Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wiki-Superstar mit Ausdauer

Dieser Mann hat bei Wikipedia 47'000 Mal den gleichen Fehler korrigiert

Ein Mann, eine Mission: Bryan Henderson durchsucht Wikipedia nach einem ganz bestimmten Grammatik-Fehler – und hat diesen schon mehr als 47'000 Mal korrigiert. Wenn da nicht ein Stalker wäre, der alles wieder zurück ändert. 

vanessa steinmetz



Jeden Sonntagabend, bevor er ins Bett geht, folgt Bryan Henderson seiner Mission. Das heisst: Er durchsucht das Online-Lexikon Wikipedia nach einem ganz bestimmten Grammatik-Fehler. «Comprised of», übersetzt etwa «bestehend aus», ist die Formulierung, auf die er es abgesehen hat. 47'000 Mal hat er den Fehler auf der Plattform schon gefunden – und unter dem Pseudonym Giraffedata korrigiert, wie Medium.com berichtet

Foto via Medium.com

Foto via medium.com

Der 51-jährige Computerexperte hat extra ein eigenes Programm geschrieben, das ihm die Einträge anzeigt, in denen diese Formulierung vorkommt. Was ihn so sehr an «comprised of» stört, erklärt Henderson in einem eigenen Wikipedia-Artikel, der mehr als 6'000 Wörter lang ist. Zusammengefasst hält er es einfach für Quatsch, zudem gebe es keine Notwendigkeit, die Formulierung zu benutzen und überhaupt seien «composed of» und «consists of» bessere Alternativen. Basta. 

«Ich bin stolz darauf»

Henderson über seine Korrekturen

Mit seinem unermüdlichen Einsatz ist Henderson alias Giraffedata inzwischen zu einem richtigen Superstar der Wikipedia-Szene geworden. Acht Millionen Wikipedia-Artikel werden weltweit pro Stunde aufgerufen, gleichzeitig tragen nur wenige Nutzer auch zu mindestens fünf neuen Inhalten bei; ihre Zahl wird auf etwa 30'000 geschätzt. Wiederum nur ein Bruchteil von ihnen bleibt regelmässig dabei. Giraffedata ist unter den 1'000 aktivsten Nutzern. Und er ist der einzige, der sich nur einem einzigen Fehler widmet. 

«Ich bin stolz darauf», sagt Henderson zu Medium. «Es macht mir einfach Spass. Ich leiste einen gesellschaftlichen Beitrag und tue gleichzeitig auch etwas für mich selbst.» Etwa wie die Menschen, die Sonntags den Müll neben den Schnellstrassen einsammelten. 

Natürlich gebe es auch Menschen, die sich durch seine Korrekturen gestört fühlen, erzählt Henderson weiter. Die sagten dann, dass die Anwendung von «comprised of» Auslegungssache sei und dass Henderson kein Recht habe, in die Artikel anderer einzugreifen. Irgendwann sei sogar ein Stalker aufgetaucht, der seinen Korrekturen gefolgt sei und sie dann alle wieder zurückgeändert habe. 

Nach zwei Jahren alle Einträge durchsucht

Die Wikipedia-Verantwortlichen zumindest sind von der unermüdlichen Arbeit Hendersons begeistert: Maryana Pinchuk and Steven Walling von der Wikipedia Foundation feierten ihn bei einer Konferenz regelrecht als Helden. «Er macht das alles manuell!», freute sich Pinchuck. Henderson gibt jede Korrektur selbst ein, damit sie zum Kontext passt. 

Seine Mission wird so schnell auch nicht beendet sein. Zwar hatte Henderson nach ein, zwei Jahren dank des Programms alle bestehenden Seiten durchsucht – und war «begeistert». Dann habe er aber wieder von vorne angefangen. Schliesslich seien seit dem Beginn seiner Suche viele neue Einträge hinzugekommen. 

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wird von Apple als «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommentar

Darum sind die Frauen unsere «Geheimwaffe» im Kampf gegen das Virus

Trump hin, Erich Hess her: Es läuft nicht alles schlecht in dieser Jahrhundertkrise. Zu verdanken haben wir das vor allem den Frauen. Den mutigen Wortführerinnen und den leisen Arbeiterinnen.

Das ist natürlich eine äusserst subjektive Beobachtung des Autors.

Was auffällt bei den Äusserungen von Wissenschaftlerinnen wie der Virologin Isabella Eckerle: Frauen diskutieren hart in der Sache, spielen aber nicht auf den Mann.

Wie Neuseeland, Taiwan und Deutschland ist auch Finnland ein von Frauen geführtes Land, das schnell und entschlossen auf die Pandemie reagierte, statt zu zögern.

Nach der Krise ist vor der Katastrophe.

Spätestens seit April wissen wir, dass Frauen in der Corona-Pandemie …

Artikel lesen
Link zum Artikel