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Das Bring!-Team arbeitet in Zürich emsig an neuen Features: Marco, Beat, Jürg, Ben, Sandro, Marc, Nicolas, Dominic und Lucia (von links). bild: zvg

Interview

Das haben die Macher der Schweizer Einkaufs-App Bring! als nächstes vor

Die Macher der Bring!-App haben geschafft, wovon viele Entwickler träumen. Nun verraten sie uns, wie es weitergeht ...



Die Schweizer Einkaufs-App Bring! muss man nicht mehr vorstellen, oder doch? Falls du sie noch nicht auf deinem iPhone oder Android-Handy installiert hast, wird es höchste Zeit. Denn die Gratis-App spart Zeit und Nerven. Oder wie es eine watson-Kollegin formulierte: «Dank ‹Bring!› streiten mein Freund und ich nie mehr, weil nichts mehr vergessen geht ...»

watson hat sich mit Marco Cerqui, einem der Firmengründer und Väter der App, über neue Features, Datenschutz und die Shopping-Zukunft unterhalten.* (Spoiler: Einkaufsmuffel und Grossmütter können sich freuen, Siri-Fans auch).

Marco, ihr arbeitet an einem Shopping-Assistenten, der mithilfe von Künstlicher Intelligenz das Einkaufen automatisieren und somit vereinfachen soll. Müssen wir uns fürchten, strebt ihr die Weltherrschaft an? 😉
Marco Cerqui:
Wer wissen möchte, wie es bei uns zu- und hergeht, soll sich ein paar Folgen der Startup-Comedy-Serie «Silicon Valley» reinziehen. Meine Mitarbeiter sagen immer, es gebe bei uns erstaunlich viele Parallelen zur TV-Show. Aber zurück zu unserem Einkaufsassistenten: Unsere Vision ist es, allen Smartphone-Usern ihren eigenen digitalen Einkaufsbutler zur Verfügung zu stellen. Jemand, der immer weiss, was es einzukaufen gibt oder was man kochen könnte. Und wenn man keine Lust hat selber einkaufen zu gehen, soll der Assistent auch gleich die Online-Bestellung auslösen können. Unser Anspruch ist nicht, dass wir das alles selber machen, sondern eher, dass wir mit den richtigen Partnern zusammenarbeiten wie z.B. Rezeptanbieter à la Betty Bossi oder dem Kataloganbieter Profital.

In Zukunft kann man den Einkauf aus der App heraus erledigen, dank integriertem Online-Shop. Wie weit sind diese Pläne fortgeschritten?
Sehr weit. Wir werden im Mai mit einem ersten Partner in der Schweiz live gehen. Wir arbeiten schon länger an dem Thema, aber es braucht seine Zeit, bis alle Partner bereit sind für den Wandel. Wir sind aber überzeugt, dass nun Bewegung ins Spiel kommt. Das liegt unter anderem sicher auch an der Dominanz von Amazon.

Die drei Schweizer Marco Cerqui, Dominic Mehr und Sandro Strebel starteten 2013 die Einkaufs-App Bring! «als Seitenprojekt». Nachdem es zwei Jahre sehr gut lief, gründeten sie die Bring! Labs AG in Zürich. Die preisgekrönte Gratis-App gibt es fürs iPhone (iOS) und für Android. Man kann auch über den Web-Browser auf Einkaufslisten zugreifen.

Wie viele User hat eure App aktuell und in welchen Ländern ist sie am populärsten?
Bring! hat rund 5 Millionen User, wovon ca. 60 Prozent aus der Schweiz und aus Deutschland stammen. Aber auch in Frankreich, Italien, Spanien, UK und den USA haben wir mittlerweile viele Benutzer. Im Mai reisen wir mit dem ganzen Team nach Amsterdam, um den Kickoff für Holland zu machen.

Wie stark wird die Web-Version genutzt?
Mit «Bring! Web» verfolgen wir zwei Ziele: Einerseits möchten wir unseren Usern die Möglichkeit bieten, ihre Einkaufsliste einfach am Computer zu verwalten. Andererseits spielt Bring! Web eine wichtige Rolle beim User Onboarding und beim Importieren von Rezepten z.B. via Betty Bossi oder Swiss Milk. Das funktioniert grundsätzlich schon sehr gut, wir haben aber Luft nach oben. Die Smartphone-App bleibt aber die primäre Plattform. Die Leute gehen halt einfach nicht mit dem Notebook einkaufen ;)

Die App ist gratis. Wird das so bleiben?
Ja, die Grundversion von Bring! wird gratis bleiben. Es kann aber sein, dass wir in Zukunft kostenpflichtige Premium-Features oder Inhalte anbieten werden.

