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Sugus-Häuser
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Neues «Zaubermittel»

Graffiti bekämpft man am besten mit Graffiti

Seit Kurzem erstrahlen die sogenannten «Sugus-Häuser» im Zürcher Kreis 5 in neuem Glanz: Grossflächige Graffiti zieren die Fassaden. Sie sollen Sprayer von weiteren Schmierereien abhalten. Dass dies funktioniert, hat auch schon die Stadt gemerkt. 



Die farbigen Fassaden der «Sugus-Häuser» an der Neugasse im Zürcher Kreis 5 haben schon einiges hinter sich. Wahrscheinlich hat sich jeder Sprayer Zürichs mindestens einmal darauf verewigt. Wie viele andere Liegenschaftsverwaltungen hatte die Besitzerin Simo Immobilien GmbH ein Anti-Graffiti-Abo bei der Stadt Zürich. Für mehrere 100 Franken wurden die Fassaden jeden Monat neu bestrichen – und bereiteten so immer wieder Platz für neue Tags und Graffiti. 

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So sahen die «Sugus»-Fassaden noch vor ein paar Wochen aus.   bild: google maps

Bis die Simo genug hatte. «Ursprünglich kam ein Mieter der Überbauung mit der Idee, ein Auftragsgraffiti an der Fassade anzubringen», sagt Laura Viteritti von Simo Immobilien. Letzten Mai liess sie das erste Haus vom Streetartisten «Redl» bemalen, ein paar Monate später die zwei weiteren Fassaden an der Neugasse. «Wir sind sehr zufrieden. Die Wände sehen schön aus und seitens der Mieter haben wir viele positive Feedbacks erhalten», sagt Viteritti. Je länger das Graffiti hält, umso mehr lohnt sich der Auftrag für die Verwaltung auch finanziell. 

Das Making-of des «Sugus-Haus»

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Painting a «Sugus-Haus» ... video: youtube/Patrick wehrli

Auch die Kirchgemeinde Wipkingen hat sich des Sprayer-Problems kreativ entledigt. So sahen ihre Liegenschaften an der Rötelstrasse noch vor ein paar Jahren aus: 

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Kaum war die Farbe getrocknet, entstanden neue Tags an den Fassaden. bild: google maps

Heute beleben farbenfrohe Graffiti die graue Strasse. «Mein Sohn kam auf die Idee mit den Graffti», sagt die Liegenschaftsverwalterin Christa Gilgen. Sie überzeugte die Kirchgemeinde und holte Offerten von zwei Crews ein. Die zwei Brüder von «One Truth» mit ihrem Konzept «Gemeinsam stark» machten das Rennen. Seit rund drei Jahren sind die Figuren an der Wand. Gilgen ist erfreut: «Die anderen Sprayer respektieren das Kunstwerk und übersprayen es nicht mehr.» 

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Die Arbeiten des «One Truth»-Kollektivs tragen den Titel «Gemeinsam stark».  bild: one truth 

Auch die Stadt Zürich bedient sich dieser Lösung. «Es gibt Orte, an denen man jahrelang keine Ruhe reinbringt», sagt die Graffiti-Beauftragte Priska Rast. «Das können Liegenschaften in Quartieren sein, in der eine Crew beheimatet ist oder gut sichtgeschützte Wände, an denen Sprayer in Ruhe arbeiten können.»

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Tausendfüssler an der Sihlpromenade: Ein Auftragswerk gestaltet von «One Truth» bild: one truth

Pro Jahr gibt die Stadt etwa zwei solcher neuralgischen Punkte in die Hände von Auftragskünstlern. Dabei macht die Stadt den Künstlern wenig Vorgaben: «Je mehr es danach aussieht, es sei illegal entstanden, umso effektiver wirkt es», sagt Rast. Die Kosten für die Stadt würden sich rechnen. Genaue Zahlen will Rast aber nicht nennen.

Am Ende gewinnen alle. Einzig die Künstler irritiert es, wenn ihre Werke zum Schutz vor Sprayern eingesetzt werden: «Wir machen Kunst am Bau, nicht Graffiti-Schutz», sagt Pase von «One Truth». «Graffiti ist eine zeitgenössische Kunstform, die im Gegensatz zu der Schweiz in anderen Ländern seit Jahren aktiv gefördert wird», sagt er. In der Schweiz kämpfe die Kunstform immer noch um Anerkennung. «Wir können auch nicht garantieren, dass unsere Werke nicht übersprayt werden.» Die Erfahrung aber zeigt: Ihre Werke bleiben.

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