DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Über 300 Passagiere noch auf brennender Fähre

Drama vor der Küste Griechenlands: Sechs der zehn Schweizer gerettet, Rettung läuft auch im Dunkeln auf Hochtouren

Dramatische Rettungsaktion in der Meerenge zwischen Griechenland und Italien: Mehr als 300 Passagiere sitzen auf der brennenden Adria-Fähre «Norman Atlantic» fest. Vier Hubschrauber versuchen, sie auf andere Schiffe zu bringen. 



Bei einem Brand auf einer Fähre im Mittelmeer ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Hunderte Menschen sassen auf der brennenden Fähre fest. Sturmböen und hoher Wellengang behinderten die Rettung der 478 Menschen an Bord. 

Unter den Passagieren der griechischen Fähre «Norman Atlantic» befanden sich zehn Schweizer Staatsangehörige. Bis zum späteren Nachmittag konnten sich nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sechs von ihnen auf einem Rettungsschiff in Sicherheit bringen. Das EDA bleibe in Kontakt mit den griechischen und italienischen Behörden. 

Stürmisches Wetter behinderte Rettung

An Bord der fast ausgebuchten Fähre waren 422 Passagiere und 56 Crewmitglieder. Das Schiff der griechischen Anek Lines war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien. Nachdem es nach einem Zwischenstopp die Insel Korfu passiert hatte, funkte die Besatzung am Sonntagmorgen gegen 3 Uhr morgens «S.O.S», da auf einem der Autodecks ein Feuer ausgebrochen war. 

abspielen

Ein Video der Tageszeitung «Il Fatto Quotidiano» zeigt der Zustand im Innern der Schiffes

Die Retter kamen bei stürmischem Wind und Wellen kaum voran und konnten zunächst nicht an Bord. Bis zum frühen Abend konnten nach Angaben der griechischen Küstenwache mehr als 130 Menschen gerettet werden, darunter eine Schwangere und mehrere Kinder. CNN spricht von 161 geretteten und 317 verbleibenden Passagieren. Der leicht verletzte Kapitän des brennenden Schiffes sei ausgeflogen und in ein italienisches Spital gebracht worden, wie der griechische TV-Sender Mega berichtete.

Zudem wurde ein Toter geborgen, wie die italienische Küstenwache am Abend mitteilte. Der Mann sei vermutlich beim Sprung von Bord umgekommen. 

Nach Angaben des italienischen Marinesprechers Riccardo Rizotto waren vier Helikopter im Einsatz. Das manövrierunfähige Schiff treibe in Richtung der albanischen Küste. «Die Wetterbedingungen sind so schlecht, dass wir aussergewöhnlich viele Rettungskräfte brauchen», sagte er. 

Dramatische Szenen

Das Feuer breitete sich schnell über das Schiff aus, Augenzeugen schilderten griechischen Medien die Hitze und die Verzweiflung an Bord. «Der Boden brannte, als wir zum Rettungsboot gingen», sagte eine Frau, die gerettet wurde, dem Radiosender Skai. Ein anderer Reisender berichtete nach seiner Rettung: «Unsere Schuhsohlen begannen zu schmelzen.» 

Schwere Fährunglücke im Mittelmeer 

16. Januar 2007: Vier Menschen sterben und fast 90 werden verletzt, als in der Meerenge von Messina eine Schnellfähre mit einem Containerschiff zusammenprallt.
26. September 2000: Die griechische «Express Samina» läuft vor der Ägäisinsel Paros auf ein Riff und geht binnen weniger Minuten unter. 81 der etwa 560 Menschen an Bord ertrinken. 
1. November 1999: Etwa 15 Seemeilen vor der westgriechischen Küste gerät die Fähre «Superfast 3» in Brand. 14 blinde Passagiere kurdischer Abstammung kommen ums Leben. 
10. April 1991: Die italienische Fähre «Moby Prince» stösst vor Livorno mit dem Öltanker «Agip Abruzzo» zusammen und geht in Flammen auf. 140 Menschen sterben. (sda/dpa) 

Passagiere beschrieben per Telefon dramatische Szenen. «Wir sind auf der Brücke, wir sind nass und frieren und husten wegen des Rauchs», sagte ein Mann dem TV-Sender Mega. 

abspielen

Video: YuTube/GASP! News All The Time

Zwei gerettete Frauen, eine davon schwanger, und drei Kinder kamen in ein Spital in der süditalienischen Region Apulien. Die Kinder seien halbnackt im Wasser gewesen und litten an Unterkühlung, es gehe ihnen aber den Umständen entsprechend gut, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Eltern von zwei anderen geretteten Kindern seien noch auf der «Norman Atlantic». 

Berichte über Mängel

Die Autofähre ist nach Auskunft des Eigners erst am 19. Dezember einer Inspektion unterzogen worden. «Die Tests ergaben, dass das Schiff voll funktionstüchtig war», sagte der Chef der Visentini-Gruppe, Carlo Visentini, am Sonntag der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Bei der Inspektion sei eine «leichte Fehlfunktion» an einer Brandschutztür aufgefallen. Diese sei unmittelbar behoben worden. Das sei «zur Zufriedenheit der Inspektoren» erfolgt, deshalb habe das Schiff in vollem Umfang seine Einsätze absolvieren können, fügte Visentini hinzu. 

Er sagte, es habe sich um die Brandschutztür 112 gehandelt. Genau dort habe sich nach den ihm vorliegenden Informationen der Brand entwickelt. Es war am Sonntagabend nicht bekannt, aus welchem Grund das Feuer ausbrach. 

Fähre soll nach Italien geschleppt werden

Einem Schlepper gelang es nach mehreren gescheiterten Versuchen, an der 186 Meter langen Fähre festzumachen. Damit stiegen die Hoffnungen, die Fähre ausreichend stabilisieren zu können, um die Rettungsarbeiten zu beschleunigen. Gemäss der italienischen Marine soll die Fähre in Kürze nach Italien und nicht in das näher gelegene Albanien geschleppt werden. (jas/aeg/sda/spon)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Mindestens 25 Tote und hunderte Verletzte bei Erdbeben in der Ägäis

In der Nacht zu Samstag wurde in der westtürkischen Metropole Izmir nach 17 Stunden eine Frau aus den Trümmern gerettet, wie CNN berichtet.

Nach dem Erdbeben in der Ägäis ist die Zahl der Todesopfer in der Westtürkei auf 25 gestiegen. Mehr als 800 Menschen seien verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Katastrophenschutzbehörde Afad.

Am Samstagmorgen gab es nach Afad-Angaben in der Region des westtürkischen Bezirks Seferihisar ein Nachbeben der Stärke 5,0. In der Nacht hatte es schon Hunderte Nachbeben gegeben.

Rettungskräfte und Helfer suchten am Freitagabend noch in den Trümmern …

Artikel lesen
Link zum Artikel