DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05127574 US philantropist and Microsoft co-founder Bill Gates Koninklijk Instituut voor de Tropen in Amsterdam, the Netherlands, 26 February 2016. The institute supports non-Western countries in sustainable development and informs the public about the tropics and sub-tropics.  EPA/EVERT ELZINGA

Für viele der personifizierte Teufel: Um Bill Gates kursieren die wildesten Verschwörungstheorien. Bild: EPA/ANP

Bill Gates: «Ich fühle mich schrecklich»

Vor fünf Jahren warnte Bill Gates die Welt, die grösste Bedrohung für die Menschheit sei kein Krieg, sondern eine Pandemie. Viele, die ihn belächelt haben, schlucken jetzt schwer: Seine Vorhersage ist eingetreten.



Bill Gates ist in der Corona-Krise weltweit in die Schlagzeilen geraten. Der zweitreichste Mann der Welt soll persönlich für die Pandemie verantwortlich sein, lautet der Vorwurf der Verschwörungstheoretiker. Jetzt hat Gates dem Wall Street Journal ein Interview gegeben (kostenpflichtig) und erstmals auf die Vorwürfe reagiert.

Wir haben für euch die fünf brisantesten Aussagen aufgelistet.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

«Alles, was wir tun, ist Geld ausgeben und unsere Meinung kundtun.»

Auf die Frage, was er von den Verschwörungstheorien rund um seine Person halte, bleibt er diplomatisch. «Letztlich sind nicht wir es, welche die Entscheidungen fällen», sagt Gates. Das Virus sei «das Dramatischste, was in seinem Leben passiert ist». Es stoppe viele Bemühungen der Bill and Melinda Gates Foundation, wie zum Beispiel die Ausrottung Polios, die Impfung von Kindern in Drittweltländern und andere Langzeitprojekte. Die Finanzierung dieser Projekte werde dennoch fortgesetzt.

Das Coronavirus habe, wenn überhaupt, aufgezeigt, dass eine einzige Person - in diesem Fall selbst die zweitreichste der ganzen Welt - nicht allein in der Lage ist, eine solche Pandemie zu stoppen. Die Gates Foundation hat bisher ganze 305 Millionen Dollar in die Suche nach einem Impfstoff gegen COVID-19 und Arzneimittel sowie in die Beschaffung von Medikamenten und Hilfsgütern für Länder mit niedrigen Einkommen gesteckt. Bevor die Pandemie vorbei ist, werde Gates «am Ende noch viel mehr ausgeben».

«Diese Verschwörungstheorien und Fehlinformationen sind völlig falsch»

Sprecherin von Bill Gates

Die Verschwörungstheorien rund um Gates geraten ausser Kontrolle und werden immer skurriler: So soll der Microsoft-Gründer Menschen Mikrochips implantieren wollen, um zu verfolgen, wer positiv auf COVID-19 getestet wurde und so jederzeit deren Standort tracken zu können - eine Behauptung, die von Facebook als falsch gekennzeichnet wurde.

In weiteren Theorien soll er als Ziel haben, Frauen mittels der Corona-Impfung gezielt zu sterilisieren, um so die Überbevölkerung zu minimieren. Eine Gemeinsamkeit solcher Theorien ist die Unterstellung, Gates bereichere sich an der Krise. Gemäss einer Sprecherin von Gates habe sich das Paar, Bill und Melinda Gates, dazu verpflichtet, den grössten Teil ihres geschätzten Vermögens von 160 Milliarden US-Dollar zu spenden, bevor sie sterben. Die Sprecherin beteuerte ausserdem, dass «diese Verschwörungstheorien und Fehlinformationen völlig falsch sind.»

«Ich fühle mich schrecklich»

«Ich wünschte, ich hätte mehr getan, um auf die Gefahr aufmerksam zu machen», sagt Bill Gates im Rückblick auf die letzten Jahre. Er hat es kommen sehen: Bereits vor fünf Jahren warnte Gates in einem Ted Talk, die grösste Gefahr für die Welt sei kein Krieg, sondern eine Pandemie, weil die Staaten nicht ausreichend darauf vorbereitet seien. Der Milliardär spendete hunderte Millionen Dollar, um diverse Impfungen und Krankheits-Tracking-Systeme herzustellen.

Gates bedauert, seinen Warnungen vor den Gefahren einer Pandemie nicht mehr Nachdruck verliehen zu haben. «Ich fühle mich schrecklich.»

Er versuchte, diverse Staaten dazu zu bringen, sich auf eine mögliche Pandemie mittels internationalen Warn- und Reaktionssystemen, Schnelldiagnostik, Medikamentenvorräten und Technologien zur schnellen Herstellung von Impfstoffen vorzubereiten. «Das ganze Gerede war dafür da, um in Aktion zu treten und den Schaden zu minimieren», sagt er.

