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epa08298197 Medical workers in protective suits guide a person into the Columbus hospital unit of the Gemelli hospital at the second Covid center, in Rome, Italy, 16 March 2020. Italy on 15 March 2020 reported 368 new deaths of coronavirus bringing the total fatalities to 1,809 and more than 24,000 coronavirus cases.  EPA/FABIO FRUSTACI

Nicht alle Ärzte in Italien sind ausreichend gegen das Coronavirus geschützt. Bild: EPA

Italienischer Hausarzt warnt: «Wir sind in einer Extremsituation und niemand hilft uns!»

In Italien sind die Arztpraxen wegen des Coronavirus so gut gefüllt wie schon lange nicht mehr. Das ist auch eine potentielle Gefahr für das Personal. Ein sardischer Arzt beschwert sich auf Facebook – und äussert happige Vorwürfe.



Das Coronavirus fordert das italienische Gesundheitssystem. Neben den Spitälern sind auch die Arztpraxen stark betroffen. Viele Leute suchen ihre Hausärzte auf, um sich testen oder behandeln zu lassen.

Diese Situation birgt auch für die Ärzte Gefahren. Auch sie riskieren, sich durch die vielen Kontakte mit dem Virus anzustecken. Einer dieser Ärzte ist Gian Basilio Balloi. Der sardische Allgemeinarzt fühlt sich durch die aktuelle Situation bedroht. Er wendet sich mit zwei emotionalen Facebook-Posts an die Öffentlichkeit.

«Wir dürfen nicht über unsere miserable Situation sprechen!»

Gian Basilio Balloi

Balloi bemängelt die seiner Meinung nach ungenügende Schutzausrüstung, welche viele seiner Kollegen erhalten haben. Zu folgendem Bild schrieb er:

Bild

So sieht die Maske von einigen Ärzten aus. bild: facebook

«Wisst ihr, was das ist? Es sieht aus wie ein Staublumpen, ist aber das Beste, was viele Ärzte in Sardinien bekommen haben. Also die Personen, die es als Erste mit den Patienten zu tun haben und entscheiden müssen, ob diese in den Notfall müssen. [...] Wir sind in einer Extremsituation und niemand hilft uns. Wir sind dazu gezwungen, ohne Masken zu arbeiten, die uns vor einer Ansteckung schützen oder die Patienten schützen, falls wir das Virus haben und noch keine Symptome spüren.»

Dazu komme, dass die Ärzte im Gegensatz zu vielen anderen Leuten derzeit nicht zu Hause bleiben können. So schreibt Balloi weiter: «Im Moment haben wir nicht die Möglichkeit, uns in Selbstquarantäne zu begeben oder uns krank zu melden (dann bekommen wir übrigens kein Geld, was viele skandalöserweise vielleicht nicht wissen), denn das erlauben uns unser Gewissen und der Schwur, den wir als Ärzte abgelegt haben, nicht. Wir sind mit unseren Kräften am Ende und alle schweigen.»

>> Coronavirus: Alle aktuellen News im Liveticker

Vorwürfe gegen die Vorgesetzten

Dass sich bisher noch keine anderen Ärzte zu dieser Problematik geäussert haben, liege gemäss Balloi daran, dass das verboten worden sei. Der Sarde äussert happige Vorwürfe: «Wir haben einen ‹Maulkorb› wie zu Zeiten des Faschismus. Wir dürfen nicht über unsere miserable Situation sprechen oder darüber, wie sehr wir leiden.»

«Die Hälfte der 300 Kranken sind Ärzte oder Pflegepersonal.»

Gian Basilio Balloi

In seinem zweiten Post fügte er an: «Der Zuständige des Gesundheitswesens (in Sardinien), Mario Nieddu, hat den Vorsitzenden der örtlichen Gesundheitsbehörden mitgeteilt, sie sollen ‹disziplinierende Massnahmen› ergreifen, sollten Arbeiter ohne Erlaubnis an die Öffentlichkeit gehen. Das hat uns davon abgehalten, uns frei zu äussern und über die Probleme der momentanen Situation zu sprechen.»

Um etwas gegen diesen Missstand zu unternehmen, wendet sich Balloi mit einem Aufruf an das italienische Volk: «Ich bitte euch mit dieser Nachricht, uns zu helfen, wo auch immer ihr könnt. Und damit meine ich nicht nur, dass ihr zu Hause bleibt. Verbreitet diese Nachricht, sie soll sich schneller verbreiten als unser grösster Feind [das Virus, Anm. d. Red.]. Denn wir sterben hier, die Hälfte der 300 Kranken [in Sardinien, Anm. d. Red.] sind Ärzte oder Pflegepersonal.» (dab)

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Coronavirus: Was du wissen musst

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Coronavirus: Was du wissen musst
quelle: ap / zoltan balogh
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