DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mit dem Schnelltest zum Festival: So tüftelt das Ausland an einer Lösung für Events

Grossanlässe mit mehreren hundert Besuchern könnten auch in der Schweiz schon bald wieder Realität werden. Wie das funktionieren könnte, zeigt eine Reihe von Testversuchen im Ausland. Fazit: Es kann funktionieren – mit grossem Aufwand.



Bundesrat Alain Berset will offenbar schon heute einen Plan vorlegen, wie bereits in wenigen Wochen Grossanlässe möglich sein sollen.

Der Plan sieht drei Phasen vor, wie der Tagesanzeiger schreibt: Ab Mitte Mai sollen Events bis 1000 Besucherinnen und Besucher möglich sein. Ab dem 1. Juli sollen Veranstaltungen mit 5000 Personen durchgeführt werden und ab 1. September mit 10'000. Wie der Öffnungsplan tatsächlich aussieht und inwiefern er an die epidemiologische Lage geknüpft ist, wird der Bundesrat voraussichtlich am späteren Nachmittag bekannt geben.

Wie das alles gehen könnte, hat man im Ausland bereits in Testreihen untersucht, insbesondere in Holland und Barcelona. Die Resultate fielen positiv aus, doch es gibt einige Hürden.

Niederlande

Dass die Sehnsucht nach Veranstaltungen gross ist, zeigt eine Reihe von Testversuchen in Holland. Die Tickets für die «Back to Live»-Veranstaltungen wie etwa Festivals, Konzerte oder Aufführungen für rund 15 Euro waren alle in kürzester Zeit ausverkauft.

epa09056717 Visitors gather for a dance event in Ziggo Dome in Amsterdam, The Netherlands, 06 March 2021. During a series of events, Fieldlab Events Co. investigates how large groups of people can come together in coronavirus pandemic time.  EPA/FERDY DAMMAN

Bild: keystone

Hinter den Events steckt die Organisation Fieldlab, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern des niederländischen Gesundheitsministeriums und Personen der Event-Branche. Gemeinsam testen sie, ob und unter welchen Voraussetzungen Grossveranstaltungen in Corona-Zeiten durchgeführt werden können.

Neun der Veranstaltungen mit jeweils unterschiedlich vielen Besuchern sind bereits über die Bühne gegangen. Ein Ticket alleine reichte nicht, um an einer der Grossveranstaltungen teilzunehmen.

Das Tracing-Armband funktioniert ähnlich wie die SwissCovid-Tracing-App. Es misst die Zeitdauer und den Abstand zu anderen Besuchern und zeichnet auf, wenn ein enger Kontakt stattgefunden hat.

epa09085506 Visitors of a dance festival on the event site of Walibi Holland have their temperature measured on arrival prior to a trial event, in Biddinghuizen, the Netherlands, 20 March 2021.. The event is part of a series of trial events in which Fieldlab is investigating how large events can take place safely in corona time. 1500 visitors are welcomed on the festival site.  EPA/KOEN VAN WEEL

Bild: keystone

Teils von der Maskenpflicht befreit

Nach dem Einlass-Prozedere konnten sich die meisten der Besucher frei bewegen. Einige durften ausnahmsweise mal auf die Abstandsregel sowie auf die Maskenpflicht pfeifen. Allerdings nur für wissenschaftliche Zwecke und in klar abgegrenzten Bereichen.

epa09059947 Visitors cheer during a performance by Andre Hazes in the Ziggo Dome in Amsterdam, Netherlands, 07 March 2021. The event is part of a series of trial events in which Fieldlab is investigating how large events can take place safely in coronavirus time.  EPA/KOEN VAN WEEL

Bild: keystone

Bei einer der neun Veranstaltungen mit insgesamt 1300 Teilnehmern fanden gleich sechs verschiedene Versuche statt. Jeweils rund 250 Personen sind in verschiedene Gruppen eingeteilt worden:

Jede Gruppe hatte ihre eigene Toilette sowie einen separaten Ein- und Ausgangsbereich. An gewissen Orten gab es sogar eine Bar, die Alkohol ausschenken durfte. Nach vier Stunden war dann Schluss. Fünf Tage später mussten die Probanden nochmals zum PCR-Test antraben.

