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Lohnt sich das teure Replay-TV-Abo noch, wenn die Werbung nicht vorgespult werden kann?  Bild: watson

UPC warnt: «Werbung im Replay-TV könnte grundsätzlich nicht mehr überspult werden»

Beim Replay-TV schalten viele Zuschauer bei Werbung auf Schnellvorlauf. Das könnte bei vielen Sendern bald nicht mehr funktionieren.



Das Überspulen von Werbung beim Replay-TV ist in der Schweiz ein Volkssport. Aktuell nutzen 70 Prozent der TV-Kunden von UPC (ehemals Cablecom) zeitversetztes Fernsehen. Bei Swisscom und Sunrise dürften die Zahlen ähnlich aussehen. «Im Schnitt sind es 60 bis 80 Prozent der Werbung, die im Replay übersprungen wird», sagen die TV-Sender. Dadurch würden ihnen jährlich über 100 Millionen Franken Werbeeinnahmen entgehen. Sie lob­by­ie­ren daher in Bern, um mehr Geld aus den Erlösen des boomenden Replay-Geschäfts zu erhalten.

Bislang sassen Swisscom, UPC und Sunrise am längeren Hebel. Sie waren gesetzlich nicht verpflichtet, mit den TV-Sendern individuell über die Bedingungen des Replay-TV zu verhandeln. Genau dies könnte sich nun ändern – und das sind keine guten Nachrichten für die Replay-Nutzer.

Was genau ist passiert?

Ende letzter Woche hat die Rechtskommission des Nationalrates dem Parlament Änderungen im Urheberrechtsgesetzes vorgeschlagen, welche das beliebte Replay-TV in der heutigen Form gefährden könnte. Die Rechtskommission betont zwar, dass Replay-TV grundsätzlich möglich bleiben soll. Sie will aber im Gesetz verankern, dass die TV-Sender neu direkt mit den TV-Verbreitern (UPC, Swisscom, Sunrise etc.) über die Spulfunktion verhandeln können. Die Entscheidung fiel mit 12 zu 9 Stimmen bei 3 Enthaltungen.

Im Klartext heisst das, dass TV-Sender Replay-TV blockieren könnten, um ihre Forderungen gegenüber Swisscom, UPC und Co. durchzusetzen. Die TV-Sender wollen höher Abgeltungen für ihre Sendungen, die via Replay-TV ohne Werbung konsumiert werden können. Der TV-Nutzer, der für ein teures TV-Abo mit Replay-Funktion bezahlt, wäre der Dumme.

UPC schreibt:

«Konkret schlägt die Rechtskommission vor, dass sämtliche TV-Anbieter wie UPC ihren Kunden auf Aufforderung der einzelnen TV-Programmveranstalter das Überspringen von Werbung sperren müssen.»

Der Verband der TV-Sender IRF schreibt:

«Die Kommission des Nationalrats hat richtig entschieden und mit der Neuordnung des zeitversetzten Fernsehen einen Schlussstrich unter die bisherige Praxis gezogen, die es den TV-Verbreitern ermöglichte, zu Lasten der TV-Sender Millionengeschäfte mit Replay-Angeboten zu machen, die sich zu Lasten der Sender auswirkten, die dabei leer ausgingen und Jahr für Jahr exponentiell steigende Werbeverluste in Kauf nehmen mussten.»

UPC warnt vor Einschränkung des Replay-TV

Der überraschende Entschluss der Rechtskommission wird von den TV-Verbreitern scharf kritisiert. UPC schreibt in einer E-Mail an Journalisten: «Werbung könnte grundsätzlich nicht mehr überspult werden.» Die Rechtskommission wolle, dass alle TV-Verbreiter mit den TV-Sendern einzeln verhandeln müssen, wenn ihre Kunden beim Replay-Angebot Werbung überspringen möchten. Dies sei «konsumentenunfreundlich und ein grosser bürokratischer Mehraufwand». 

Die Entscheidung sei nicht zuletzt auch deshalb unverständlich, da das Recht auf Privatkopie der Kunden massiv eingeschränkt würde. UPC stört sich daran, dass mit der geplanten Gesetzesrevision eine Ungleichbehandlung zwischen den verschiedenen Aufzeichnungsmethoden bestehen würde: «Während im zeitversetzten Fernsehen Werbung nicht mehr einfach überspult werden dürfte, bestünde bei einer Aufnahme mittels persönlichem Recorder auch weiterhin keine Einschränkung bezüglich des Überspulens von Werbung.» 

TV-Sender wollen Replay nicht abschaffen, aber ...

Die Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) zeigt sich erfreut: Bislang hätten hauptsächlich die TV-Verbreiter von zeitversetztem Fernsehen profitiert. Sie verkaufen den Kunden teure Internet-TV-Abos und lassen sich die Replay-Funktion fürstlich bezahlen. Dass es massiv günstiger geht, zeigen reine TV-Streaming-Anbieter wie Zattoo, Teleboy und Wilmaa, die Replay-TV für wenige Franken pro Monat anbieten.

Die TV-Sender sagen, die Gesetzesrevision solle nicht zu Lasten des Konsumenten gehen. «Es geht darum, die hohen Gewinne, die aus dem Replay-TV-Angebot resultieren, nicht nur in die Taschen der TV-Verbreiter fliessen zu lassen, sondern die Sender, welche die Inhalte für das Replay liefern, daran angemessen zu beteiligen bzw. für die Werbeausfälle zu entschädigen», schreibt die IRF.

Die Werbespulfunktionen stelle «einen gravierenden Eingrifft in das Geschäftsmodell der TV-Sender dar und führt zwangsläufig dazu, dass sich namentlich die Schweizer Privatsender ausserstande sehen, sich – wie vom Gesetzgeber angedacht – primär aus Werbeeinahmen zu finanzieren». 

Dem widerspricht die UPC: «Falls neben der bestehenden Entschädigung für Replay-Dienste neu noch direkte Zahlungen an TV-Programmveranstalter geleistet werden müssen, bedeutet dies faktisch eine doppelte Vergütung an die TV-Sender.» Denn: Die TV-Verbreiter zahlen bereits jetzt eine jährliche Replay-Entschädigung an die Verwertungsgesellschaften.

2017 habe diese Abgeltung für die Urheberrechte 35 Millionen Franken betragen. Ein Teil davon geht an die TV-Sender. Für UPC und Co. sind die TV-Sender somit fair entschädigt. Die TV-Sender indes pochen darauf, dass die bisherige Entschädigung nur ein Tropfen auf den heissen Stein sei.

Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen.

Wir haben Bachelor geschaut und uns dabei gefilmt

Video: watson/Emily Engkent, Angelina Graf, Severin Aebi, Daniela Iacono

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