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Aufnahmen des Tierschutzbundes Zürich aus dem Jahr 2016. bild: tierschutzbund-zuerich.ch

Trotz «Qualitätshandbuch»: Pferdefleisch kommt weiterhin von gequälten Tieren

Im Februar veröffentlichte der «Kassensturz» Aufnahmen aus Schlachthöfen in Südamerika aus dem Jahr 2017. Sie zeigen Pferde, die längst notgetötet werden sollten. Ein Jahr später reisten Tierschützer erneut nach Uruguay und Argentinien – um mit ganz ähnlichen Aufnahmen wieder zurückzukommen. Die Pferdefleisch-Importeure mahnen zur Geduld.



Schlachthof Clay, Uruguay, Schlachthof Sarel, Uruguay, Schlachthof Lamar, Argentinien: Hier werden Pferde geschlachtet, die auf Schweizer Tellern landen, hier war der Tierschutzbund Zürich (TSB) bereits vor mehr als einem Jahr, um geheime Aufnahmen zu machen und hier war der TSB dieses Jahr wieder, um auf ein ähnliches Bild zu stossen wie damals: Tiere mit Fleischwunden am geschwollenen Bein, geschwächte Tiere am Boden, kein Mensch weit und breit. Das berichtet der Tages-Anzeiger am Montag.

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Aufnahmen aus dem Schlachthof Lamar, 2016. bild: tierschutzbund-zuerich.ch

Offensichtlich ohne Erfolg kritisiere man die Zustände auf den Schlachthöfen in Südamerika seit Jahren, sagt der TSB-Präsident gegenüber der Zeitung. Die neuen Aufnahmen wurden Mitte April veröffentlicht.

Als der «Kassensturz» im Februar 2018 bereits TSB-Aufnahmen veröffentlichte, zeigte sich Josef Pittino noch schockiert: Man werde sofort handeln. Nun will der Präsident des Verbands der Pferdefleisch-Importeure (VPI) bei einem Treffen mit dem «Tages-Anzeiger» die Aufnahmen gar nicht erst sehen. Man könne es sich vorstellen.

18'000 geschlachtete Pferde pro Jahr

Der Verband der Pferdefleisch-Importeure (VPI) unterhält Verträge mit den Schlachthöfen Clay und Sarel in Uruguay sowie Lamar in Argentinien, die alle für den Export in die EU zertifiziert sind. Die VPI-Mitglieder beliefern Restaurants und Metzgereien in der ganzen Schweiz. 2017 wurden hierzulande rund 3000 Tonnen Pferdefleisch verzehrt – das ist rund ein Prozent des Gesamtfleischkonsums. Aus Südamerika stammen 23 Prozent der Einfuhren. Diese Menge entspricht 18'000 geschlachteten Pferden.

quelle: «tages-anzeiger»

Als Reaktion auf den Kassensturz-Beitrag vom Februar hatte der VPI gehandelt und ein Qualitätshandbuch erstellt, das Verbote auflistet, eine Videoüberwachung wesentlicher Anlageteile sowie zweimal täglich eine Kontrolle der Tiere auf den Weiden vorschreibt. Doch das Handbuch bleibt eine Empfehlung – die Tierschutzbestimmungen in Südamerika sind lax.

Und: Wird bei einer unangemeldeten Kontrolle durch die Zertifizierungsstelle SGS eine Verletzung der Regeln festgestellt, bedeutet das noch nicht zwingend ein Abbruch der Verträge. Das Handbuch sei denn auch eine reine Wunschliste, sagen Tierschützer gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Die Toleranz bei Verstössen sei zu gross.

Einfluss auf das Freihandelsabkommen?

Der VPI fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und verteidigt sich. Tierschutzbestimmungen seien nicht vom einen auf den anderen Tag umzusetzen. Und wenn der VPI nicht den Finger draufhalte, mache das niemand. Tatsächlich schreiben die Schlachthöfe in Briefen, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen, «Hinken» oder «alte Wunden» würden nicht zwingend bedeuten, dass die Tiere leiden würden. 

Rosig ist das Image der Pferdefleisch-Importeure seit dem Skandal 2013 nicht. Damals wurde Pferdefleisch aus Übersee aus den Regalen genommen, trotzdem ist der Absatz in der Schweiz rückläufig. Die Importe aus Südamerika haben mittlerweile aber wieder zugenommen – nicht zuletzt wegen der Bemühungen des VPI. Die Veröffentlichung der Aufnahmen ist auch deshalb delikat, weil Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann derzeit für ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten weibelt.

Allerdings dürften die Aufnahmen des Tierschutzes die Akzeptanz des Abkommens nur minim schmälern. GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy sagt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», es sei eine «Chance», im Bereich Tierschutz und Ökologie Fortschritte zu erzielen. Man könne entsprechende Forderungen in die Verhandlungen einbringen. Grüne-Nationalrätin Maya Graf verlangt, das Freihandelsabkommen nur dann abzuschliessen, «wenn griffige Nachhaltigkeitsstandards ausgehandelt würden.» (dwi)

Tierquäler-Fall in der Schweiz: Ulrich K. äussert sich zum «Quäl-Hof»

Video: srf/SDA SRF

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