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Apple Computer wurde 1976 von Steve Jobs (rechts), Steve Wozniak (links) und Ronald Wayne (nicht im Bild) in der Garage von Jobs Eltern in Mountain View (Kalifornien) gegruendet. (KEYSTONE/DPA/APPLE)

Apple-Gründer: Steve Wozniak (links) war der geniale Tüftler, Steve Jobs hatte den Geschäftssinn. Bild: APPLE

Der geniale Nerd, der mit Steve Jobs Streiche spielte und die Welt veränderte

Steve Wozniak, der Vater des Personal Computers, feiert am Dienstag seinen 70. Geburtstag. Ein Rückblick auf verrückte Zeiten.



Der erste brauchbare Personal Computer, der Apple I, wurde von einem einzigen Menschen erfunden und entwickelt: Steve Wozniak. Der Tüftler, der nun 70 Jahre alt wird, bildete beim Aufbau von Apple den Gegenpol zu seinem visionären Kumpanen Steve Jobs.

Die Computerrevolution begann für Apple-Mitbegründer Steve Wozniak in der Garage eines arbeitslosen Ingenieurs im Silicon Valley.

«Es passierte im März 1975 beim allerersten Treffen einer merkwürdigen, schrulligen Truppe von Leuten, die sich Homebrew Computer Club nannte.»

Steve, «Woz», Wozniak

Diese Nerds träumten davon, dass Computertechnologie für die Allgemeinheit erreichbar sein sollte. Menschen sollten es sich leisten können, einen eigenen Computer zu besitzen und damit zu arbeiten oder zu spielen. Und dank des Genies von Wozniak, der am 11. August 1950 in Sunnyvale (Kalifornien) geboren wurde, sollte es kein Traum bleiben.

Apple co-founder Steve Wozniak holds up his new Apple iPhone 4S at the Apple store in Los Gatos, Calif., Friday, Oct. 14, 2011. Wozniak waited 20 hours in line to be the first Apple customer at the Los Gatos Apple store to buy the new iPhone 4S. (AP Photo/Paul Sakuma)

Wozniak mit dem iPhone 4S, im Oktober 2011. Er stellte sich bei Verkaufsstarts jeweils in die Schlange. Bild: AP

Anfang der 70er Jahre gab es noch keine Personal Computer. Über schrankgrosse Rechenanlagen, die für normale Menschen unbezahlbare Technikmonster waren, verfügten nur wenige Unternehmen, einige Universitäten und das Militär. Im Homebrew Computer Club redeten sich die Hobbybastler aber darüber die Köpfe heiss, wie man die Technologie erschwinglich machen kann.

Ihr erster Streich

Wozniak wuchs mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug auf. Als Teenager lötete «Woz», wie er von allen Freunden genannt wurde, gerne an Schaltkreisen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese unzugänglichen Maschinen zu gelangen.

Auf der High School lernte Woz den fast fünf Jahre jüngeren Steve Jobs kennen, der seine Begeisterung für Computer teilte. Trotz des Altersunterschieds fanden sie schnell gemeinsame Interessen – von den «elektronischen Sachen» bis hin zum Spass an ulkigen Scherzen.

«Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich», sagte Jobs später. Wozniak brachte ihm die Songs von Bob Dylan nahe, gemeinsam jagten sie Mitschnitten seiner Live-Auftritte nach. Und sie verabschiedeten eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später.

Der «Blue Box Hack»

Das erste gemeinsame technische Projekt der beiden Freunde war eigentlich kriminell. Sie waren darauf aufmerksam geworden, wie das Telefonsystem der USA so manipuliert werden konnte, dass man kostenlos Telefonate führen konnte. Alle Steuerfrequenzen waren in einem öffentlich zugänglichen Handbuch aufgeführt. Während der Telekom-Riese AT&T sich daran machte, die Handbücher schleunigst aus den Bibliotheken zu entfernen, schlichen sich die Freunde an einem Sonntag in eine geschlossene Bücherei und sicherten sich das Buch.

Schon beim «Blue Box Hack» zeichnete sich die Aufgabenteilung ab, die später bei Apple galt: Jobs war der weitsichtige Geschäftsmann, der die Box möglichst vielen verkaufen wollte, Woz der geniale Tüftler. Sie nutzten das Gerät aber vor allem zum Spass, um selbst kostenlose Ferngespräche zu führen. Einmal riefen sie aus einer Telefonzelle den Vatikan an, Wozniak gab sich als US-Aussenminister Henry Kissinger aus und verlangte, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchenoberhaupt wurden sie nicht durchgestellt – doch die Box funktionierte.