Laut den Veranstaltern taten dies nur 82 Prozent der Besucher. «In den Niederlanden kann man die Leute nicht dazu zwingen, sich nachträglich testen zu lassen. Das System ist nicht 100 Prozent wasserdicht, aber es ist ziemlich anständig», sagt, sagt Andreas Voss, Professor für Infektionskontrolle.

epa09056720 Visitors queue prior to a dance event in Ziggo Dome in Amsterdam, The Netherlands, 06 March 2021. During a series of events, Fieldlab Events Co. investigates how large groups of people can come together in coronavirus pandemic time.  EPA/FERDY DAMMAN

Bild: keystone

23 Personen im Nachhinein positiv getestet

Nun, nach den ersten neun Veranstaltungen im Rahmen dieser Testreihe liegen die ersten Resultate vor. Von den insgesamt 17'000 Besuchern an den neun Events wurden:

Das erste Fazit fällt denn auch positiv aus. «Es besteht immer ein kleines Risiko. Aber die ersten neun kleineren Feldlabore in den vergangenen zwei Monaten haben tatsächlich gezeigt, wie gut ein Test im Vorfeld funktioniert», sagt Andreas Voss, Professor für Infektionskontrolle. Ob sich die Personen bei der Veranstaltung angesteckt haben, ist schwer zu beantworten. Sie könnten sich auch kurz nach dem Event infiziert haben.

Für die finale Auswertung sei es noch etwas zu früh, aber die Resultate seien sehr positiv, sagt Veranstalter Pieter Lubberts. «Wir denken, dass Sommerfestivals in den kommenden Monaten stattfinden können. Wie gross und mit wie vielen Leuten, das ist die grosse Frage».

In einer ersten Auswertung kommen die Veranstalter zum Schluss, dass bestuhlte Grossveranstaltungen auch während Corona sicher stattfinden können, solange man eine Reihe von Sicherheitsmassnahmen treffe. Dazu gehören neben dem testen auch eine gute Belüftung sowie eine begrenzte Kapazität. Lubbers und sein Team empfehlen eine maximale Auslastung von fünfzig Prozent.

epa09026237 Visitors watch the performance of comedian Guido Weijers in Utrecht, The Netherlands, 20 February 2021. The event is part of a series of trial events in which Fieldlab is investigating how large events can take place safely in coronavirus time.  EPA/REMKO DE WAAL

Bild: keystone

Für eine weitere Testparty mit 10'000 Leuten am niederländischen Nationalfeiertag «Koningsdag» erhielt Lubberts und sein Team während der Vorbereitungen eine Absage. Die Mitarbeiter des nahe gelegenen Krankenhauses fanden die Pilotveranstaltung angesichts der Spitalüberlastung als «Schlag ins Gesicht des Gesundheitswesens». Ein weiterer Streitpunkt sind die 925 Millionen Euro, welche für die Testzentren der Testveranstaltungen freigemacht wurden.

Barcelona, Spanien

Auch in Barcelona wurde bereits geprobt, wie ein Comeback von Massenveranstaltungen noch diesen Sommer möglich sein könnte. 5000 Personen konnten sich ein Ticket für das Pilotprojekt-Konzert der Indie-Pop-Band Love of Lesbian ergattern.

epa09101858 Spanish band Love of Lesbian performs on stage in front of 5,000 people at the Palau Sant Jordi arena in Barcelona, Catalonia, Spain, 27 March 2021. This is the first crowded concert in Spain since the beginning of the COVID-19 coronavirus pandemic a year ago. People had to go through a PCR test and were given FPP2 masks before entering the test concert venue.  EPA/Alejandro Garcia

Bild: keystone

Sämtliche Konzertbesucherinnen und -besucher mussten sich vor dem Konzert einem Coronatest unterziehen. Dafür wurde von den Organisatoren, einem Team aus der Event-Branche und einem Krankenhaus, drei wegen der Pandemie geschlossene Diskotheken extra zu Testzentren umfunktioniert.

Wer positiv getestet wurde, durfte nicht zum Konzert und erhielt sein Geld zurück.

epa09100688 Health workers make coronavirus tests to the 5,000 people who will attend a Love of Lesbian concert at Palau Sant Jordi in Barcelona, Spain, 27 March 2021. People will attend this test concert, aimed to check if public gatherings are safe in pandemic, after a negative coronavirus test result, with mandatory face masks and security distance measures.  EPA/ALEJANDRO GARCIA

Bild: keystone

Der Antigen-Schnelltest sowie die obligatorische FFP-Maske, die während des ganzen Konzertes getragen werden musste, waren im Ticketpreis von 23 Franken inkludiert. Für die Konzerthalle Palau Sant Jordi ist für diesen Anlass extra eine besondere Lüftungsanlage installiert worden.

«Wir haben vergessen, wie sich das anfühlt. Es ist, als wäre es mein erstes Konzert».

