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Zombie-movie master George Romero, director of

George A. Romero, Zombie-Entfessler. Bild: AP

Bitte, komm als Zombie wieder! George A. Romero, Vater aller «Living Dead»-Filme, ist tot



Was kann ein Zombie dafür, dass er ein Zombie ist? Nichts! Er war halt einmal ein Mensch, der sich von einem andern Zombie hat anfressen lassen. Und woher kam der? Aus einem Romero-Film natürlich! Eine andere Erklärung gibt es kaum. Denn George A. Romero, der jetzt mit 77 Jahren verstorben ist, erfand mehr oder weniger den Zombie als Massenphänomen.

Keiner liebte und verstand die hässlichen, hirnlosen und überaus langsamen Kreaturen so sehr wie er. Und keiner konnte uns so schlüssig nahe legen, dass in jeder und jedem von uns bereits der Zombie lauert, wenn wir nicht aufpassen und uns mit aller Kraft gegen die Versuchungen der westlichen Welt (okay, Amerikas) stemmen. Immer war da dieser pathetische Rest von Moral und Sentimentalität in seinen lustigen Orgien aus wandelnden Fleischfetzen, und sie machten, dass einem seine Filme ans Herz wuchsen. 

george a. romero

Bild: wikipedia

«Survival of the Dead» (2009) zum Beispiel, der letzte und weiss Gott nicht beste Film aus der «Living Dead»-Reihe erzählt die Geschichte zweier Familien auf einer abgelegenen Insel, die es nicht übers Herz bringen, ihre untoten Familienmitglieder vollends zu töten. Statt dessen versuchen sie, ihre Zombies zu domestizieren und ihnen einfache, manuelle Aufgaben in Haus und Hof beizubringen. Schnell wird klar: Niemand hat je schlechter gekocht als die Zombie-Köchin. Gleichzeitig ist es praktisch: Billigere Arbeitskräfte finden sich nirgendwo.

george a. romero

Bild: via imdb

George A. Romero kam am 4. Februar 1940 in der Bronx zur Welt, sein Vater war Kubaner, seine Mutter stammte aus Litauen. Mit 18 gewann er seinen ersten (sehr kleinen) Filmpreis für einen ernsthaften kleinen Dokfilm über Geologie. Er studierte Film, verdiente sein Geld als Werber und wandte sich mit 28 und einem Mikrobudget von 114'000 Dollar zum ersten Mal den Zombies zu. Das Resultat? «Night of the Living Dead». Noch kein Kassen-, aber ein Kulthit. Und: ein frühes Statement gegen rassistische Polizeigewalt in den USA. Denn der Held, der all die hysterischen weissen Menschen vor den Zombies rettet, ist schwarz. Und wird am Ende von der Polizei, einem dumpf drauflos ballernden Zombie-Pendant, erschossen.

george a. romero, soundtrack, vinyl

Bild: waxwork records

«Ich war der einzige Junge auf dem Spielplatz», erinnerte sich Romero 2013 im «Telegraph» an seinen Unique Selling Point. «Alles, was ich tat, war, die Zombies aus der Exotik rauszunehmen und sie zu Nachbarn zu machen. Ich dachte, es gibt nichts Grusligeres als Nachbarn», sagte er 2014 in einem Radiointerview von NPR.  Trotzdem sah er nicht seine Filme für den Zombie-Boom der Jetztzeit («Zombieland», «The Walking Dead», «World War Z») verantwortlich, sondern vor allem Videogames. 

Bereits sein zweiter Zombie-Film, «Dawn of the Dead» (1978), machte Romero zum Millionär. Ein 500'000-Dollar-Budget verwandelte sich in 55 Millionen Dollar an den Kinokassen. So süchtig war das Publikum danach, einen seiner Lieblingsorte, eine Shopping Mall, von Zombies besetzt zu sehen.

Bild

bild: wikipedia

Die Mall – gedreht wurde in einer echten Mall, selbstverständlich nur nach Ladenschluss – war wahrscheinlich Romeros genialste Idee überhaupt. Schliesslich kehren Zombies immer dahin zurück, wo sie schon als Menschen am liebsten waren. Und was ist das in Amerika, wenn nicht ein wahrer Warentempel? Und: Unterscheidet sich der zähe Strom der Zombies, die sich gehirnamputiert durch die Mall wälzen, überhaupt von normalen Konsumenten? Irgendwie nicht.

Und so ging es weiter: mit «Day of the Dead» (1985), «Land of the Dead» (2005) und «Diary of the Dead» (2007). Mit vielem anderen dazwischen. Mit etlichen Stephen-King-Verfilmungen («Creepshow etc.).

george a. romero

Bild: wikipedia

Hat er jemals bereut, was aus den Zombies in all den Remakes und Adaptionen seiner Filme wurde? 2008 antwortete er darauf für die Website «A.V.Club» mit einem Vergleich: «Alle fragen Stephen King, wie er sich fühlt, wenn Hollywood seine Bücher ruiniert, und das erste, was er sagt, ist: ‹Die Bücher sind doch nicht ruiniert! Sie stehen hinter mir auf dem Regal.› Mir geht es ähnlich. Meine Arbeit ist meine Arbeit. Manches ist nicht so erfolgreich wie anderes. Aber es ist meins.»

george a. romero

Bild: wikipedia

Nach einem kurzen, schweren Kampf gegen Lungenkrebs ist George A. Romero am Sonntag zuhause in seinem Schlaf gestorben. An seiner Seite waren seine dritte Frau und seine Tochter, sein Sterben wurde von seiner liebsten Filmmusik begleitet. Nein, es handelte sich dabei nicht um den Soundtrack von einem seiner eigenen Filme, sondern um John Fords romantische Musicalkomödie «The Quiet Man» mit John Wayne aus dem Jahr 1952.

Man wünscht sich ja normalerweise nicht, irgendeinem Verstorbenen, und sei er noch so lieb, als Zombie wieder zu begegnen. Aber George A. Romero möchte man doch gern einmal in seinem wahren Element erleben.

Schöne Zombies erobern Mexiko

Video: reuters

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