«Es besteht eine gute Chance, dass Bring! noch dieses Jahr für Siri verfügbar wird.»

Persönlich schätze ich Bring! vor allem auch auf der Apple Watch, weil ich im Laden nicht immer das Smartphone zücken muss. Seht ihr für eure App am Handgelenk noch Steigerungspotenzial?
Auf jeden Fall. Wir haben ein paar Konzepte in der Schublade, was wir mit der Apple Watch oder Android Wear («Wear OS») noch machen könnten, wie zum Beispiel standortabhängige Erinnerungen (Location Based Reminders) oder In-Store Navigation. Obwohl sich die Smartwatches gut etabliert haben, sind sie immer noch ein Nischenprodukt. Darum müssen wir immer genau abwägen, wie viel wir in das Thema investieren.

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Bring! am Handgelenk, auf einer Android-Smartwatch. bild: zvg

In euren Datenschutz-Richtlinien steht, dass ihr gewisse Daten anonymisiert mit «ausgewählten Partnern» teilt. Was muss ich mir konkret darunter vorstellen?
Der Datenschutz ist bei uns ein wichtiges Thema, vor allem auch im Hinblick auf GDPR und die kommende Online-Store-Anbindung. Wir sind darum gerade dabei, diverse Punkte anzupassen. Da wir mittlerweile viele Millionen Einkaufszettel gespeichert haben, sind unsere Daten z.B. auch für die Marktforschung von grossem Interesse. Viele Hersteller haben wenige Datenpunkte dazu, wie ihre Kunden einkaufen. Da unsere Plandaten sehr exklusiv sind, können wir helfen, verschiedene Fragestellungen zu beantworten. Dabei geht es nicht um das Verhalten von einzelnen Personen, sondern um das grundsätzliche Verhalten von anonymisierten und aggregierten Benutzergruppen.

watson verdient Geld mit Native Advertising, und ihr tut es auch. Welche Erfahrungen habt ihr bislang mit «Sponsored Products» gemacht? Verträgt sich das mit den an sich neutralen Einkaufszetteln der User?
Das «Sponsored Product» war unser erstes Native-Advertising-Format und wir bieten es seit nun fast drei Jahren in der Schweiz und seit 2017 auch in Deutschland an. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht und bekommen wenig kritisches Feedback dazu. Wir haben das Produkt aber bewusst so designt, dass es unsere User nicht stört, sondern ihnen im Idealfall sogar einen Wert bietet. Mittlerweile gehören darum fast alle namhaften Marken und Hersteller zu unseren Kunden.

Stichwort Smart Home: Eure App verträgt sich mit Amazon Alexa und dem Google Assistant. Wie sieht es mit Siri, respektive Home Kit, aus?
Wir haben erste Tests mit Home Kit gemacht und es besteht eine gute Chance, dass Bring! noch dieses Jahr für Siri verfügbar wird. Der Hauptgrund, wieso Bring! zuerst für den Google Assistant und Alexa kam, liegt bei der Hardware. Wir sind der Meinung, dass der Assistent erst auf einem Smart-Speaker richtig wertvoll wird. Dank Home Pod ist Siri da jetzt auch vertreten.

The HomePod speaker is photographed in a a showroom during an announcement of new products at the Apple Worldwide Developers Conference Monday, June 5, 2017, in San Jose , Calif. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)

Apple verkauft seinen ersten Smart-Lautsprecher, «Home Pod» genannt, hierzulande noch nicht. Bild: AP

Ihr habt neue Investoren gewonnen, wie kürzlich zu lesen war. Was habt ihr mit dem vielen Geld vor?
Genau, wir haben im Januar unsere Series-A abgeschlossen und konnten unter anderem Swisscom Ventures, den Swiss Founders Fund und neue Business Angels von investiere.ch an Bord holen. Wir werden das frische Kapital vor allem für die Weiterentwicklung unserer Shopping-Plattform sowie fürs Marketing verwenden. Bisher sind wir rein organisch gewachsen, nun möchten wir in den nächsten 18 Monaten nochmals einen grossen Sprung machen. Aktuell überlegen wir noch, ob wir alle Einkaufswägeli branden sollen oder mit einem Zeppelin über Zürich fliegen ;)

