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Die TV-Box Mioviu könnte das geplante Spulverbot bei TV-Werbung aushebeln – und dies ganz legal. bild: neues.tv

Diese Schweizer TV-Box macht dem Streit um Replay-TV ein Ende

Die TV-Sender wollen das Überspulen der Werbung im Replay-TV einschränken. Ein Schweizer TV-Experte entwickelt nun eine smarte TV-Box, die Werbung automatisch filtert. Das Geld dafür sammelt er per Crowdfunding.



Zeitversetztes Fernsehen ist beliebt. Gross war deshalb der Aufschrei, als bekannt wurde, dass die TV-Sender das Überspringen der Werbung künftig verhindern wollen. Mit dem heutigen Replay‐TV muss die Werbung eigenhändig mit Vorwärtsspulen übersprungen werden. Das Schweizer Projekt Neues.tv möchte TV-Nutzer vollständig von nerviger Unterbrecherwerbung befreien und mit weiteren Innovationen Kunden gewinnen.

«Ich beobachte schon lange, dass immer mehr Menschen überfordert und frustriert sind, wenn sie ihren TV-Inhalt auswählen sollen», sagt Projekt-Initiant Lukas Gysling, der seit dieser Woche per Crowdfunding Geld für die Entwicklung seiner smarten TV-Box Mioviu sammelt.

Das Problem: Heute verbringen wir gefühlt mehr Zeit mit dem Suchen nach einer Sendung, als wir effektiv TV schauen. Und hat man eine Sendung gefunden, muss man ständig Werbeblöcke überspulen.

Das Projekt Neues.tv will das TV-Erlebnis vereinfachen und verbessern. Die konkreten Ziele:

«Das Besondere an Mioviu ist, dass dir der Service viele kleine Aktionen rund ums Fernsehen abnimmt: gewünschte Aufnahmen programmieren, Werbung überspringen, die Auswahl vereinfachen und anderes mehr», sagt Gysling. 

So funktioniert Mioviu

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Lukas Gysling erklärt sein Projekt im Video.  Video: YouTube/neues tv

Mioviu (vom englischen «My View» – meine Sicht, mein Überblick) ist im Moment erst ein Konzept. Ist das Crowdfunding erfolgreich, will Gysling mit Partnern eine Start-up-Firma Gründen und die TV-Box entwickeln. «Wenn die Kunden von Mioviu keine Werbung in ihren Aufnahmen sehen wollen, richtet sich die Wiedergabe‐Software danach und blendet die Werbung automatisch aus», verspricht Gysling.

So will sich Mioviu von Swisscom, UPC oder Zattoo abheben

Das Herzstück von Mioviu ist eine Technologie, die dem Nutzer ein massgeschneidertes Programm ohne Werbung zusammenstellt. Um tatsächlich die persönlich relevanten Sendungen aufgezeichnet zu erhalten, gibt man zunächst seine Präferenzen an. 

«Ausserdem wird Mioviu die Sendungen der 50 wichtigsten deutschsprachigen Sender in Echtzeit auf inhaltliche Details analysieren und so viel präzisere Empfehlungen machen können, z.B. einzelne Beiträge innerhalb von Nachrichtensendungen direkt ansteuern», sagt Gysling.

Gegenüber grossen TV-Verbreitern wie UPC, Sunrise oder Zattoo habe sein Projekt einen weiteren Vorteil: «Mioviu macht inhaltliche Empfehlungen ausschliesslich im Interesse des Nutzers. Andere Anbieter haben alle noch gewisse kommerzielle Interessen, ihren Kunden Bezahlinhalte oder Werbung aufs Auge zu drücken», sagt Gysling.

Mioviu soll zudem genau diejenigen Inhalte vorschlagen, die im Moment passend sind. Hierzu muss die Software ähnlich wie ein Mensch «verstehen», was sie sieht. Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen:

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So funktioniert die Mioviu-Box im Detail. Video: YouTube/neues tv

Welche TV-Sender erhalte ich überhaupt?

Die 300 wichtigsten Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Werbung kann aus rund 50 deutschsprachigen Sendern gefiltert werden. Die provisorische Senderliste findet sich hier.

Voraussetzung für die Mioviu-Box ist ein Kabelanschluss von UPC (ehemals Cablecom), Quickline bzw. von einem anderen Kabelnetzbetreiber oder Satelliten-TV. Mioviu ermöglicht den Zugriff auf Sender, die im Basis-Angebot des Kabelanschlusses (Free-TV) verfügbar sind. Für kostenpflichtige Sender wie Teleclub Sport (Pay-TV) oder Streaming-Dienste wie Netflix braucht es das entsprechende Abo.

Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

«Mioviu ist kein schwarzes Loch. Die Daten, die du generierst, und das Profil gehören dir. Mioviu zeigt dir, was und wie du fernsiehst. Du kannst Statistiken zu Sendern, Genres, Thema etc. einsehen», sagt Gysling. Er verspricht, dass keine Daten für Werbung weiterverkauft werden.

Die TV-Box soll aktuelle Sendungen lokal auf der Box speichern, ältere Aufnahmen werden in die Cloud ausgelagert.

Ist Mioviu legal (auch wenn die Sender Replay-TV einschränken wollen)?

Ja. Die TV-Sender könnten zwar im Extremfall per Gesetz erreichen, dass Swisscom, UPC und Co. das Überspulen von Werbung im Replay-TV blockieren müssen. Dieses Spulverbot tangiert Mioviu laut Gysling aber nicht. «Das Replay-TV von Mioviu basiert auf den persönlichen Aufzeichnungen, welche beim Nutzer zu Hause erfolgen. Die TV-Sender wollen diese persönlichen Aufnahmen nicht einschränken und können auch nicht bestimmen, wie sie der Konsument anschaut. Mioviu ist daher von diesem Verbot nicht betroffen.»

So kannst du das Projekt unterstützen

Hinter Neues.tv steht Lukas Gysling, der in den letzten zwanzig Jahren bei Firmen wie SRF oder der Kabelnetzbetreiberin Quickline interaktive Fernsehdienste entwickelt hat.

Ob ein Bedürfnis nach Mioviu besteht, testet Gysling seit dieser Woche auf der Crowdfunding‐Plattform WeMakeIt. Wenn er mindestens 500 Vorbestellungen für seine TV-Box erhält, will er das Projekt umsetzen. Zusätzlich muss rund eine Million Franken Investitionskapital beschafft werden. Gelingt dies, soll die TV-Box bis Ende 2019 ausgeliefert werden. 

Das Bundle-Angebot aus der TV-Box und dem 1-Jahr-Abo wird 250 Franken kosten, wobei im Crowdfunding der Preis bis zu 30 Prozent günstiger ist. Das Service-Abo um ein Jahr zu erneuern, soll 50 Franken kosten, also gut vier Franken pro Monat. Voraussetzung ist ein Kabelanschluss oder Satelliten-TV. Ein separates Replay-TV-Abo benötigt man nicht mehr.

Das Crowdfunding soll 100'000 Franken einbringen. Den aktuellen Zwischenstand findet man hier.

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