International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Ein Video eines Polizeieinsatzes in Hamburg sorgt für Aufregung. screenshot: twitter

«Ich kriege keine Luft» – jetzt hat auch Deutschland eine Polizeigewalt-Diskussion

Am Samstag in Düsseldorf und am Montag in Hamburg: Videos zeigen, wie Polizisten Gewalt gegen Zivilisten ausüben. Dies weckt Erinnerungen an die Szenen in den USA.



In den sozialen Medien kursiert zurzeit ein Video eines Polizeieinsatzes aus Hamburg und sorgt für Aufregung. Die Aufnahme zeigt eine Verhaftung eines Jugendlichen durch mehrere Polizeibeamten. Das Verhalten der Polizisten sorgt für heftige Kritik an der Hamburger Polizei.

Das Video vom Montag zeigt, wie mindestens acht Polizisten einen Jugendlichen einkesseln und mit ihm ringen.

Der Jugendliche wird von der Polizei aufgefordert, sich hinzulegen, doch er leistet nicht Folge. Danach ist zu sehen, wie er aus einem nicht erkennbaren Grund sein T-Shirt auszieht und schwer atmet. Daraufhin versuchen die Polizisten ihn auf dem Boden zu fixieren. Im Video ist zu hören, wie er sagt, er bekomme keine Luft.

In einem zweiten Video, das den Anfang der Verhaftung zeigt, wird deutlich, wie sehr sich der Jugendliche der Verhaftung widersetzt. Es ist zu sehen, wie er mehrmals Polizisten schubst und sich gegen die Griffe der Beamten wehrt. Die Vorgeschichte der Aufnahme ist dank einer Stellungnahme der Polizei Hamburg nun geklärt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass er vor einer Wand mit der Aufschrift «I can't breathe» steht und dabei gefilmt wird.

So hat es begonnen:

Zeugenaussagen gegenüber dem Hamburger Abendblatt zufolge waren mindestens zehn Polizisten und 30 Passanten und Anwohner anwesend. Der Jugendliche soll sich später ohne Widerstand ins Auto gesetzt haben.

Das sagt die Hamburger Polizei

Am Dienstag nahm die Polizei Hamburg via Twitter Stellung: Der Jugendliche sei bereits im Vorfeld mehrfach auffällig geworden. Er habe mit einem Elektro-Roller öfters den Gehweg benutzt. Die Polizei habe ihn mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass dies verboten sei. Am Montag sei er dann erneut angetroffen worden. Er habe sich geweigert, sich auszuweisen. Daraufhin hätten die Polizisten «einfache körperliche Gewalt» angewendet: «Dabei wurden die Einsatztechniken so kontrolliert, dass es dem Jugendlichen jederzeit möglich war, zu atmen». Bei der Widerstandshandlung wurde ein Beamter jedoch leicht verletzt.

Weiter schreibt die Polizei:

«Grundsätzlich ist die Polizei in einem ständigen Spannungsfeld, wenn Zwangsmassnahmen gegen Personen durchgeführt werden, die körperlich sehr gross und stark sowie erkennbar jugendlich sind. Klar ist, dass die Polizei ihrem gesetzlichen Auftrag Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen nachkommen muss. Hier kann es erforderlich sein, wenn wie im vorliegenden Fall der Adressat unkooperativ ist und alle deeskalierenden Alternativen abgelehnt werden, einen Widerstand mit körperlichen Gewalt zu brechen.»

Knie im Genick in Düsseldorf

Bereits am Samstag sorgte ein Video eines Einsatzes der Polizei Düsseldorf für Aufsehen. Zu sehen ist, wie ein Polizist, ähnlich wie bei George Floyd in den USA, auf dem Genick des Verhafteten kniet.

Video: watson

Die Polizei Düsseldorf hat sich dazu bereits geäussert. «Wir nehmen den Vorfall sehr ernst und haben unverzüglich damit begonnen, das Vorgehen unserer Mitarbeiter zu überprüfen», schreibt die Abteilung auf Twitter.

Die Reaktionen:

Auf Twitter hat das Video hohe Wellen geschlagen. Mehrere User äusserten sich kritisch gegenüber der Polizei. Den Beamten wird Unverhältnismässigkeit und Überforderung vorgeworfen.

Da die Vorgeschichte nicht bekannt ist, bleiben einige Stimmen auch neutral. Ausserdem widersetzt sich der Junge der Verhaftung – daher scheint für einige User die Reaktion der Polizisten kein Problem zu sein.

Erinnerungen an George Floyd

In den USA kommt es vermehrt zu Polizeigewalt – mehrheitlich auch gegen die afroamerikanische Bevölkerung. Im Fall George Floyd kniete ein Polizist ganze 8 Minuten lang auf Floyds Nacken – bis dieser vor laufender Kamera das Bewusstsein verlor und später verstarb.

Mit den Worten «Ich kann nicht atmen» wollte Floyd den Beamten mehrmals darauf aufmerksam machen, dass dieser ihm die Luft abdrückte. Dieser Vorfall löste in den USA und auf der ganzen Welt heftige Demonstrationen gegen Polizeigewalt und für «Black Lives Matter» aus. (cki)

Dieser Artikel wurde mit der Stellungnahme der Polizei Hamburg ergänzt.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Proteste in Minneapolis

Dieses Video zeigt die Ausschreitungen in den Strassen von Minneapolis

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Ein Faktenchecker erklärt, welche drei Gruppen am meisten Fake News verbreiten

Spam, Internetbetrug, Hetznachrichten und Hoaxes – in den sozialen Netzwerken ist viel unterwegs, was weit weg von der Wahrheit ist und trotzdem gelikt und geteilt wird. Um dem entgegenzutreten, gründete sich 2011 der Verein Mimikama in Österreich, mit dem Ziel, Internetbetrug und Falschmeldungen im deutschsprachigen Raum zu bekämpfen.

«Wir sind im Ursprung von Nutzern für Nutzer entstanden», erzählt Andre Wolf, der zusammen mit 36 (grösstenteils ehrenamtlichen) Faktencheckern für den …

Artikel lesen
Link zum Artikel