«Breakout» programmiert

Im Januar 1973 trat Wozniak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schaltkreisen zu arbeiten, die für Rechenmaschinen und Taschenrechner verwendet wurden. In seiner Freizeit sicherte er sich einen Platz in der Geschichte der Computerspiele, denn in nur vier Tagen programmierte Woz die Spielelektronik für das legendäre Game «Breakout» von Atari.

Bis heute ist nicht klar, ob Steve Jobs seinen Freund bei dem von ihm vermittelten Gig übers Ohr gehauen hat. Wozniak schreibt in seiner Autobiografie «iWoz», er habe von Jobs die Hälfte der 700 Dollar erhalten, die er nach seinen Angaben dafür bekommen habe. «Später erfuhr ich, dass er doch etwas mehr für die Arbeit bekommen hatte, als er mir damals gesagt hatte – etwa ein paar Tausend Dollar (...) Er war nicht ehrlich mit mir, und ich war verletzt. Aber ich machte daraus keine grosse Sache.» Jobs dementierte später, dass er Woz übervorteilt hat.

Sein Meisterstück

Geld und ökonomischer Erfolg spielte im Universum von Wozniak aber ohnehin eine untergeordnete Rolle: «Ich wollte immer nur Ingenieur sein», und seine Arbeit mit Freunden teilen, sagte er. Das Design des ersten brauchbaren Personal Computers, des Apple I, wollte Woz ursprünglich für andere Bastler offenlegen. Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen.

Wozniak mit seinem «Baby»

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Video: YouTube/Bloomberg QuickTake Originals

Sein Meisterstück lieferte Wozniak 1977 mit dem Apple II. Jobs liess dafür ein Plastikgehäuse entwerfen, um auch Anwender ausserhalb der Bastlerszene anzusprechen und kümmerte sich um entsprechende Produktionskapazitäten. Er sorgte auch dafür, dass die nötigen Gelder zu Verfügung standen, indem er Investoren wie Mike Markkula und Arthur Rock mit ins Boot holte.

In this April 24, 1984 photo, Steve Jobs, left, chairman of Apple Computers, John Sculley, center, then president and CEO, and Steve Wozniak, co-founder of Apple, unveil the new Apple IIc computer in San Francisco. Apple Inc. on Wednesday, Aug. 24, 2011 said Jobs is resigning as CEO, effective immediately. He will be replaced by Tim Cook, who was the company's chief operating officer. It said Jobs has been elected as Apple's chairman. (AP Photo/Sal Veder)

1984: Steve Jobs zeigt stolz einen Apple IIc Computer, daneben stehen der damalige Apple-CEO John Sculley und der geniale Chipdesigner Wozniak (von links). Bild: AP

Beim Design der Platine des Apple II erwies sich Woz als Genie, denn ihm gelang es, mit unvorstellbar wenigen Bauteilen auszukommen. Der Apple II konnte Farben und Grafiken darstellen, zudem war er vielseitig erweiterbar.

Der Rechner von Woz erwies sich für Apple als riesiger kommerzieller Erfolg. Er sorgte dafür, dass Apple Computer zu einer weltweit bekannten Marke wurde. Der Börsengang von Apple im Jahr 1980 machte Wozniak und Jobs zu Millionären.

Die Zusammenarbeit der beiden Steves dauerte aber nicht mehr lange: Im Februar 1981 verunglückte der Hobby-Pilot Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen.

Danach nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organisierte zwei Festivals mit Musik und Technologie. 1983 kehrte er zurück – nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden. Formal ist Woz bis heute Angestellter von Apple und bezieht ein symbolisches Gehalt.

Apple co-founder Steve Wozniak and his wife, Janet Wozniak, arrive for a new product announcement at the Steve Jobs Theater on the new Apple campus, Tuesday, Sept. 12, 2017, in Cupertino, Calif. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)

Woz mit seiner Frau Janet vor dem Steve Jobs Theater in Cupertino. archivBild: AP

In den Zeiten vor der Coronavirus-Pandemie jettete Wozniak als Legende aus den Anfangszeiten der PC-Branche um die Welt, um auf Tech-Shows und anderen Events zu sprechen. Er tanzte aber auch ungelenk durch die TV-Show «Dancing with the Stars» im US-Fernsehen und hat als er selbst in der Serie «Big Bang Theory» einen Gastauftritt.

