mit offener Gewalt auf den Strassen. bild: zvg

Review

London is calling! «Watch Dogs: Legion» hackt sich in die Herzen der Openworld-Fans

In der nahen Zukunft hat London ein echtes Problem: Eine private Sicherheitsfirma hat die digitale Kontrolle übernommen. Doch im Untergrund regt sich Widerstand gegen die totale Überwachung.



Eigentlich sollte ich in diesem Schickimicki-Club wichtige Daten von einem Server klauen. Doch kaum betrete ich diesen stylischen Raum passiert es schon wieder: Der Auftrag gerät in den Hintergrund und ich werde komplett von der Atmosphäre eingesogen. Aus den Boxen ertönt ein Song von The Prodigy. Die Bässe ballern durch den Club, eine Lasershow blitzt auf und ich lasse den Controller links liegen. Ich lausche der Musik, wippe mit dem Kopf und beobachte das Treiben. Es ist einer dieser Momente, der mir aufs Neue klar macht, warum dieses «Watch Dogs»-Game bei mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

London steht kurz vor dem totalen Kollaps

Der dritte Teil der «Watch Dogs»-Reihe ist in London zu Besuch. In einer nahen Zukunft steht die Metropole kurz vor dem Kollaps: Diverse Explosionen, die einen terroristischen Hintergrund zu haben scheinen, haben die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Die Nerven liegen blank und Gewalt ist an der Tagesordnung. Soziale Unruhen werden schleichend von einer privaten Sicherheitsfirma unterdrückt, die immer mehr Macht erlangt. Diese Einheit kontrolliert nun mit militärischer Stärke und Hightech-Ausrüstung fast die gesamte Bevölkerung. Parallel hat sich die Unterwelt neu organisiert und sorgt für zusätzlichen Terror in der Stadt. Kurz: London ist so ziemlich am Arsch.

Nein, das Leben in London ist alles andere als cool. Hinter der schillernden Fassade rumort es gewaltig und es regt sich Widerstand. Eine Hackergruppe rekrutiert immer mehr Freiwillige und versucht Schritt für Schritt die Kontrolle über London zurückzuerobern. Der Spielende ist Teil dieses Widerstands und versinkt dabei immer mehr in einem Sumpf aus Verbrechen und Verschwörung.

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Trotz Überwachungsstaat herrscht auf den Strassen von London oft das pure Chaos. bild: zvg

Jeder und jede kann rekrutiert werden

Das Rekrutieren von Freiwilligen zeigt schnell die technische Faszination dieses Videospiels und welch enorme Arbeit in der Entwicklung stecken muss. Denn so gut wie jeder Charakter, dem man auf der Strasse begegnet, kann für das eigene Team abgeworben werden. Egal ob es ein älterer Herr, ein verwirrter Penner am Strassenrand oder sogar ein verbissener Militarist ist, jeder und jede kann es in sein eigenes Team schaffen. Dafür braucht es aber Überzeugungsarbeit und die eine oder andere Minimission. Jede einzelne Figur verfügt über eine kleine Hintergrundgeschichte, die wiederum via Interaktion zum Bestandteil der Geschichte wird.

Zudem haben alle Charaktere individuelle Fähigkeiten, die man sich vorher via Spionage-Smartphone ansehen sollte. Brauche ich für die nächste Mission vielleicht einen Hipster mit ausgezeichneten Drohnen-Kenntnissen oder doch lieber eine aufstrebende Anwältin, die mit guten Kontakten bei einer Infiltration glänzen kann?

Selbstverständlich darf man später auch in die Rollen dieser neuen Rekruten schlüpfen und mit ihnen die weiteren Storyabschnitte bestreiten. Stirbt dieser Charakter oder wird für eine kurze Zeit verhaftet, wird eine andere Figur eingewechselt. Wer übrigens eine grösser Herausforderung möchte, wählt bei Spielbeginn die Möglichkeit, dass sterbende Charaktere auch wirklich tot bleiben und nicht mehr zurückkommen können.

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Warum nicht auch einen Strassenkünstler in seinem Team aufnehmen? bild: zvg

Viele Missionen, aber nicht zu viele

Als aktiver Teil des Widerstands wird zuerst in einer geheimen Unterkunft Stellung bezogen. Die Computer werden hochgefahren, das Outfit samt Maskerade wird angepasst und die technischen Gadgets auf Vordermann gebracht. Hat man es sich dann schön häuslich eingerichtet, beginnt das Ubisoft-Gameplay. Abseits der frischen Idee, dass jeder und jede für die eigene Hackergruppe rekrutiert werden kann, wartet das Openworld-Einmaleins. Man folgt der Wegmarkierung, hüpft von Hauptmission zu Hauptmission und erlebt so das Drama in London.

Selbstverständlich gibt es auch viele Nebenmissionen, die in der Metropole gestartet werden können: Aufstände anzetteln, Gebiete sicher machen, Dokumente besorgen und vieles mehr wollen abgehakt werden. Erfreulich ist dabei, dass die Karte von London stets überschaubar bleibt und nicht mit allzu vielen Icons überflutet wird.

Cool, cooler, London!

Apropos London: Die Metropole ist ganz klar der Star in diesem Videospiel und sah noch nie so gut aus. Zwar haben es nicht alle Stadtviertel ins Spiel geschafft, aber das was besucht werden darf, kann sich sehen lassen und überzeugt jeweils mit Individualität. Egal ob City of London, Westminster oder Camden, alles wirkt lebendig, charmant, wurde mit viel Detailliebe versehen und lädt zum Herumbummeln ein.