«Ich wünschte, meine Warnungen hätten mehr Gehör gefunden»

Bereits 2016 erklärte Gates den damaligen US-Präsidentschaftskandidaten die Risiken einer Pandemie und forderte sie auf, die Vorbereitungen darauf zu einer nationalen Priorität zu machen. Er versuchte auch den dann gewählten Präsidenten Trump während eines Meetings im Trump-Tower davon zu überzeugen. Das Weisse Haus lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

An der Münchner Sicherheitskonferenz 2017, einem jährlichen Treffen zur internationalen Sicherheitspolitik, sagte Gates, dass «die Vorbereitung auf eine globale Pandemie genauso wichtig ist wie die nukleare Abschreckung und die Vermeidung einer Klimakatastrophe». Dies geht aus seinen vorbereiteten Notizen hervor. Er sprach dort ebenfalls über schnellere Wege zur Herstellung von Impfstoffen.

Microsoft founder Bill Gates speaks during the Munich Security Conference in Munich, Germany, Saturday, Feb. 18, 2017. The annual weekend gathering is known for providing an open and informal platform to meet in close quarters. (AP Photo/Matthias Schrader)

Bill Gates an der Münchner Sicherheitskonferenz 2017. Bild: AP/AP

Gates nutze seine Person, um Regierungen zu erreichen. Sie seien die Einzigen, die über Mittel verfügen, um sich diesem Risiko anzunehmen. «Ich habe mich dazu entschieden, über die Risiken einer Pandemie zu sprechen, wenn ich einflussreiche Menschen an der Spitze in Europa, in den USA und überall auf der Welt treffe», sagte er.

Viele dieser Menschen stimmten ihm grundsätzlich zu. Aber da eine Pandemie zu diesem Zeitpunkt nicht eine unmittelbare Bedrohung darstellte, waren sie nicht bereit, solch hohe Geldbeträge für Präventionsarbeiten auszugeben.

«Wir brauchen die WHO»

Nach der Ankündigung von Präsident Trump, dass die Vereinigten Staaten die Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation einstellen werde, übte Gates harte Kritik. «Wir brauchen die WHO, und sie zu bremsen ... - ich verstehe es einfach nicht, wirklich nicht.», sagt Gates. «Wir haben eine Pandemie, bei der die WHO eine sehr wichtige Rolle spielt. Wenn, dann brauchen sie mehr Ressourcen.»

Gates' Reaktion auf die Entscheidung der USA, der WHO kein Geld mehr zukommen zu lassen.

Die WHO mit Sitz in Genf wurde 1948 mit dem Ziel gegründet, für alle Völker das höchstmögliche Gesundheitsniveau zu erreichen. Finanziert wird die WHO zu 80 Prozent von privaten Spendern, die restlichen 20 Prozent stammen von Beiträgen der 194 Mitgliedsstaaten. Die Gates Foundation hat der WHO seit der Jahrtausendwende 2,5 Milliarden Dollar gespendet – 1,6 Milliarden davon für die Ausrottung von Polio, Kinderlähmung. Pro Jahr macht das gemäss Finanzbericht der WHO einen Anteil von 9.76 Prozent aus - somit ist die Gates Foundation der zweitgrösste Spender nach der USA.

«Ich hoffe, die Welt wird daraus lernen»

Die Corona-Pandemie hat die Welt mit riesiger Wucht getroffen. Die Weltwirtschaft rast wahrscheinlich auf eine Rezession zu und es ist klar geworden, wie unvorbereitet die Staaten auf solch eine Situation waren. Überfüllte Krankenhäuser, Mangel an Schutzausrüstung, viele Arbeitslose: Das sind nur einige der schlimmen Folgen der Krise. Gates sagt, die Bemühungen der Welt, eine Pandemie aufzuhalten, seien «nicht das, was im Idealfall hätte getan werden sollen».

Sein Blick auf die Zukunft ist optimistischer: «Ich hoffe jetzt, dass Führungskräfte auf der ganzen Welt, die für den Schutz ihrer Bürger verantwortlich sind, aus dieser Tragödie lernen und das neue Wissen dazu nutzen, in Systeme zu investieren, um zukünftige Ausbrüche zu verhindern.»

(cki)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Coronavirus in den USA

1 / 27
Coronavirus in den USA
quelle: epa / eugene garcia
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Ich bin ein Mensch, ich brauche keinen Personalausweis»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fussballerin verklagt Pornhub wegen gestohlener Sex-Videos

Mehr als 30 Frauen in den USA verklagen eine grosse Erotik-Website. Die Plattform soll Videos von Vergewaltigungen und anderer sexueller Gewalt geduldet haben. Eine von ihnen ist die Fussballerin Leigh Nicol.

Dutzende Frauen haben in den USA Klage gegen die Porno-Plattform Pornhub wegen Aufnahmen von Vergewaltigungen und anderen Formen sexueller Gewalt eingereicht. Die 34 Klägerinnen werfen dem Mutterhaus MindGeek vor, mit Pornhub einen Marktplatz für Kinderpornos und «jede andere Form» von nicht einvernehmlichem Sex geschaffen zu haben und fordern Schadenersatz.

Vier der Klägerinnen stammen aus Grossbritannien, eine von ihnen ist die schottische Fuballerin Leigh Nicol, die für den Verein Chrystal …

Artikel lesen
Link zum Artikel