DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Schweizer Corona-Warn-App ist erfolgreich gestartet. Doch nun gilt es weitere User zu überzeugen.
Die Schweizer Corona-Warn-App ist erfolgreich gestartet. Doch nun gilt es weitere User zu überzeugen.
Bild: KEYSTONE

Das sind die grössten «Baustellen» bei der SwissCovid-App

Die Schweizer Corona-Warn-App ist erfolgreich gestartet. Nun sind erneut die Software-Entwickler gefordert, und speziell Apple und Google.
07.07.2020, 11:52

Wie schlimm ist es?

Bei über einer Million aktiver User, die SwissCovid täglich in Betrieb haben, erscheint die Zahl der Fehlermeldungen relativ gering. Bei Twitter kursieren entsprechende Reklamationen, aber auch sehr viele positive Rückmeldungen. Und die Bewertungen in den App-Stores sind bislang relativ gut.

Dass die Android-Version deutlich schlechter bewertet wird als die iPhone-Version, dürfte mit einer Besonderheit des mobilen Betriebssystems von Google zu tun haben. Um SwissCovid aktivieren zu können, müssen Android-User auf ihrem Mobilgerät eine Berechtigung für den Standort erteilen.

Und dies obwohl SwissCovid nicht die GPS-Funktion verwendet und auch sonst keine Standortdaten erfasst.

Die SwissCovid-App hat keine Berechtigung zur Standortabfrage.

Verwirrung um Standort-Zugriff

Damit Android-Smartphones (mit installierter und aktivierter SwissCovid-App) andere Mobilgeräte in ihrer Nähe über Bluetooth Low Energy erfassen, muss die allgemeine Systemeinstellung «Standort verwenden» aktiviert sein.

Die SwissCovid-App erfasst zu keiner Zeit den Standort oder verwendet die Satellitennavigation GPS. Das können Android-User jederzeit in den Einstellungen prüfen.

  • Man öffnet die System-Einstellungen des Smartphones (nicht die Einstellungen in der SwissCovid-App).
  • Man navigiert zu folgendem Menü > «Sicherheit & Standort» > «Standort» > «Berechtigungen auf App-Ebene».
  • Nun kann man die Liste der Apps anschauen, die auf den Standort zugreifen können, wenn man es zulässt. Hier sieht man auch: Die SwissCovid-App ist nicht aufgeführt.

Die Initianten von swisscovid-app-facts.ch halten fest:

«Das Versprechen der App und die Botschaft zum parlamentarisch verabschiedeten Gesetz wird eingehalten: es werden keine Standortdaten erfasst, sondern lediglich gut vor Missbrauch geschützte verschlüsselte Daten zur Annäherung zwischen den anonymisierten Apps.

Google und andere Konzerne können auch bei ausgestellter Standort-Funktion die anonymisierten Standortdaten (bspw. durch den Empfang mit Handyantenne) immer abfragen. Wenn sie hier sicher sein wollen, müssen sie auf das Gerät ganz verzichten.»

Irritierende Fehlermeldungen

Die SwissCovid-App kann im Betrieb verschiedene unverständliche oder beunruhigende System-Fehlermeldungen anzeigen und damit für Verwirrung sorgen.

Wie zum Beispiel:

  • «Zu wenig Speicher ...»
  • «Region für Kontaktmitteilung geändert ...»
  • «Hintergrundaktualisierung» wird nicht ausgeführt
  • «Unerwarteter Fehler beim Synchronisieren»
  • etc. etc.

Die SwissCovid-Entwickler stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Entwicklern bei Apple und Google, die ja die Schnittstellen für die Tracing-Apps in die mobilen Betriebssysteme iOS und Android implementiert haben.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) soll es ein erstes Update der App Mitte Juli geben, mit der Aktualisierung der Betriebssysteme Android und iOS. Dabei sollen einige Bugs, wie zum Beispiel «irritierende Fehlermeldungen von Apple und Google», behoben werden. Ausserdem würden die Messungen verbessert und die Akkulaufzeit erhöht.

Nationale Apps bringen's nicht im Ausland

Für August hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein grösseres App-Update in Aussicht gestellt. Dieses Update soll die Interoperabilität von SwissCovid mit den Corona-Warn-Apps der Nachbarländer Deutschland, Italien und Österreich bringen. Dann müsste man bei Grenzübertritten nicht mehr zwischen nationalen Apps hin und her wechseln, um nach Kontakten mit Covid-19-Infizierten gewarnt zu werden.

Mit Frankreich wird der grenzübergreifende Datenaustausch der Corona-Warn-Apps nicht funktionieren. Dies, weil das Land ein zentralisiertes Tracing-System betreibt, das ohne die Apple-Google-Schnittstellen auskommen muss.

Akkuverbrauch

Bei iPhones sind keine grösseren Probleme bekannt. Der Stromverbrauch hält sich laut Erfahrungsberichten auch auf den älteren Modellen (ab iPhone 6S) in Grenzen.

In Einzelfällen half es auch, die SwissCovid-App zu löschen und neu zu installieren. Ein leicht erhöhter Akkuverbrauch ist durchaus normal und lässt sich über die System-Einstellungen jederzeit prüfen (> «Batterie» > «Health»)

Bei Android ist es komplizierter. Das hat wiederum mit der Standortverwendung zu tun, die ja auf den Smartphones allgemein aktiviert sein muss. Die Entwickler der deutschen Corona-Warn-App, die wie SwissCovid funktioniert, warnen:

«Damit könnten auch andere Apps auf Ihrem Gerät die Standortdienste nutzen, was ein Grund für den erhöhten Stromverbrauch sein kann.»

