International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
President Donald Trump meets with South Korean President Moon Jae-In in the Oval Office of the White House, Tuesday, May 22, 2018, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)

Donald Trump markiert den starken Mann beim Treffen mit Moon Jae In. Bild: AP/AP

Analyse

Gipfel mit Kim auf der Kippe: Hat Trump kalte Füsse bekommen?

Donald Trump schliesst nicht aus, dass das Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verschoben wird. Der impulsive Präsident erhält gerade eine Lektion in Diplomatie und Realpolitik.



In drei Wochen soll in Singapur Geschichte geschrieben werden: Erstmals ist eine Begegnung zwischen einem amtierenden US-Präsidenten und dem nordkoreanischen Machthaber geplant. Eine US-Delegation sucht derzeit im Stadtstaat nach geeigneten Lokalitäten. Nun aber ist der Gipfel auf der Kippe. Nach Kim Jong Un stellt auch Donald Trump das Treffen in Frage.

«Es könnte sein, dass es nicht am 12. Juni klappt», sagte Trump am Dienstag vor einem Gespräch mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In im Weissen Haus. «Wenn es nicht passiert, passiert es vielleicht später.» Erst letzte Woche hatte Nordkorea seinerseits gedroht, den Gipfel platzen zu lassen, und dies mit einem Manöver der USA mit Südkorea begründet.

FILE - In this July 21, 2008, file photo, Singapore police officers patrol outside the Shangri-La hotel, a possible location for the upcoming Trump-Kim summit next month, in Singapore. Donald Trump and Kim Jong Un have one big thing in common as they prepare for what would be the first ever U.S.-North Korea summit: they both claim to deserve total credit. In a country where there is no Twitter but lots of fake news, North Koreans are getting a very different take on what got the two leaders to agree to meet next month in Singapore. (AP Photo/Dita Alangkara, File)

Das Luxushotel Shangri-La gilt als möglicher Austragungsort des Gipfels. Bild: AP/AP

Die plötzlichen Drohgebärden nach Wochen der Entspannung – Kim Jong Un empfing den neuen US-Aussenminister Mike Pompeo zweimal in Pjöngjang und liess als Geste des guten Willens drei inhaftierte US-Bürger frei – scheinen das Weisse Haus auf dem falschen Fuss erwischt zu haben. Und Trump soll vor dem Gipfel, in den er spontan eingewilligt hatte, kalte Füsse bekommen haben.

Trump ist nervös

Der Präsident habe Mitarbeiter und Verbündete «gelöchert», ob er das Risiko eingehen solle, berichtete die «New York Times» am Sonntag. Am Samstag führte er mit seinem Amtskollegen Moon Jae In ein 30-minütiges Telefongespräch, obwohl dieser am Dienstag ohnehin in Washington erwartet wurde. Auch dies wird als Zeichen von Trumps Nervosität gedeutet.

Offiziell werden solche Berichte zurückgewiesen. «Ich glaube nicht, dass der Präsident wegen irgendetwas kalte Füsse bekommt», sagte Finanzminister Steve Mnuchin am Montag vor Reportern. Aussenminister Pompeo betonte wenige Stunden nach Trumps Äusserungen vom Dienstag, die Regierung arbeite weiterhin auf ein Treffen am 12. Juni hin.

Donald Trumps erklärtes Ziel ist, dass sich Nordkorea zur vollständigen atomaren Abrüstung verpflichtet und er selbst im Gegenzug den Friedensnobelpreis einsacken wird. Nun wächst die Besorgnis, dass man von den Nordkoreanern über den Tisch gezogen wird. «Es wäre ein grosser Fehler, wenn Kim Jong Un glaubt, er könne Donald Trump austricksen», sagte Vizepräsident Mike Pence am Montag auf Fox News.

Trump ignoriert die Vergangenheit

US-Diplomaten erinnern daran, dass das nordkoreanische Regime wiederholt Vereinbarungen gebrochen hat, in denen es sich zur Aufgabe seines Atom- und Raketenprogramms verpflichtet hatte. Donald Trump, der laut ehemaligen Mitarbeitern eine Abneigung gegen detaillierte und differenzierte Briefings hat, habe diese Tatsache bei seiner übereilten Gipfelzusage ignoriert.