Die 5000 Personen wurden in drei Gruppen eingeteilt, bei denen es eigene Eingänge, Sanitäranlagen und Bars gab. Drinks durften jedoch nur ausserhalb des Konzertsaals konsumiert werden. Ansonsten war alles gleich wie vor Corona. Die Leute feierten dicht an dicht, sangen und schwenkten ihre Hände. «Wir haben vergessen, wie sich das anfühlt. Es ist, als wäre es mein erstes Konzert», sagte ein Konzertbesucher.

People react during a music concert in Barcelona, Spain, Saturday, March 27, 2021. Five thousand music lovers are set to attend a rock concert in Barcelona on Saturday after passing a same-day COVID-19 screening to test its effectiveness in preventing outbreaks of the virus at large cultural events. The show by Spanish rock group Love of Lesbian has the special permission of Spanish health authorities. While the rest of the country is limited to gatherings of no more than four people in closed spaces, the concertgoers will be able to mix freely while wearing face masks. (AP Photo/Emilio Morenatti)

Bild: keystone

Das Fazit fiel auch in Barcelona positiv aus. Bei sechs Personen fiel der Test im Vorfeld positiv aus. Sie wurden nach Hause geschickt und ihnen wurde der Ticketpreis zurückerstattet. Anders als in den Niederlanden war fünf Tage nach dem Konzert kein Test verlangt worden. Man wurde aber gebeten, während den darauffolgenden14 Tagen auf seinen Gesundheitszustand zu achten und keine Risikopatienten zu treffen. In der Folge waren keine Coronainfektionen registriert worden.

Die Kosten für die Veranstaltung beliefen sich auf 200'000 Euro, wovon jedoch nicht einmal die Hälfte davon wieder eingenommen werden konnte.

Es dürfte nicht der letzte Versuch gewesen sein

Dieser Pilotversuch zeige, dass das Nachtleben mit Sicherheitsmassnahmen sicher sei, sagte Joaquim Bordas, Präsident des Arbeitgeberverbandes. Er habe die Absicht, in absehbarer Zeit einen Pilotversuch in verschiedenen Restaurants und Nachtclubs in Barcelona durchzuführen. Um sich Zugang zu Restaurants und Clubs zu verschaffen, sollen die Probanden einige Stunden vorher einen Schnelltest machen.

People using face masks attend a music concert in Barcelona, Spain, Saturday, March 27, 2021. Five thousand music lovers were set to attend a rock concert in Barcelona on Saturday after passing a same-day COVID-19 screening to test its effectiveness in preventing outbreaks of the virus at large cultural events. The show by Spanish rock group Love of Lesbian has the special permission of Spanish health authorities. While the rest of the country is limited to gatherings of no more than four people in closed spaces, the concertgoers will be able to mix freely while wearing face masks. (AP Photo/Emilio Morenatti)

Bild: keystone

Liverpool, Grossbritannien

Nachdem die Engländer ihre Biergärten wieder geöffnet haben, testen sie bereits Anfangs Mai, wie Veranstaltungen mit Zuschauern in diesem Sommer wieder ermöglicht werden können.

5000 Leute dürfen dafür gemeinsam ein Open-Air-Festival ohne Maske und ohne Abstände besuchen. Einzige Bedingung für den Einlass: ein negatives Schnelltest-Ergebnis. «Wir kommen einem Sommer voller Live-Events einen kleinen Schritt näher», sagt der euphorische Kulturminister Oliver Dowden zu CNN.

So wird in England bereits gefeiert:

Video: watson

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Swiss Press Photo Award 2020:

1 / 10
Swiss Press Photo Award Aktualität 2&3
quelle: michael buholzer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Fitnesscenter nach vier Monaten Corona-Pause wieder offen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Forscher findet gelöschte Dateien: Zirkulierte das Virus schon vor Dezember 2019?

Ein US-Forscher hat in der Google Cloud 13 gelöschte Sequenzierungen des Coronavirus gefunden. Sie stammen aus Wuhan und befeuern die These, dass das Virus bereits vor dem Ausbruch auf dem Wildtiermarkt in Wuhan im Umlauf war.

Die Debatte über die Ursprünge des Coronavirus sind in jüngster Zeit wieder aufgeflammt. Die US-Regierung hat eine Untersuchung dazu eingeleitet, als Stimmen laut wurden, dass das Virus nicht von Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde, sondern aus einem Labor in Wuhan stammt. Bis anhin galt der Wildtiermarkt in Wuhan als Ursprungsort des Coronavirus. Hier soll das Virus vom Tier auf den Mensch übergesprungen sein.

Eine neue Studie des US-Virologen Jesse Bloom bestätigt weder die eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel