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Swisscom-Chef Urs Schaeppi verteidigt die Geschäftsbeziehungen mit den Chinesen.
Swisscom-Chef Urs Schaeppi verteidigt die Geschäftsbeziehungen mit den Chinesen.
bild: watson

Das sagt der Swisscom-Chef zu den Spionage-Vorwürfen gegen Huawei

Der Schweizer Mobilfunk-Marktführer will nichts wissen von der Gefahr, die laut der US-Regierung vom chinesischen Tech-Giganten ausgeht.
31.01.2019, 13:30

Der grösste Schweizer Mobilfunk-Provider hält an seinem Lieferanten Huawei fest, der in den USA auf der Anklagebank wegen Spionage sitzt. Man überlege sich derzeit keinen Wechsel, sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi.

Huawei liefert für die Swisscom Bestandteile für das Festnetz. Konkurrentin Sunrise setzt dagegen auf Huawei für den Bau des 5G-Mobilfunknetzes. Salt hat sich für den bisherigen Lieferanten Nokia entschieden.

«Wir haben heute keinen Hinweis, dass Spionage in den Netzen betrieben wird», sagte der Swisscom-Chef am Donnerstag am Rande einer Medienkonferenz in Zürich: 

«Wir sind ja nicht ganz blind, wenn wir die Netze betreiben. Wir monitoren sie permanent und schauen, was auf den Netzen passiert.»
Urs Schaeppi

Die US-Justiz hat Anklage gegen den chinesischen Smartphone- und Technologieriesen und dessen Finanzdirektorin Meng Wanzhou erhoben. Das Justizministerium wirft Huawei, Meng und zwei Tochterunternehmen in 13 Anklagepunkten vor, gegen die Iran-Sanktionen verstossen zu haben.

Zwei Huawei-Tochterunternehmen wird zudem in zehn weiteren Anklagepunkten Industriespionage zur Last gelegt. Die chinesische Regierung kritisierte die Anklage scharf und sprach von «politischen Manipulationen».

Ausschluss in mehreren Ländern

Zudem werfen die USA und andere Länder Huawei eine zu grosse Nähe zu den chinesischen Behörden vor und sehen den Konzern als Gefahr für ihre Cybersicherheit. Die USA, Australien und Neuseeland haben Huawei als Ausrüster für den Bau von 5G-Netzen ausgeschlossen und drängen andere Staaten, ihrem Beispiel zu folgen.

In Grossbritannien und auch Norwegen gibt es bereits ein Umdenken oder es wird noch geprüft. Auch in Deutschland wird neu über den Einsatz von Huawei-Produkten beim Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes diskutiert. Der weltweit zweitgrösste Mobilfunker, Vodafone, kündigte an, den Einsatz von Huawei-Produkten in seinen Kernnetzen auszusetzen.

Huawei und die Regierung in Peking wiesen die Vorwürfe entschieden zurück.

Die Swisscom setzt auf mehrere Lieferanten

Die Swisscom beschäftige sich sehr intensiv mit der Angelegenheit, sagte Schaeppi weiter. Die Diskussion werde heute viel zu eng geführt. Heutige Telekomnetze hätten eine Vielzahl von Lieferanten. 

«Mit einem einzigen Lieferanten kann man heute kein Netz bauen.»
Swisscom-Chef

Deshalb sei es wichtig, dass man Architekturen baue und Sicherheitskonzepte sowie Überwachungsmassnahmen habe, damit die Netze sicher seien. Die grössere Gefahr gehe von einem Cyberangriff aus, der unabhängig von Lieferanten sei. «Das ist wie beim Wasser. Cyberangreifer gehen den Weg des geringsten Widerstands und dringen dort ein, wo eine Lücke ist», sagte Schaeppi.

«Mit Trojanern kann man in jede Infrastruktur eindringen, ob die von Cisco oder von Huawei stammt. Deshalb muss man das ganze Sicherheitskonzept der Infrastrukturen anschauen.»

Huawei werde in den USA ja nicht für Netzspionage angeklagt, sondern für Industriespionage, sagt der Swisscom-Chef.

Und Spionage könne man heute in jeder elektronischen Komponente betreiben. Die Angreifer würden in die Systeme eindringen. «Dafür müssen sie die Hardware gar nicht selber besitzen.»

Die NZZ vermutet in einem aktuellen Kommentar, dass der politische Druck auf die Swisscom wachsen könnte:

«Die Kooperation mit Huawei ist zwar weniger umfassend als bei Sunrise, sie betrifft aber das Festnetz, eine zentrale Infrastruktur der Schweiz. Das hat bereits früher Politiker auf den Plan gerufen. Mit den jüngsten Entwicklungen haben solche sicherheitspolitische Bedenken noch zugenommen.»

(dsc/sda/awp)

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Video: srf
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