epa06745996 A photo released by the official North Korean Central News Agency (KCNA), the state news agency of North Korea, shows North Korean leader Kim Jong Un (C) chairing the first Enlarged Meeting of the 7th Central Military Commission of the Workers' Party of Korea (WPK) in Pyongyang, North Korea, 18 May 2018. Attending the meeting were members of the WPK Central Military Commission, commanding officers of military services and corps, level and senior officials of the armed forces organs and the WPK Central Committee.  EPA/KCNA   EDITORIAL USE ONLY

Kim Jong Un hat die Tonlage gegenüber den USA verschärft. Bild: EPA/KCNA

Nun überlegt man in Washington, wie man die Nordkoreaner zu verbindlichen Abmachungen bewegen könnte. Sicherheitsberater John Bolton schlug eine Lösung nach dem Vorbild Libyens vor. Diktator Muammar Gaddafi hatte sich 2003 verpflichtet, die Entwicklung von Atom- und Chemiewaffen einzustellen als Gegenleistung für die Aufhebung der gegen sein Land verhängten Sanktionen.

Das unerwünschte Vorbild Libyen

In Pjöngjang, wo der Hardliner Bolton ohnehin ein Feindbild ist, kam dieses Angebot gar nicht gut an. Man erinnerte sich daran, dass Gaddafi sein Entgegenkommen mit dem Leben bezahlt hatte. Donald Trump versuchte die Nordkoreaner deshalb am Dienstag nicht mit Zuckerbrot und Peitsche, sondern eher mit Gourmetmenü und Höllenfeuer zu überzeugen.

Einerseits stellte er weitreichende Garantien für den Machterhalt von Kim Jong Un sowie US-Investitionen in Aussicht. Kim wäre in diesem Fall «extrem glücklich». Das libysche Modell sei kein Vorbild, «an das wir denken, wenn wir an Nordkorea denken», sagte Trump und drohte gleichzeitig, es würde «sehr wahrscheinlich greifen, wenn wir nicht zu einem Deal kommen».

Weniger als das Iran-Abkommen

Ob man in Pjöngjang dafür ein Musikgehör besitzt, scheint zweifelhaft. Experten halten es laut der «New York Times» für möglich, dass ein Gipfel zwischen Kim und Trump mit einer Erklärung enden wird, in der die Denuklearisierung Nordkoreas als «langfristiges Ziel» bezeichnet wird. Das aber wäre weniger als das Atomabkommen mit Iran, das Trump als «schlechten Deal» geschreddert hat.

Darum treffen sich Trump und Kim nicht in der Schweiz

Video: srf

In Washington vermutet man Chinas Präsident Xi Jinping (laut Trump ein «Weltklasse-Pokerspieler») als eigentlichen Drahtzieher hinter dem härteren Kurs von Nordkorea. Er hatte Kim Jong Un kürzlich ein zweites Mal getroffen. Für den versierten Strategen Xi eröffne eine Verschärfung der nordkoreanischen Haltung zusätzlichen Spielraum im Handelsstreit mit den USA.

Wird Gedenkmünze zum Ladenhüter?

Donald Trump hatte diesen ähnlich unbedacht losgetreten, wie er dem Treffen mit Kim Jong Un zugesagt hatte. Nun deutet alles darauf hin, dass die USA am kürzeren Hebel sitzen, wie Experten stets betont hatten. Der impulsive Präsident und vermeintliche grosse Dealmaker erhält derzeit auf die harte Tour eine Lektion in Sachen Realpolitik auf dem internationalen Parkett.

Noch ist es möglich, dass der Gipfel am 12. Juni in Singapur stattfindet und mit einem Erfolg endet, etwa einem Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. Für CNN jedoch ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die vom Weissen Haus bereits geprägte Gedenkmünze «zum Ladenhüter wird».

Kim Jong Un in China

Das könnte dich auch interessieren:

«Ehe für Alle» im Ständerat

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

3 Hauptargumente der KVI-Gegner auf dem Prüfstand

Der Kampf um die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) tobt unerbittlich. Dabei argumentieren die Gegner auch mit Vorwürfen, die sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellen. Drei Argumente im Prüfstand.

Im Abstimmungskampf zur KVI gehen die Wogen hoch. Ja-Fahnen zieren jeden zweiten innerstädtischen Balkon, die Initianten machten diese Abstimmung zur teuersten aller Zeiten. Auf der anderen Seite werden die Initianten auf Facebook in einer Verleumdungskampagne als «linke Krawallanten» verunglimpft und Ueli Maurer wird «bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, fast schlecht».

So hart die Bandagen in diesem Kampf sind, so knapp wird wohl auch das Ergebnis werden. Momentan liegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel