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epa08280975 An health worker wearing a protecitve suit and a face mask at work in the facility on the outside of Brescia' Hospital where people who have to undergo swabs for the Covid19 Coronavirus are checked in, Brescia, Italy, 09 March 2020. The Italian authorities have taken the drastic measure of shutting off the entire northern Italian region of Lombardy, home to about 16 million people, in a bid to halt the ongoing coronavirus epidemic in the Mediterranean country. Italy saw 133 more deaths with the coronavirus on 08 March with the toll rising to 366, emergency commissioner and civil protection chief Angelo Boorelli said. Some 6,387 people are now infected with the virus across Italy, he added.  EPA/FILIPPO VENEZIA

Ein Arzt in einem Provisorium in der italiensichen Stadt Brescia. Bild: EPA

Wie im Krieg: Vor diesen ethischen Problemen stehen Ärzte in Italien



Noch vor wenigen Tagen konnte Italien jedem Covid-19-Patienten eine Behandlung mit höchster Qualität geben. Heute jedoch sieht die Situation anders aus. Die Zahl der Infizierten und der Toten ist in der vergangenen Woche stark angestiegen. Personal, Betten und Beatmungsmaschinen werden knapp. Bis am Dienstagabend fielen dem Virus 631 Personen zum Opfer, über 10'000 haben sich damit infiziert.

Einige Spitäler sind derart überlastet, dass sie nicht mehr alle Patienten behandeln können. Die Ärzte müssen entscheiden, wem sie den Vorzug geben und wem nicht. Diese Entscheidungsfindung kennt man sonst nur aus Kriegs- oder Katastrophenzeiten. Eine Experten-Gruppe hat nun eine Anleitung für die Triage in der Corona-Krise herausgegeben. Du kannst sie hier nachlesen.

Nachfolgend die wichtigsten Punkte, die auf den ersten Blick etwas technisch klingen mögen, aber zeigen, in welcher Ausnahmesituation sich Italien gerade befindet. Die Ärzte müssen darüber befinden, wer am Leben erhalten wird und wer nicht. Wenn es notwendig wird, soll sogar eine Alterslimite für die Intensivpflege festgelegt werden:

«Es kann sich als notwendig erweisen, Kriterien für den Zugang zur Intensivmedizin nicht nur auf der Grundlage der klinischen Angemessenheit festzulegen, sondern sich an den einvernehmlichsten Kriterien hinsichtlich der Verteilungsgerechtigkeit und der angemessenen Zuteilung der begrenzten Gesundheitsressourcen zu orientieren.»

«Ein solches Szenario ist im Grossen und Ganzen mit dem Bereich ‹Katastrophenmedizin› vergleichbar, für die im Laufe der Zeit viele konkrete Hinweise für Ärzte und Krankenschwestern erarbeitet wurden, die schwierige Entscheidungen treffen müssen.»

«Vor dem Hintergrund eines gravierenden Mangels an medizinischen Ressourcen müssen die Zuteilungskriterien gewährleisten, dass die Patienten mit den höchsten Chancen auf therapeutischen Erfolg den Zugang zur Intensivmedizin behalten. Es geht darum, die höchste Hoffnung auf Leben und Überleben in den Vordergrund zu stellen.»

Grippe und Covid-19 im Vergleich

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Grippe und Covid-19 im Vergleich
quelle: epa / alex plavevski
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Die Empfehlungen an die Ärzte:

«Die ausserordentlichen Kriterien für die Aufnahme und die Entlassung sind flexibel und können je nach der örtlichen Verfügbarkeit von Ressourcen angepasst werden. Diese Kriterien gelten für alle Patienten auf der Intensivstation, nicht nur für diejenigen, die mit Covid-19 infiziert sind.»

«Die Zuteilung ist eine sehr komplexe und heikle Entscheidung. […] Der vorhersehbare Anstieg der Sterblichkeit bei klinischen Erkrankungen, die nicht mit der aktuellen Epidemie in Verbindung stehen, aufgrund der Verringerung der chirurgischen Aktivität und der Knappheit der Ressourcen, muss berücksichtigt werden.»

«Es kann notwendig werden, eine Altersgrenze für den Zugang zur Intensivpflege festzulegen. Dies ist kein Werturteil, sondern eine Möglichkeit, extrem knappe Ressourcen denjenigen zur Verfügung zu stellen, die die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit haben und die grösste Anzahl von geretteten Lebensjahren geniessen könnten.»

(cma)

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