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Zwei Milliardäre beim Fototermin: Elon Musk posiert, Springer-Chef Mathias Döpfner hält sich im Hintergrund.
Zwei Milliardäre beim Fototermin: Elon Musk posiert, Springer-Chef Mathias Döpfner hält sich im Hintergrund.
Bild: keystone

Tesla-Chef denkt laut über Fusion mit Autokonzern nach – und über neue Atomkraftwerke

Elon Musk hat bei einem Deutschland-Auftritt ein vielbeachtetes Interview gegeben. watson fasst die spannendsten Fakten und Prognosen zusammen.
02.12.2020, 10:03

Tesla-Chef Elon Musk hat sich vor einer Preisverleihung in Deutschland zu verschiedenen aktuellen Themen geäussert und auch zur Zukunft der Mobilität.

Über die Fusion mit einem Autokonzern

Tesla-Chef Elon Musk sagt, er halte ein Zusammengehen des US-Elektroauto-Anbieters mit traditionsreichen Herstellern aus der Branche nicht für ausgeschlossen.

«Wir werden definitiv keinen feindlichen Übernahmeversuch starten», betonte Musk am Dienstagabend bei der Verleihung des Axel Springer Awards in Berlin. Aber falls ein Konkurrent finden sollte, «dass es eine gute Idee wäre, mit Tesla zu fusionieren», werde man darüber reden.

Tesla ist dank des Trends zur Elektromobilität zum mit Abstand wertvollsten Autobauer der Welt mit einem Marktwert von rund 550 Milliarden Dollar geworden. Das gibt Musk viel Spielraum, um Tesla-Aktien als Akquisitionswährung zu nutzen. Die anderen Autohersteller spielen beim Börsenwert in einer tieferen Liga. So ist VW aktuell rund 78 Milliarden Euro wert, Daimler gut 60 Milliarden Euro und BMW rund 44.5 Milliarden Euro.

Tesla muss sparen

Zugleich wurde kurz vor Musks Auftritt in Berlin eine E-Mail bekannt, in der der Tesla-Chef seine Mitarbeiter zu Sparsamkeit aufruft – auch mit Blick auf den Aktienkurs. Musk verwies unter anderem darauf, dass Tesla aktuell den Gewinn durch Verkauf von CO2-Emissionsrechten aufbessere, während das eigentliche Kerngeschäft wenig Geld verdiene.

«Die Anleger geben uns einen Vorschuss auf künftige Profitabilität. Aber wenn sie beschliessen sollten, dass es nicht dazu kommt, wird unsere Aktie sofort zerquetscht – wie ein Soufflé von einem Vorschlaghammer», zitierte der Finanzdienst Bloomberg aus Musks Mail. Um die Tesla-Fahrzeuge günstiger zu machen, «müssen wir smarter bei den Ausgaben werden», betonte er. Musk hatte einen Tesla zum Preis von 25'000 Dollar in drei Jahren in Aussicht gestellt.

«Mit Tesla sind immer viele Risiken verbunden, wer solche Risiken scheut, sollte besser nicht in Tesla investieren.»
Elon Musk
Musks anderes Start-up SpaceX lieferte das Hintergrundbild für das Fotoshooting.
Musks anderes Start-up SpaceX lieferte das Hintergrundbild für das Fotoshooting.
Bild: keystone

Über Deutschland

Mit der Fertigstellung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin werde er mehr Zeit in Deutschland verbringen, sagte Musk. Die US-Firma will in dem Werk vom kommenden Sommer an bis zu 500'000 Elektroautos pro Jahr bauen. Zudem stellte Musk jüngst in Aussicht, dass Teil der Fabrik mit der Zeit auch die weltgrösste Batteriefertigung sein werde.

Zur Entscheidung, das europäische Tesla-Werk bei Berlin anzusiedeln, habe unter anderem relativ erschwinglicher Wohnraum beigetragen, sagte Musk. Das Werk soll rund 12'000 Beschäftigte haben.

«Ich liebe Deutschland, es ist grossartig.»
Elon Musk

Er schläft in der unfertigen Fabrik

Auf die Frage von Springer-Chef Mathias Döpfner, wo er die Nacht auf Mittwoch verbringen werde, sagte Musk, er werde in einem Konferenzraum der noch unfertigen Fabrik in Grünheide schlafen. «Das gibt mir ein ganz gutes Gefühl dafür, was so vor sich geht», erklärte er.

