International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
rojo-ne

Das kuriose Phänomen forderte bereits drei Todesopfer. Bild: screenshot: twitter

«Rojo-ne» – warum sich besoffene Japaner zum Schlafen auf die Strasse legen

In Japan gibt es einen Trend, der sich «Rojo-ne» nennt. Dabei legen sich Betrunkene auf die Strasse und schlafen. Geschuldet ist dieses bizarre Phänomen wohl einem lokalen alkoholischen Getränk.



Das Phänomen «Rojo-ne», welches wortwörtlich übersetzt «Schlafen auf der Strasse» bedeutet, stellt die Polizei von Okinawa vor Probleme: Allein im letzten Jahr wurden 7211 solcher Fälle registriert. Die Strassenschläfer sind dabei in der Regel betrunken – in den meisten Fällen wohl von einem lokalen Getränk namens «Awamori». Dabei handelt es sich um einen auf Reis basierten Sprit, der seit hunderten Jahren hergestellt wird.

Betrunkene begehen Straftat

Manche Japaner legen sie sich nach dem Alkoholkonsum betrunken auf die Strasse und schlafen. Einige benutzen den Randstein als kühlendes Kissen, andere ziehen sich bis auf die Unterhose aus, vielleicht weil sie meinen, sie seien bereits zuhause.

Doch das kann auch teuer werden: «Rojo-ne» ist eine Straftat und wird mit bis zu 50'000 Yen (ca. 430 Franken) gebüsst. Es ist verboten, auf der Strasse zu liegen – die Personen behindern so den Verkehr und stellen für andere eine Gefahr dar.

Obwohl die meisten aus ihrem Trunkenheits-Schläfchen geweckt werden, kam es bei 16 der über 7000 Fälle zu Unfällen, von denen drei tödlich endeten.

«Ich hatte den Begriff ‹Rojo-ne› gar nicht gekannt, bevor ich nach Okinawa kam», sagt Tadataka Miyazawa, ein Polizist, gegenüber der japanischen Zeitung «Mainichi Shimbun».

«Inemuri»

In Japan ist es nicht ungewöhnlich, schlafende Menschen an öffentlichen Orten anzutreffen. Dafür gibt es sogar ein eigenes Wort – der Begriff «Inemuri» bezeichnet den Kurzschlaf in der Öffentlichkeit. Weil die Inselbewohner viel Zeit mit Arbeiten und Pendeln verbringen, müssen sie ihren Schlaf in der Bahn oder während der Mittagspause nachholen.

Die Polizei und die Medien warnen regelmässig davor, sich betrunken auf die Strasse zu legen. Die Polizei glaubt, es könne nebst dem Alkoholkonsum auch mit dem warmen Klima zusammenhängen.

Zahlen sinken nicht

Doch es scheint nicht nachzulassen: Auch die Coronakrise und die Warnungen der Regierung, möglichst zuhause zu bleiben, hatten dabei keine grossen Auswirkungen auf das Auftreten dieses Phänomens. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden bereits 2702 Fälle registriert – etwa gleich viele wie vor einem Jahr.

Die lokalen Behörden gehen gemäss Tatsuo Oshiro, Leiter der Verkehrsabteilung der Präfekturpolizei, nun härter gegen die Straftäter vor. Die Polizei will vermehrt Verhaftungen durchführen und mehr mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten.

Ausserdem fordern sie die Täter dazu auf, ihren «Awamori»-Konsum moderat zu gestalten. «Versteht mich nicht falsch, Alkohol ist nicht per se schlecht», sagt Oshiro zur japanischen Zeitung. «Es ist einfach schlecht, zu viel davon zu trinken.»

(cki)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

16 spezielle Sushi-Kreationen, die du lieben wirst

«Shiki-Shima» – Japans Luxuszug

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Grossbritannien verschärft Wettbewerbsregeln für Internetriesen

Grossbritannien will mit verschärften Wettbewerbsregeln Internetriesen wie Google und Facebook in die Schranken weisen. Durchsetzen soll den Kodex eine neue Einrichtung, die bei der Wettbewerbsbehörde CMA angesiedelt ist.

Die Digitalmärkte-Abteilung soll ihre Arbeit im April aufnehmen. Ihre Aufgabe ist es, kleinere Konkurrenten und Konsumenten vor einem Missbrauch der Marktmacht der Internetgiganten - insbesondere im Bereich der Online-Werbung - besser zu schützen.

«Es ist Zeit, das anzugehen», …

Artikel lesen
Link zum Artikel