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Loveparade-Prozess eingestellt – Mammutverfahren endet ohne Urteil

Im Sommer 2010 starben 21 Menschen am deutschen Techno-Festival Loveparade. Nun endet eines der aufwendigsten Strafverfahren der Nachkriegszeit ohne Urteil.



epa02260013 Thousands of ravers gather in front of a tunnel where shortly after a mass panic took place at this year's techno-music festival 'Loveparade' in Duisburg, Germany, 24 July 2010. At least 15 people died at the techno-music festival in the German city of Duisburg when crowds of people were crushed in a tunnel leading to the event grounds, police said. A statement released by Duisburg police said that 15 people had been resuscitated and at least another 15 had been injured, when panic broke out as crowds pushed into the confined space. 
EDITORIAL USE ONLY - NO MAGAZIN USE - NO ARCHIVE - MANDATORY CREDIT: WAZ FOTO POOL  EPA/PETER MALZBENDER / POOL

24. Juli 2010: Tausende Raverinnen und Raver geraten vor einem Tunneleingang in Massenpanik – 21 Menschen sterben. Bild: EPA

Das Landgericht Duisburg hat am Montag den Prozess um das Unglück bei der Loveparade 2010 mit 21 Toten eingestellt. Bei den drei zuletzt verbliebenen Angeklagten hatte das Gericht zuvor nur eine geringe Schuld vermutet. Eines der aufwendigsten Strafverfahren der Nachkriegszeit endet damit nach knapp zweieinhalb Jahren und 184 Sitzungstagen ohne ein Urteil. Die Kammer wollte am Montag im Anschluss an die Verkündung des Beschlusses noch ihre Erkenntnisse aus dem Verfahren vortragen.

In dem Prozess ging es um die tödlichen Verletzungen von 21 jungen Menschen bei einem Gedränge auf der Loveparade in Duisburg im Juli 2010. Mehr als 650 Menschen wurden verletzt. Einige leiden bis heute unter den Folgen. Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten war in einem grossen Saal des Kongresszentrums Düsseldorf verhandelt worden.

Verjährung des Tötungsvorwurfs

Zuletzt hatten noch drei leitende Mitarbeitende des Veranstalters Lopavent auf der Anklagebank gesessen. Sie sind mittlerweile 43, 60 und 67 Jahre alt. Die Verfahren gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und einen weiteren Lopavent-Mitarbeiter waren bereits vor über einem Jahr eingestellt worden, ebenfalls ohne Auflagen.

Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Die Beteiligten sollen unter anderem schwere Planungsfehler begangen haben.

Anfang April 2020 hatte das Landgericht die Einstellung des Verfahrens auch für die drei verbliebenen Angeklagten vorgeschlagen. Es begründete dies unter anderem mit zu erwartenden Corona-Einschränkungen und der absehbaren Verjährung des Tötungsvorwurfs Ende Juli.

Staatsanwaltschaft und die drei Angeklagten hatten zugestimmt. Angehörige von Todesopfern sprachen sich als Nebenkläger gegen eine Einstellung aus. Ihre Zustimmung war allerdings rechtlich nicht erforderlich. Der Einstellungsbeschluss ist unanfechtbar.

Bei den drei verbliebenen Beschuldigten hatte bereits im Februar 2019 eine Einstellung gegen Geldauflage im Raum gestanden. Sie lehnten jedoch ab. Er wolle nicht auf sein Recht verzichten, freigesprochen zu werden, hatte ein Angeklagter damals als Grund angegeben.

Katastrophe an der Loveparade

Für die übrigen drei Angeklagten ging es somit weiter – bis vor einigen Wochen das Coronavirus den Zeitplan sprengte. Nachdem zuletzt am 4. März verhandelt worden war, wurde der Prozess Mitte März unterbrochen, als eine Richterin vorsorglich unter Quarantäne gestellt wurde. Anfang April schlug das Gericht dann die Einstellung vor.

Als nächstes war ursprünglich die Einführung des 3800 Seiten umfassenden Gutachtens des Sachverständigen Prof. Jürgen Gerlach geplant. Schriftlich liegt es bereits seit Dezember 2018 allen Beteiligten vor. In dem Gutachten hatte der Verkehrsexperte festgestellt, dass das Unglück schon in der Planungsphase hätte verhindert werden können. Schon im Vorfeld habe es mehrere Anhaltspunkte gegeben, dass das Veranstaltungsgelände für die erwarteten Besuchermengen nicht geeignet war. (sda/dpa)

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Die Street Parade 2018

Aus dem Archiv: Street Parade in den 90er Jahren

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