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Army soldiers spray disinfectant as a precaution against a new coronavirus at an apartment building in Daegu, South Korea, Monday, March 9, 2020. The world’s largest economies delivered more worrisome cues Monday as anxiety over the virus outbreak sent stock and oil prices plunging around the world. (Kim Ju-sung/Yonhap via AP)

Armeeangehörige desinfizieren einen Strassenzug in Daegu. Bild: AP

Wie asiatische Länder mit zum Teil drastischen Massnahmen das Virus in den Griff kriegen



Gross war das Geschrei in der Schweiz, als Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern verboten wurden. Von Hysterie war die Rede, von Überreaktion. Doch die Stimmung ist gekippt, das Geschrei verstummt. Kaum einer, der sich angesichts der raschen Ausbreitung von Covid-19 noch gegen drastische Massnahmen sträubt. Ein Blick über die südliche Grenze reicht, um abzuschätzen, was noch auf uns zukommt.

Doch wie sehen die Massnahmen aus von Ländern, die einen grossflächigen Ausbruch bisher verhindert haben? Was können wir von Singapur, Taiwan und Japan lernen?

Singapur

166 Infizierte, 0 Todesfälle

epa08274720 A tourist wearing a medical face mask takes pictures of the Supertree Grove at Gardens by the Bay, a popular tourist spot, in Singapore, 06 March 2020. Singapore's tourism sector is expected to be hit hard due to the ongoing outbreak of the COVID-19 disease casued by the SARS-CoV-2 coronavirus, with visitor arrivals estimated to fall by 25 to 30 percent this year.  EPA/HOW HWEE YOUNG

Bild: EPA

Singapur hat die Lehren aus der Sars-Pandemie 2002/2003 und der Schweinegrippe 2009/2010 gezogen und ein nationales Epidemie-Zentrum und Quarantäne-Gebäude eingerichtet. Bei Ausbruch von Covid-19 sprach der Inselstaat bereits früh ein Einreiseverbot für Menschen aus Risikogebieten aus, Passagieren am Flughafen wurde die Temperatur gemessen und 700 potentielle Träger, welche aus der betroffenen Region einreisten, wurden gleich unter Quarantäne gesetzt. Doch die Massnahmen gehen entschieden weiter.

Taiwan

48 Infizierte, 1 Todesfall

epa08227199 A handout photo made available by Taiwan Ministry of Defense shows Taiwanese military from the 33rd Chemical Group 6th Army Corps personnel sanitizing the Wuhan evacuees quarantine facility, at an undisclosed location in Taiwan, 19 February 2020. Taiwanese nationals and their family members who were evacuated from Wuhan to Taiwan earlier this month, were quarantined here for 14 days. The disease caused by the novel coronavirus (SARS-CoV-2) has been officially named COVID-19 by the World Health Organization (WHO). The outbreak, which originated in the Chinese city of Wuhan, has so far killed more than 2,000 people with over 75,000 infected worldwide, mostly in China.  EPA/TAIWAN MINISTRY OF DEFENSE HANDOUT Handout HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA

Taiwan begann bereits am 31. Dezember mit den Kontrollen von Flugpassagieren aus der betroffenen Region Wuhan. Zu diesem Zeitpunkt waren dort erst 27 Verdachtsfälle gemeldet worden. Wenige Tage später, am 5. Januar, begann die Überwachung sämtlicher Personen, welche sich in den letzten 14 Tage zuvor dort aufgehalten hatten. Im Januar wurde ein nationaler Epidemie-Stab (Central Epidemic Command Center – CECC) eingerichtet, der seither beinahe täglich informiert und Falschinformationen aus Social-Media-Kanälen berichtigt. Das CECC ordnete an, die Produktion von Gesichtsmasken hochzufahren. Das dazu benötigte Personal wurde vom Militär gestellt.

Doch auch hier gehen die Massnahmen weiter:

Japan

587 Infizierte, 12 Todesfälle

epa08273711 Visitors wearing masks take photos near the Olympic rings in Tokyo, Japan, 06 March 2020. According to Japan's Olympic Minister, the Coronavirus outbreak has forced several major events to be cancelled in Japan, which could see the 2020 Summer Olympic Games postponed until later in the year.  EPA/CHRISTOPHER JUE

Bild: EPA

Japan und seine Regierung beweise im Umgang mit dem Corona-Virus seine komplette Unfähigkeit, schreibt der Politikwissenschaftler Koichi Nakano in einem Artikel in der «New York Times» vom 26. Februar. Und das ausgerechnet im Olympiajahr. Vor allem die öffentliche Aufklärung sei eine Katastrophe. Auch Südkorea kritisiert Japan für seine angebliche Passivität.

Die offiziellen Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Nicht mitgezählt werden in dieser Statistik die 705 Infizierten, welche sich auf dem Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess» ansteckten. Die Diamond Princess lag zwei Wochen unter Quarantäne im Hafen von Yokohama.

Man kann Japan schlechte Kommunikation vorwerfen und auch der Umgang mit der Diamond Princess sorgte international für Stirnerunzeln. Passivität kann man Japan aber nicht vorwerfen.

Die getroffenen Massnahmen alleine können die tiefen Fallzahlen aber nicht erklären. Einerseits munkelt man, dass Japan es mit den Zahlen nicht so genau nimmt, andererseits gibt es weitere Gründe, weshalb Japans Anstieg an kranken Personen weniger steil verläuft.

Eine Untersuchung ergab, dass 80% der infizierten Japaner das Virus nicht weitergaben. Weltweit geht man aber davon aus, dass in der Frühphase jeder Patient im Durchschnitt 2,2 gesunde Menschen ansteckt (Basisreproduktionszahl R0 = 2,2). Weshalb Japan ein Sonderfall ist, ist noch unklar. Spekuliert wird, dass kulturelle Unterschiede, zum Beispiel der Verzicht aufs Händeschütteln, eine Rolle spielen.

Vietnam

38 Infizierte, 0 Todesfälle

epa08275847 A security man sits in front of a barrier with a sign reading 'Isolation Region' on Truc Bach street in Hanoi, Vietnam, 07 March 2020. A 26-year-old Vietnamese woman recently back from Europe has tested positive for coronavirus, the first confirmed case after weeks. Since the outbreak began, the country has reported only 17 cases of COVID-19, 16 of whom have been cured and released from hospital.  EPA/LUONG THAI LINH

Abgeriegeltes Stadtviertel in Hanoi. Bild: EPA

Ganz anders als Japan betrieb Vietnam eine sehr offene Kommunikationspolitik. Ein Song der Gesundheitsbehörde, der zum Händewaschen aufruft, ging sogar viral.

Doch ausser lustigen Videos griff Vietnam auch schnell und rigoros durch.

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