Um dies zu verhindern, sollten Android-User prüfen, welche Apps tatsächlich den Standort nutzen dürfen. Dazu öffnen sie die Geräte-Einstellungen und wählen «Sicherheit & Standort» > «Standort» > «Berechtigungen auf App-Ebene».

SwissCovid sei grundsätzlich kein Stromfresser, wird auf der Website swisscovid-app-facts.ch betont:

«Die App benutzt eine minimale Version des Bluetooth-Signals. Sie braucht zusätzlich weder merklich Arbeitsspeicher noch Rechnerleistung. Der zusätzliche Energieverbrauch sollte dir im täglichen Gebrauch nicht auffallen.»

Alte Handys

Die SwissCovid-App kann nicht auf dem iPhone 6 installiert werden, was viele Besitzer verärgert. Das 2014 lancierte Apple-Smartphone ist noch relativ weit verbreitet und erhielt bis anhin regelmässig Sicherheits-Updates. Allerdings läuft es mit iOS 12 und nicht mit der neusten Generation des mobilen Betriebssystems, iOS 13. Apple hat sich gemäss eigenen Angaben aus technischen Gründen entschieden, die technische Schnittstelle fürs iPhone 6S und neuere Geräte anzubieten. Dies angeblich, weil die Bluetooth-Distanzschätzungen auf noch älteren Geräten zu wenig effizient funktioniert hätten, was sich negativ auf den Stromverbrauch ausgewirkt hätte.

Google liefert die Tracing-Schnittstelle über seine Google Play Services an Mobilgeräte mit Android 6 und neuer aus. Damit können hierzulande bis zu 20 Prozent der Smartphone-Nutzer die SwissCovid-App nicht auf ihrem Gerät installieren.

Das Bundesamt für Gesundheit geht in der Schweiz von rund 6,4 Millionen iPhones und Android-Smartphones aus, die mit der SwissCovid-App kompatibel sind. Ein hochrangiger BAG-Vertreter sagte, er wäre froh, wenn am Ende zwei Millionen Menschen die freiwillige App nutzen würden.

Fazit: Apple und Google müssen nachbessern, der Bund auch

Es ist zu hoffen, dass Apple und Google mit Software-Aktualisierungen für ihre mobilen Betriebssystem iOS und Android technische Probleme rund um SwissCovid beheben. Die auf System-Ebene implementierten Schnittstellen für das Bluetooth-basierte Proximity-Tracing gilt es weiter zu verbessern, um irritierende Fehlermeldungen zu vermeiden.

Leider mangelt es seit den Ankündigungen im Frühjahr auch an der öffentlichen Kommunikation. So hüllte sich beispielsweise Apple an der Entwicklerkonferenz WWDC in Schweigen, was das geplante zukünftige Vorgehen und die Weiterentwicklung der «Exposure Notification»-Technologie betrifft. (Das FAQ auf der Apple-Website datiert vom Mai 2020).

Vergleichsweise vorbildlich ist das technische FAQ zur deutschen Corona-Warn-App, die wie SwissCovid funktioniert und auf der Apple-Google-Schnittstelle basiert. Die Entwickler nehmen detailliert zu Fehlermeldungen Stellung und erklären, was es damit auf sich hat und wie sie behoben werden.

Hier sollte sich auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Herausgeberin der SwissCovid-App ein Beispiel nehmen und die Aufklärung und Online-Information verbessern. Bislang findet man nur ein relativ dürftiges PDF-Dokument zu den Fehlermeldungen und das FAQ weist Lücken auf.

Zwar findet man auf der GitHub-Website des Entwicklerteams DP-3T zahlreiche Informationen, allerdings ist dies nur für technisch versierte Personen zu empfehlen.

Zudem sollte der Bund dringend Transparenz schaffen bezüglich der Effizienz und Zuverlässigkeit der App.

Funktioniert die App?

Auf den ersten Blick ist nach dem Öffnen der App zu erkennen, ob die Tracing-Funktion aktiviert ist. Aber funktioniert die Software auch tatsächlich wie gewünscht?

Einige Leute dürften sich viel mehr Informationen erhoffen, nachdem sie die SwissCovid-App installiert haben. Etwa über die Zahl der erfassten und übermittelten Smartphone-Kontakte. Dies wird innerhalb der App bewusst nicht angezeigt, weil die Entwickler die Benutzeroberfläche möglichst einfach halten und nicht mit vielen Angaben verwirren wollten.

Andere Angaben, etwa zur Effizienz des Tracing-Systems, können gar nicht zur Verfügung gestellt werden. Dies weil SwissCovid auf einer dezentralen Architektur basiert und nach dem Grundsatz der Datenminimierung entwickelt wurde. Wobei anzumerken ist, dass gewisse Rückschlüsse und Erkenntnisse möglich sind, zum Beispiel über das Ausstellen von Covidcodes und die Anrufe bei der Corona-Hotline.

Ob das vom Bund betriebene Tracing-System Server-seitig läuft, erfährt man online auf einer Status-Webseite.

Quellen

Alles über die Schweizer Corona-Warn-App

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

1 / 23
Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Zu viel am Handy? Dr. Watson weiss, woran du leidest

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel