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ARCHIV - Die Hagia Sopia, aufgenommen kurz nach Sonnenaufgang. Das Oberste Verwaltungsgericht in der T

Die Hagia Sophia, aufgenommen kurz nach Sonnenaufgang. Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat einem Bericht zufolge den Status des berühmten Gebäudes Hagia Sophia in Istanbul als Museum annulliert. Bild: sda

Historischer Entscheid: Erdogan ordnet Öffnung der Hagia Sophia fürs islamische Gebet an



Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat einem Bericht zufolge den Weg frei gemacht, damit das Gebäude Hagia Sopha in Istanbul künftig als Moschee genutzt werden kann.

Nach diesem Gerichtsentscheidung hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan angeordnet, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen.

twitter@RTErdogan

Die Leitung der «Hagia Sophia Moschee» werde zudem der Religionsbehörde übergeben, steht in einem von Erdogan unterschriebenen Beschluss, den er auf Twitter teilte. «Herzlichen Glückwunsch», fügte Erdogan hinzu

Museums-Status annulliert

Das Gericht annullierte am Freitag den Status der einstigen Kirche als Museum. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Eine Begründung der Entscheidung lag zunächst nicht vor.

Wann das Gebäude zum ersten Mal als Moschee genutzt wird, ist noch unklar. In Medien wurde als Datum der 15. Juli – der Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei – genannt. Nach Angaben der Zeitung «Hürriyet» wird die Gerichtsentscheidung innerhalb der nächsten 30 Tage umgesetzt.

epa08522665 People visit the Hagia Sophia Museum in Istanbul, Turkey, 02 July 2020. According to media reports, a Turkish court delayed the decision on whether the 1,500-year-old Unesco World Heritage site Hagia Sophia can be converted into a mosque, as Turkey's President Erdogan called for.  EPA/SEDAT SUNA

Das 1500 Jahre alte Unesco-Weltkulturerbe soll auf Anraten des türkischen Präsidenten Erdogan in eine Moschee umgewandelt werden. Bild: keystone

Vor der Hagia Sophia in der Istanbuler Altstadt sammelte sich spontan eine Gruppe Befürworter der Entscheidung. Sie riefen «Allahu Akbar!» («Gott ist am grössten!»). Die Polizei sperrte den Platz vor der Hagia Sophia ab. Beamte der Einsatzpolizei brachten sich in Stellung, es blieb aber zunächst ruhig.

Der Status des Bauwerks ist ein Politikum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen. Vor allem Griechenland und Russland sind wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die Orthodoxie gegen eine Änderung des Status.

Die Entscheidung könnte die Spannungen zwischen der Türkei und dem Nachbarn Griechenland weiter verschärfen, die sich ohnehin schon um Erdgas im östlichen Mittelmeer streiten.

Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian I. erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches. In ihr wurden die Kaiser gekrönt.

epa08538740 A woman holds a Turkish flag as they celebrate Turkey?s decision that the 1,500 year old Unesco World Heritage site Hagia Sophia can be converted into a mosque, in front of the Hagia Sophia Museum, in Istanbul, Turkey, 10 July 2020.  EPA/ERDEM SAHIN

Eine Frau hält die türkische Nationalflagge in die Luft. Am Freitag haben sich Befürworter des Moscheen-Entscheids vor der Hagia Sofia versammelt. Bild: keystone

Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopel durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. («Der Eroberer») die Hagia Sophia in eine Moschee um. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an.

Hinter dem Verein, der gegen diesen Beschluss geklagt hatte, steht nach Angaben von Anadolu ein pensionierter Lehrer, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Rückumwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu erwirken. Der Anwalt des klagenden Vereins, Selami Karaman, bestätigte die Entscheidung auf Anfrage der dpa zunächst nicht.

Auch als Moschee könnten Touristen die Hagia Sophia besichtigen, ähnlich wie die nahe gelegene Blaue Moschee in der Istanbuler Altstadt. Im vergangenen Jahr zog die Hagia Sophia nach offiziellen Angaben 3,7 Millionen Besucher an. Sie war damit das meistbesuchte Museum in der Türkei.

Berühmt ist sie vor allem wegen der rund 56 Meter hohen Kuppel, die nahezu schwerelos über dem Hauptraum zu schweben scheint. Im Inneren sind die Wände mit byzantinischen Mosaiken und Marmor verziert. Um dem Bilderverbot im Islam gerecht zu werden, müssten die Mosaiken während des islamischen Gebets abgedeckt werden. (sda/dpa)

Unesco bedauert Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee

Die Unesco hat die Umwandlung der Istanbuler Hagia Sophia von einem reinen Museum in eine Moschee «zutiefst bedauert». Generalsekretärin Audrey Azoulay habe gegenüber dem türkischen Botschafter am Freitagabend ihre tiefe Besorgnis zum Ausdruck gebracht, teilte die Unesco mit. Die Entscheidung für die Umwandlung sei ohne vorigen Dialog getroffen worden.

«Die Heilige Sophia ist ein architektonisches Meisterwerk und ein einzigartiges Zeugnis der Begegnung von Europa und Asien im Laufe der Jahrhunderte. Sein Status als Museum spiegelt die Universalität seines Erbes wider und macht es zu einem starken Symbol des Dialogs», erklärte Azoulay.

Rund 90 Jahre nach der Umwandlung des Istanbuler Wahrzeichens Hagia Sophia von einer Moschee in ein Museum ist das Gebäude nun wieder eine Moschee. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Freitag die Öffnung zum islamischen Gebet angeordnet. Die Hagia Sophia gehört seit 1985 als Teil der Istanbuler Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie wurde im 6. Jahrhundert nach Christus erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung durch die Osmanen wurde sie zur Moschee umgewidmet. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an.

«Die heute verkündete Entscheidung wirft die Frage auf, wie sich die Änderung des Status auf den universellen Wert des Eigentums auswirkt», hiess es weiter von der Unesco. Derartige Änderungen müssten der Unesco vorher mitgeteilt und, falls erforderlich, vom Komitee für das Erbe der Welt geprüft werden. Die Unesco fordert die türkischen Behörden nun auf, unverzüglich einen Dialog aufzunehmen. Die Unesco hatte sich zuvor mehrfach deswegen an die Türkei gewandt. (sda/dpa)

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