Musk hatte unter anderem während des schwierigen Produktionsanlaufs des aktuell wichtigsten Tesla-Fahrzeugs Model 3 in einem Konferenzraum des Stammwerks in Kalifornien geschlafen.

Der echte «Autopilot» soll 2021 marktreif sein

Musk sagte auch, dass nach seiner Einschätzung in zehn Jahren der Grossteil neuer Fahrzeuge Fähigkeiten zum autonomen Fahren haben werde. Zugleich werde es bis auf Weiteres Situationen geben, in denen die Menschen gern selber fahren. «Es wird aber zunehmend ungewöhnlich sein, das eigene Auto zu fahren.»

Teslas Software, die Fahrern die Steuerung des Autos in den meisten Situationen abnehmen kann, solle zum kommenden Jahr marktreif sein – auch wenn die Zulassung durch Regulierer länger dauern könne. Musk will beim autonomen Fahren – anders als die meisten anderen Entwickler – auf die teureren Laserradare verzichten und allein mit Kameras und Radar-Sensoren auskommen.

Über gefährliche KI und seine Landung auf dem Mars

Musk, der unter anderen auch Chef der Raumfahrtfirma SpaceX ist, bekräftigte, dass er sich vorstellen könne, auf dem Mars beigesetzt zu werden. «Nur nicht beim Aufprall», scherzte er. «Wir müssen alle irgendwann sterben – und wenn man schon die Wahl hat, auf dem Mars begraben zu werden ...»

Der 49-jährige Starunternehmer wiederholte zugleich seine Warnung, dass Künstliche Intelligenz (KI) mit ihrer Entwicklung für die Menschheit «gefährlicher als eine Atombombe» werden könne.

Über AKW und die Energiewende

Die Elektrifizierung des Verkehrs werde zu einem massiv steigenden Strombedarf führen, prognostiziert Musk.

Wenn der gesamte Verkehrssektor elektrifiziert wird, brauchen wir die doppelte Menge an Strom. Dazu müssen wir die Kapazitäten von Wind-, Solar- und Atomkraftwerken erhöhen.

Er sei nicht gegen Atomenergie, sagte Musk und behauptete, dort, wo keine Gefahr von Naturkatastrophen wie Erdbeben bestehe, sei das Risiko sehr klein.

Und der Luftverkehr?

Auf die Frage, wie der Luftverkehr in Zukunft klimaneutral gemacht werden könne, meinte der Tesla-Chef: «Auch Flugzeuge werden sicher elektrisch betrieben werden.»

Seine Prognose: In den kommenden fünf Jahren würden die ersten elektrischen Flugzeuge an den Start gehen.

Was ist der Springer-Preis?
Der undotierte Axel Springer Award des Springer-Konzerns («Bild», «Welt») wird zum fünften Mal verliehen. Damit werden jährlich Personen gewürdigt, die laut Springer in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern, die Kultur prägen und sich gleichzeitig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Frühere Preisträger waren Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Web-Pionier Tim Berners-Lee, Amazon-Gründer Jeff Bezos und die als Kritikerin von Online-Plattformen bekannte Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff.

Mathias Döpfner (57) gilt seit Jahren als enger Vertrauter und Ziehsohn der Verlegerwitwe Friede Springer. Zu ihrem 70. Geburtstag hatte die Verlegerin dem Vorstandsvorsitzenden bereits Springer-Aktien im Wert von rund 73 Millionen Euro geschenkt. Im September wurde bekannt, dass Döpfner in den Kreis der Milliardäre aufrückt, dies, nachdem ihm die Grossaktionärin einen Grossteil ihrer Anteile am deutschen Medienkonzern vermachte.

Quellen

Der Bericht basiert auf einer ausführlichen Meldung der Nachrichtenagentur DPA, verbreitet von der SDA.

(dsc)

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Wie Elon Musk mit Tesla durchstartete

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Wie Elon Musk mit Tesla durchstartete
quelle: getty images north america / joe raedle
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