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Die Pläne von Facebook zur Lancierung der eigenen Digitalwährung Libra stossen auf viel Kritik und Widerstand - im Bild das geplante

Facebooks Pläne zur Lancierung der eigenen Digitalwährung Libra stossen auf Kritik: Im Bild das geplante «digitale Facebook-Portemonnaie» Calibra. Bild: AP Calibra

Eine Weltwährung wie Libra ergibt keinen Sinn – was will Facebook wirklich?

Mark Zuckerberg will das riesige Netz von Facebook dazu nutzen, eine Weltwährung zu lancieren. Für Finanzexperten ergibt dies (noch) keinen Sinn.

Niklaus Vontobel / ch media



Facebook hat letzte Woche ehrgeizige Pläne für eine digitale Weltwährung vorgestellt. Doch die Pläne des Socialmedia-Giganten können nicht aufgehen, sagt Karen Webster. Die anerkannte Expertin für Zahlungsverkehr ist Chefin von «Market Platform Dynamics» und berät Start-ups im elektronischen Handel. Webster vermutet, dass sich hinter den öffentlichen Ankündigungen eine andere Strategie verbirgt.

Zuvor war endlos spekuliert worden über die Pläne von Facebook; Chef Mark Zuckerberg hatte den Hype mit kleinen Andeutungen angeheizt. Letzte Woche stellte Facebook dann den Libra vor, mit viel Pathos wie man es gewohnt ist von Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley. Heute hätten weltweit rund 1.7 Milliarden von Menschen kein Bankkonto und keine Kreditkarte. Künftig solle es jedoch ein «Internet des Geldes» geben, auf dem Milliarden von Menschen ihr Geld um die Welt senden können. So simpel wie heute ein Foto via Internet.

Doch der zur Schau getragene Idealismus überzeugt die Expertin Webster keineswegs. In einer Analyse schreibt sie: «Ich frage mich, ob das bloss Augenwischerei ist, ein Versuch, sich bei den Regulatoren einzuschmeicheln – ansonsten ergibt das alles einfach überhaupt keinen Sinn.»

Nach Ansicht von Webster hat Facebook kaum Chancen, die vom Bankensystem ausgeschlossenen 1.7 Milliarden Menschen zu erreichen. Oder zumindest nicht schneller, als es heute schon zahlreiche Konkurrenten versuchen. Zu diesem Schluss kam Webster ausgerechnet, als sie die Weltbank-Studie las, welcher Facebook die eindrückliche Zahl von 1.7 Milliarden Menschen entnommen hatte.

Die Weltbank führt diese Studie alle drei Jahre durch. In über hundert Ländern durchsuchen ihre Ökonomen alle auffindbaren Daten und führen Umfragen durch. Alles, um eine Frage zu beantworten: Wie viele Menschen vom Bankensystem ausgeschlossen sind. Zuletzt ergab sich die erwähnte Zahl von 1.7 Milliarden Menschen.

Facebook baute die Zahl geschickt in seine Marketingoffensive ein. David Marcus, der oberste Libra-Verantwortliche von Facebook, sagte: Es fühle sich an, als wäre es an der Zeit für ein besseres System. Die neue Weltwährung könne einen tiefgreifenden Wandel bringen für die gesamte Welt.

Doch diese 1.7 Milliarden Menschen sind mehrheitlich schlicht zu arm, als dass sie überhaupt ein Bankkonto bräuchten. In Umfragen der Weltbank sagen zwei Drittel von ihnen, sie hätten nicht genug Geld, das sie auf ein Konto legen könnten. Die Hälfte ist arbeitslos, nur ein Drittel hat eine Grundausbildung erhalten. Generell leben sie in extremer Armut. Andere brauchen kein Bankkonto, weil Familienmitglieder oder Verwandte ein Konto haben, das sie mitbenutzen.

Der staatliche Stopp-Knopf

Und die 1.7-Milliarden-Zahl überdeckt eine wichtige Tatsache: Unter den Menschen, die etwas Geld für ein Bankkonto haben, gab es zuletzt gewaltige Fortschritte – auch ohne Zutun von Facebook oder Libra. Von 2014 bis 2017 erhielten 500 Millionen Menschen neu ein Konto, bei einer Bank oder via ihre Smartphone bei einem Telekom-Unternehmen. Gemäss Weltbank wurde dies erreicht, weil verschiedene Akteure zusammenarbeiteten: Banken zum Beispiel, Telekom- oder Kreditkartenunternehmen oder Nichtregierungsorganisationen.

Nun könnten die 1.7 Milliarden nur Marketinggetöse sein. In Wahrheit ginge es darum, mehr herauszuholen aus den aktuell 1.6 Milliarden aktiven Facebook-Nutzern. Facebook würde nicht mehr nur Kasse machen, indem es Nutzer an die Werbeindustrie verkauft. Sondern es entstünde eine neue Einnahmequelle: Gebühren für Zahlungen ins Ausland beispielsweise, später auch Zinsen auf Kredite. Auch diese Logik geht jedoch für Expertin Webster nicht auf. Ihrer Ansicht nach scheitert es vor allem am Vertrauen. Die allermeisten Facebook-Nutzer hätten bereits ihre bewährte Methoden, um etwa Geld an ihre Verwandten im Ausland zu schicken. Ein Wechsel zum Libra wäre hingegen Neuland.

Vor allem stehen Aufsichtsbehörden und Notenbanken einer neuen digitalen Weltwährung kritisch gegenüber. Notabene einer, die in Konkurrenz stünde zu den nationalen Währungen, die sie direkt kontrollieren. Nicht von ungefähr haben bereits verschiedene staatliche Akteure gewarnt: Der Internationale Währungsfonds, die englische Notenbank, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Webster sagt: «Die Behörden könnten entscheiden, den Stopp-Knopf zu drücken.»

Was also will Facebook mit dem Libra? Möglicherweise, so Webster, wolle Facebook mit dem Libra künftig kleinere Summen zahlen an ihre Nutzer – als Entgelt für deren Daten. Zwar wolle Chef Mark Zuckerberg derlei Zahlungen gern vermeiden. Doch könnte er durch Behörden dazu gezwungen werden. (aargauerzeitung.ch)

Löpfe erklärt, warum eine Weltwährung eine Illusion bleiben wird:

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