Ich hatte euch in einem früheren Interview gefragt, wann sich Google oder Apple eure App schnappen werden. Nun, ich bin ganz Ohr ...
Also, eigentlich ist es noch geheim, aber wir sind ja unter uns. Wir werden per 1. April einen Teil von Apple kaufen. Das notwendige «Nötli» dafür haben wir jetzt ja dank der Investoren-Runde :)

Aus dem digitalen Einkaufszettel ist ein Shopping-Berater geworden. Stand das von Anfang an in eurem Businessplan?
Nein, der Business Plan kam bei uns erst in der zweiten Phase, also mit der Gründung der AG (im April 2015, Anmerkung der Red.). Am Anfang haben wir uns stark auf die User Experience fokussiert und uns überlegt, wie die Leute in Zukunft ihren Einkauf erledigen werden. Zum Beispiel ist die Idee hinter den Einkaufsvorschlägen schon sehr früh entstanden. Lanciert haben wir das Feature aber erst letzten Herbst, als die passende Infrastruktur zur Verfügung stand.

Ich muss zugeben, dass ich dieses neue Feature «verpennt» habe. Wie gut funktioniert das Machine Learning und wird es von den Usern geschätzt?
Es ist sehr spannend zu sehen, wie gut die Einkaufsvorschläge werden, wenn man Bring! genügend oft verwendet. In den meisten Fällen hat es immer ein, zwei, drei Produkte unter den Vorschlägen, die passend sind und ohne dieses Feature wohl vergessen gegangen wären. Wir stecken bei dem Feature aber noch in den Kinderschuhen und wir werden weiter ins Machine Learning investieren.

Erhaltet ihr viele Dankesbriefe von Einkaufsmuffeln und Menschen, die dank eurer App friedlicher zusammenleben, bzw. einfacher einkaufen?
Per Brieftaube kommt nur selten Lob, dafür via E-Mail, Social Media und über Bewertungen umso mehr. Von 10-köpfigen WGs über vergessliche Singles und 80-jährige Pärchen konnten wir schon vielen helfen, die Abfallsäcke mal nicht zu vergessen oder den Hausfrieden zu wahren.

Und wie sieht's mit Reklamationen aus?
Kritik gibt es natürlich auch ab und zu, meistens ist es aber konstruktives Feedback oder leichte Aufregung, wenn es mal irgendwo einen Bug gibt. Es kam aber auch schon vor, dass uns jemand wöchentlich geschrieben hat, wie blöd er Bring! findet. Nach 20 Mails ohne Antwort hat er aber aufgegeben und wahrscheinlich dem Blutdruck zuliebe die App gelöscht.

Ihr habt von Anfang an grössten Wert auf die User Experience gelegt. Wird die App auch in Zukunft von Grossmüttern und Schulkindern zu bedienen sein?
Wir haben das Glück, dass Einkaufen eine sehr breite, globale Tätigkeit ist, um die man sich mindestens einmal in der Woche kümmern muss. Das bedeutet auf der einen Seite, dass sehr viele Leute potentielle Kunden von Bring! sind. Auf der anderen Seite heisst das aber halt auch, dass die App für die 20-jährigen Studenten in der WG wie auch für das Rentnerehepaar sehr gut funktionieren muss. Dieser Spagat ist sehr anspruchsvoll, aber zum Glück haben wir sehr viel Talent bei uns im Team. Die User Experience bleibt ein sehr wichtiger Teil von Bring!

Ihr habt geschafft, wovon alle App-Entwickler träumen: Aus einer guten Idee habt ihr eine Anwendung gemacht, auf die viele Smartphone-User nicht mehr verzichten wollen. Hättet ihr euch das erträumen lassen?
Natürlich haben wir davon geträumt mit Bring! so erfolgreich zu werden wie andere bekannte Apps aus dem Ausland. Wir waren aber auch realistisch und wussten, dass es schwierig wird und der Erfolg nicht von heute auf morgen kommt.

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Welche App nutzt du zum Einkaufen? bild: zvg

Das Interview wurde per E-Mail geführt.

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