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Im Geschwindigkeits- und Farbenrausch kommt Stimmung auf. bild: zvg

Review

Lust auf einen LSD-Trip? Dann spiel doch mal «80’s Overdrive»!

Eine bunte Retro-Optik und ein wunderschöner Synthie-Soundtrack locken bei «80’s Overdrive». Doch die inneren Werte dieses Rennspiels sind weniger berauschend.



In den 80er-Jahren waren simple Rennspiele wie «OutRun» total angesagt. Einfach Gas geben, den Hindernissen auf der Fahrbahn und anderen Verkehrsteilnehmern ausweichen und ohne einen Unfall zu bauen ins Ziel rasen. Dazu gab es eine beschauliche Grafik, ein solides Geschwindigkeitsgefühl und eine Begleitmusik, die während der Fahrt nachgesummt wurde.

Dieses einfache Spielgefühl von damals will «80’s Overdrive» wiedergeben und lockt mit ganz viel Retro-Charme. Mit einem Pixel-Boliden braust man über das Land oder durch die Stadt und lauscht während eines Sonnenuntergangs oder bei hellem Mondschein den geschmeidigen Klängen, bis die Ziellinie überquert wurde.

Der Release-Trailer zum Rennspiel ...

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Ein zweiter Anlauf

«80’s Overdrive» ist eigentlich nicht komplett neu. Das Spiel gab es schon 2017 für die Mobilkonsole 3DS von Nintendo. Doch in der damaligen Softwareflut ging der Titel total unter. Die Macher Insane Code haben aber nochmals Anlauf genommen und das Spiel für die Nintendo Switch umgesetzt und Anfang Mai auf den Markt geworfen.

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Knallige Neon-Farben und Sonnenuntergangsstimmung locken hinters Steuerrad. bild: zvg

Wohlige Gefühle

Ich weiss nicht, wie ein LSD-Trip reinhaut, aber ich bin mir sicher, dass er evtl. so wie «80’s Overdrive» aussehen könnte. Quietschbunte Farben, die sich ins Auge brennen und ein Pixel nach dem anderen, der vorüberhuscht. Die Macher müssen als Kinder in den Farbtopf gefallen sein.

Umrundet wird diese ganze Farbenpracht von einem Synthie-Soundtrack, der direkt aus den 80ern kommt. Wohlige Wave-Klänge, zärtliche Beats und Retro-Melodien umschmeicheln das Ohr.

Audiovisuell ist dieser Racer ein klarer Genuss für alle Kulturfreunde der 80er-Jahre. Die einzelnen Tracks passen allesamt zum Farbenrausch und sorgen für ein Wohlgefühl nach dem anderen.

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Die Strecken in «80's Overdrive» scheinen manchmal endlos zu sein. bild: zvg

Träge Steuerung

Unwohl wird es einem jedoch bei der Steuerung. Die Neon-Boliden steuern sich träge. Auch wer gute Reaktionsfähigkeiten besitzt, kann schnell mal ein Verkehrsschild touchieren oder bei einem Ausweichmanöver in die Türe eines Kontrahenten prallen. Dann wird man so abrupt ausgebremst und fällt so weit zurück, dass man das Spiel auch direkt abbrechen kann.

Für die einen mag das den Retro-Charme widerspiegeln und an eine Zeit erinnern, als Videospiele noch beinhart waren. Für andere ist es eine Qual, weil damit das Spielchen für zwischendurch zur Frust-Tour wird und ein Vorwärtskommen mit sehr viel Fleiss und Arbeit verbunden ist.

Geld regiert die Autowelt

Wer mit hoher Motivation die Karriere beginnt, um die mehr als dreissig Rennen auf der Karte zu gewinnen, wird nach den ersten Runden etwas leer schlucken. Denn Geld spielt bei «80’s Overdrive» eine grosse Rolle. Das zu Beginn vorhandene Budget ist nämlich schnell aufgebraucht, wenn es nicht gut verwaltet wird. Wer seinen Kontostand aus den Augen verliert, kann schon mal in einer finanziellen Sackgasse landen.

Benzin nachfüllen, Reparaturen oder Auto-Modifikationen wie zum Beispiel die Boost-Funktion kosten allesamt Geld. Geld, das zwar am Anfang zur Verfügung steht, weil man sich ja auch ein Auto kaufen muss, aber schnell einmal weg ist, wenn nicht auch alle Rennen brav gewonnen werden und dadurch die Kasse gefüllt wird. Dadurch entsteht ein gewisser Druck, immer sein Bestes zu geben. Auch hier: Das kann motivierend wirken, aber auch Nerven kosten.

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Wie im richtigen Leben: Die eigene Karre kostet Geld und braucht viel Pflege. bilD: ZVG

Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei!

Während den Rennen dürfen Polizei-Einsätze natürlich nicht fehlen. Die Gesetzeshüter melden sich somit regelmässig mit lauten Alarmzeichen und versuchen, den Geschwindigkeitssüchtigen auszubremsen.

Für weitere Abwechslung sorgen ein paar einzelne Minimissionen, die in den späteren Levels warten. So bekommt man zum Beispiel Geld, wenn auf dem Weg zum Ziel eine bestimmte Anzahl an Kisten oder VHS-Kassetten aufgesammelt wird. Geld, das immer sehr willkommen ist, siehe oben.

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Immer dieser Stress: Gas geben und die Zeit im Auge behalten. bild: zvg

Im Spiel ist zusätzlich ein klassischer Time-Attack-Modus integriert, wo gegen die Zeit angerast werden kann. Auch ein Level-Editor ist mit an Bord, wo man seine Kreationen online teilen kann. Dieser wurde jedoch sehr minimalistisch gehalten und ist eigentlich nicht der Rede wert. Gross austoben können sich die Hobby-Strassenbauer hier nicht.

Ein Glanzstück für Masochisten

Fazit: In den ersten Minuten verzaubert «80’s Overdrive» mit seiner Retro-Optik und seiner charmanten Synthie-Musik. Als Retro-Fan kann man gar nicht anders, als an diesen bunten Pixel-Rennen teilzunehmen.

Doch nach ein paar Runden kann einem schnell die Unlust auf die Schulter tippen. Wer sein Geld ohne Kontrolle ausgibt, landet in einer Sackgasse. Die bockige Steuerung vermiest einem öfters den Sieg. Und wer in den höheren Levels nicht ultraschnell reagiert und eine Portion Glück auf dem Beifahrersitz hat, wird kein Rennen gewinnen.

So bleibt dieser Retro-Racer zwar ein audiovisuelles Glanzstück, ist gleichzeitig aber auch eine Unterhaltungssoftware für Masochisten.

«80’s Overdrive» ist erhältlich für Nintendo Switch. Freigegeben ohne Altersbeschränkung.

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