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In a mass rally the Pyongyang city army-people celebrate the election of Kim Jong Un as General Secretary of the WPK (Workers' Party of Korea), overlooked by inspirational national symbols at Kim Il Sung Square in Pyongyang, North Korea, Friday Jan. 15, 2021. (AP Photo/Jon Chol Jin)

In Nordkorea scheint die Lage im Griff zu sein – doch es bestehen Zweifel. Bild: keystone

Kein Corona in diesen Staaten: Gute Massnahmen oder gute Vertuschung?

Die Pandemie hat die Welt im Griff. Doch acht Länder scheinen ihr zu trotzen, zumindest den offiziellen WHO-Angaben zufolge. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein – vor allem in ihrer Glaubwürdigkeit. 

Sonja Eichert / t-online



Ein Artikel von

T-Online

In dieser Woche jährte sich der erste Corona-Fall in Deutschland. Seitdem sind hierzulande über zwei Millionen Menschen infiziert gewesen, über 50'000 gestorben. Die Pandemie hat die Welt im Griff. Doch immer noch gibt es vereinzelte Staaten, die bei der Weltgesundheitsorganisation WHO noch keinen einzigen Fall gemeldet haben. Wie ist das möglich?

Das wohl bekannteste Beispiel: Nordkorea. Diktator  Kim Jong-un  rühmt sich mit dem angeblichen Erfolg seines Landes gegen die Pandemie – international wird daran jedoch gezweifelt. Frühzeitig wurden die Grenzen des Landes geschlossen, die Einreise untersagt, der Schienen- und Flugverkehr ins Ausland eingestellt. Damit wurde auch der wirtschaftlich so wichtige Handel mit China gekappt. Im Juli dann der Alarm: ein Verdachtsfall in der Grenzstadt  Kaesong . Ein Nordkoreaner, der Jahre zuvor nach  Südkorea  geflohen war und nun unerlaubt zurückkehrte, zeige Symptome. Kurzerhand liess Kim die Stadt abriegeln. Drei Wochen später wurden die Massnahmen wieder aufgehoben, der Fall bestätigte sich zumindest offiziell nicht.

Nordkorea: Zweifel angebracht

Doch das Regime bleibt bei Pandemiefragen empfindlich. Im Dezember sagte die südkoreanische Aussenministerin Kang Kyeong-hwa, die Behauptungen zur Corona-Freiheit seien schwer zu glauben. Kim Yo-jong, die einflussreiche Schwester des Machthabers, schoss zurück: Für die «rücksichtslosen Bemerkungen» werde Kang noch «teuer bezahlen».

Anlass zum Zweifel gibt es jedoch genug: Im November teilte der südkoreanische Geheimdienst mit, dass nordkoreanische Hacker versucht hatten, an Daten südkoreanischer Impfstoffentwickler zu gelangen. Der US-Konzern Microsoft berichtete Ähnliches. Ebenfalls im November meldete der südkoreanische Geheimdienst, Kim hätte «irrationale Massnahmen» verhängt: Unter anderem sei der Fischfang und die Salzproduktion im Land eingestellt worden, aus Angst, das Meerwasser sei mit Coronaviren kontaminiert.

FILE - In this Jan. 8, 2021, file photo provided by the North Korean government, North Korean leader Kim Jong Un speaks at the ruling party congress in Pyongyang, North Korea. Last year was a disaster for North Korean leader Kim Jong Un, who helplessly watched his country's economy decay amid pandemic border closures while brooding over the collapse of made-for-TV summits with former President Donald Trump that failed to lift sanctions from his country. Now he must start over with President Joe Biden, who has previously called him a thug and accused Trump of chasing spectacles instead of meaningful reductions of Kim

Machthaber Kim Jong Un. Bild: keystone

Auch die Silvesterparty in der Hauptstadt Pjöngjang sei dieses Jahr deutlich kleiner ausgefallen, meldeten Beobachter. Es seien weniger Zuschauer vor Ort gewesen. Diese hätten zwar dicht an dicht gestanden, aber Masken getragen.

Im Januar beim Treffen der Arbeiterpartei war von Panik bei Kim Jong-un zumindest nach aussen nichts mehr zu sehen: Er lobte die Partei dafür, die Pandemie von der Bevölkerung ferngehalten zu haben. An der Corona-Impfung scheint das Land trotzdem interessiert zu sein: Das «Wall Street Journal» berichtet, Nordkorea habe sich Ende 2020 bei der internationalen Impfallianz Gavi um Impfstoff beworben. Auch hätten mehrere europäische Botschaften Anfragen zur Impfstoffbeschaffung aus Nordkorea erhalten. 

Turkmenistan: WHO kann nichts beweisen

Ähnlich abgeschottet wie Nordkorea: Turkmenistan. Die Ex-Sowjetrepublik ist umgeben von Ländern, die alle schwer unter der Pandemie leiden, allen voran der  Iran  mit über einer Million Infektionen. Offiziell gibt es jedoch keine Covid-Erkrankten in dem Land – und auch die Experten der  WHO  konnten bei einem Besuch im Juli nicht beweisen, dass es tatsächlich Fälle gibt. Die Besuchsorte waren jedoch vom autoritären Regime ausgewählt worden – wie aussagekräftig diese waren, ist somit zweifelhaft.

Schon im Mai berichteten lokale Medien von zunehmenden Todesfällen, überfüllten Leichenschauhäusern und immer mehr neuen Gräbern auf Friedhöfen. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch äussert öffentlich Zweifel – durch die Politik des Regimes mangele es an Schutzausrüstung für medizinisches Personal, Medikamenten und Ausstattung, heisst es. Im Juni gab die US-Botschaft einen Warnhinweis heraus, nach welchen es Berichte über Menschen mit Corona-Symptomen in Quarantäne gebe. Das Regime Turkmenistans dementierte: Die USA würden Fake News verbreiten.

Ozeanien: Inselstaaten im Vorteil

Doch es gibt auch Staaten, die es tatsächlich geschafft haben, bisher coronafrei zu bleiben – und bei denen die Zweifel an den offiziellen Daten nicht überwiegen. Sie alle eint ein Vorteil: die geographische Abgeschiedenheit. Mikronesien, Nauru, Palau, Tonga, Tuvalu und Kiribati sind Inselstaaten im Pazifik, weit weg vom nächsten Festland. Über strenge Einreisebeschränkungen, Quarantäne- und Testregelungen und die weitestgehende Einstellung des Flugverkehres konnten sie den Ausbruch der Pandemie verhindern.

Teirio Mike Strub Kiribati

Auf Kiribati ist das Leben in Ordnung.

Die Kehrseite: Teilweise ist die Einreise nicht einmal für Bürger des eigenen Landes gestattet. So sassen zu Weihnachten 60 Seeleute aus Kiribati in Hamburg fest – einige von ihnen berichteten, seit eineinhalb Jahren nicht in ihrer Heimat gewesen zu sein.

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