Sheldon trifft Woz

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Video: YouTube/LosInklings

In jüngster Zeit konnten die US-Fernsehzuschauer ihn zusammen mit seiner Frau Janet in der Fox-Show «Celebrity Watch Party» sehen, wie sie sich in ihrem Wohnzimmer andere Fernsehsendungen anschauen und witzig kommentieren.

(dsc/sda/dpa)

Wie Apple Geschichte schrieb

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Allkreis 10.08.2020 17:25
    Highlight Highlight Ich finde es toll, dass mal ein richtiger Ingenieur gewürdigt wird für die Visionen, die fälschlicherweise oft irgend einem meist dahergelaufenen CEO (ok, Jobs war auch von Anfang an dabei) angerechnet werden. Wahrscheinlich wirken viele CEOs gerade deswegen eher als Innovationsbremsen.
  • Peter Vogel 10.08.2020 15:22
    Highlight Highlight Wozniak ist das eigentliche Genie, Jobs war ein Schwätzer.
  • snake_plissken 09.08.2020 22:18
    Highlight Highlight Habe seine Biografie gelesen. Absolut empfehlenswert! Eine beeindruckende Persönlichkeit!
  • -thomi- 09.08.2020 20:05
    Highlight Highlight Durfte ihn in Zürich mal live erleben. Wie das Video schon sagt, ist die Garage eher ein Mythos und vieles fand im Wohnzimmer seine Eltern statt (seine eigene Aussage im Interview. "The other Steve" hat daraus dann die Garage gemacht. Verkauft sich besser...). Er war auch nicht arbeitslos, sondern arbeitete für Texas instruments (für die Mehrheit der Watson User, die stellen Geräte her, die sich "Taschenrechner" nennen 😂).
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 10.08.2020 06:02
      Highlight Highlight Er war bei HP, nicht TI... ist aber nur ein Detail und nicht weiter schlimm.
    • -thomi- 10.08.2020 11:09
      Highlight Highlight Ah. Ja. Sorry. Mein Fehler. Die machen auch noch Taschenrechner.
  • Krusty 09.08.2020 19:21
    Highlight Highlight am schluss bleibt nur noch die freundschaft... einen freund übers ohr zu hauen... hmm.. klar, ich kenne die genauen umstände nicht. auf jedenfall wäre es mir kein geld dieser welt wert..
  • Andre Buchheim 09.08.2020 16:46
    Highlight Highlight Wir brauchen mehr Träumer, Fantasten und Utopisten, Menschen die den Mut haben, das Mensch-Sein neu zu denken. Diese sind es, die uns Innovation und Zukunft sichern, die helfen, eine nachhaltige, friedliche, sozial gerechtere Welt zu erschaffen. Nur heute wird klar, dass wir diese neue Vision des Zusammenlebens nur gemeinsam umsetzen können. Dazu braucht es Vision, dazu braucht es Visionäre.
  • NathanBiel 09.08.2020 15:59
    Highlight Highlight Wow! Wäre der Artikel über Jobs, dann würde diese Kommentarspalte bereits überquellen. Wie auch immer Happy Birthday Woz!
  • Fox on the Run 09.08.2020 15:54
    Highlight Highlight Grossartig der Titel seiner Autobiographie: iWoz.
  • dmark 09.08.2020 15:49
    Highlight Highlight Meistens leben technisch versierte Leute so in ihrer Materie, dass für das Geschäftliche selbst nicht viel übrig bleibt. Grob gesagt - je begabter der Ingenieur, umso mieser sein Geschäftssinn... ich kenne da auch noch andere.
    So gesehen war das Gespann Woz und Jobs ein Treffer für beide, sonst würde es Apple heute nicht geben.

    Gratuliert wird aber erst am Dienstag, Woz ;)
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 10.08.2020 06:06
      Highlight Highlight BWL ist eine Charakterfrage. Oder anders gesagt: Ohne Jobs wären heute Computer Open-Source-Bausätze.

      Wozniak ❤
      Jobs ⚡
    • Allkreis 10.08.2020 17:37
      Highlight Highlight Ich bin mit dieser Betrachtungsweise nicht einverstanden. Tatsächlich ist es so, dass "begabter Ingenieur" ein 100% Job ist. Das braucht meistens Spezialwissen, Praxis- und Theorietraining, oft Experimentierfreude, ein durch Erfahrung entwickeltes Bauchgefühl, und einen klaren, ausgeruhten Geist, sowie Austausch mit tüchtigen Kollegen. Falls man auch noch seriös (Ingenieure sind meistens ein wenig perfektionistisch) Administration machen will, verliert man meines Erachtens an Ingenieurqualitäten - das liegt im internationalen Konkurrenzkamp meistens nicht drin!

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