So geschieht es regelmässig, dass man die Zeit und vor allem die Mission vergisst, weil plötzlich wieder eines dieser wunderschönen Wahrzeichen auftaucht und man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Big Ben, die Tower Bridge oder das London Eye wurden alle wunderschön in Szene gesetzt. Zusätzlich hat diese Stadt einen schicken Cyberpunk-Anstrich erhalten: Riesige Werbehologramme sorgen für Aufmerksamkeit, fahrerlose Elektroautos warten auf Kunden und digitale Kunstwerke in Neonfarben erfreuen die Touristen. Die Stimmung ist euphorisch und dennoch schwebt Unsicherheit durch die Gassen. Denn viele Drohnen, Militärposten und kleinere Aufstände am Strassenrand unterbrechen immer wieder die sonst coole Scifi-Atmosphäre.

Die Macherinnen und Macher haben in Sachen Future-Look einen passenden Ton getroffen. Auch wenn «Watch Dogs: Legion» in der Zukunft spielt, hat man sich mit überbordenden Science-Fiction-Ideen eher zurückgehalten. Das Szenario wirkt in sich plausibel und schafft eine mögliche reale Zukunftsversion, wo einem Angst und Bange werden kann.

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Das futuristische London sieht jederzeit unglaublich stylisch aus. bild: zvg

Missions-Monotonie und dumme KI

Also wirklich alles ganz toll in diesem «Watch Dogs: Legion»? Nicht ganz. Es sind Kleinigkeiten, die das Gesamtbild etwas bröckeln lassen: Die Hauptmissionen zum Beispiel ähneln sich nach langer Spielzeit doch zu sehr. Gebäude infiltrieren, mit Roboter-Spinne durch Lüftungsschächte krabbeln, Sicherheitssystem hacken, Daten klauen und eventuell noch mit Elektrowaffen herumballern, der Ablauf wiederholt sich zu oft.

Um nicht in diesen Einheitsbrei-Sog zu gelangen, empfiehlt es sich hin und wieder eine Nebenmission zu absolvieren. Das streckt nicht nur die Spielzeit, sondern sorgt auch für die nötige Abwechslung. Oder noch besser: Sich einfach mal der Openworld hingeben, durch die Strassen schlendern, Menschen ausspionieren, Drohnen hacken oder Autos via Fernbedienung durch die Strassen brausen lassen.

Dass immer wieder in neue Charaktere geschlüpft werden kann und eine lückenlose Empathie mit einer Haupt-Spielfigur fehlt, unterstreicht, dass die erzählte Geschichte in «Watch Dogs: Legion» eigentlich auch komplett egal ist. Denn in diesem Ableger steht das Gameplay wirklich im Fokus und lädt hauptsächlich zum Erkunden und Ausprobieren ein. Für alle Story-Liebhaber mit hohen Qualitätsansprüchen ist «Watch Dogs: Legion» dann doch etwas gar seicht geworden.

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Drohnen hacken gehört zum Alltag in «Watch Dogs: Legion». bild: zvg

Bei den Kampfabschnitten, unblutiger Nahkampf ist meistens auch immer eine Option, zeigt sich öfters, dass die KI nicht die hellste ist: Wenn ich eine Sicherheitsschranke ohne Erlaubnis durchschreite, die Alarmsirenen laut heulen und der Wachmann, der mich kommen sieht einfach nur still dasteht, ist das spieltechnisch zwar ein netter Vorteil für mich, macht aber auch klar, dass sich hier zwei Drähte nicht berührt haben.

Auch während einer rasanten Autofahrt, wo man einfach alles über den Haufen fährt und für zahlreiche Todesopfer und permanentes Chaos auf den Strassen sorgt, ist die Sicherheitspolizei oft meilenweit entfernt oder nimmt das Geschehen nur mit einem Achselzucken wahr.

Verliebt in London

Fazit: Auf ein neues «Watch Dogs»-Game hatte ich ehrlicherweise gar keine Lust. Die Vorgänger waren ok, aber liessen mich ohne grosse Erinnerungen kalt zurück. Doch mit dem Schauplatz London hat Ubisoft bei mir voll ins Schwarze getroffen. Das digitale Abbild lebt, pulsiert und verzückt mich immer wieder mit unglaublich stylischen Orten, witzigen Begegnungen und kuriosem Future-Artdesign.

Die erzählte Geschichte bietet zwar nur nettes Mittelmass, aber es sind ohnehin die einzelnen kleinen Missionen und die zufälligen Entdeckungen, die so sehr faszinieren und lange vor den Bildschirm fesseln. Zudem sieht «Watch Dogs: Legion» einfach verdammt gut aus, den britische Akzent muss man lieben und der passende Soundtrack muss so schnell wie möglich heruntergeladen werden.

Und ich bin mir ziemlich sicher: Auch Monate nach Release werde ich immer wieder mal ins futuristische London zurückzukehren, um mich von dieser einzigartigen Kulisse verzaubern zu lassen. Yes, I bloody will!

«Watch Dogs: Legion» ist ab dem 29. Oktober erhältlich für Playstation 4, Xbox One, PC und Google Stadia. Freigegeben ab 18 Jahren.

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