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Vorerst keine «internationale Notlage» wegen Virus in China – doch die Lage spitzt sich zu

Grossbritannien führt an Flughäfen Passagier-Screenings ein.



Wuhan, eine zentralchinesische Stadt mit 11 Millionen Einwohnern, soll den öffentlichen Verkehr vorübergehend sperren, um den Ausbruch des neuen Virus zu stoppen. Dies berichtete BBC Online am Mittwochabend.

Den Einwohnern der Stadt soll verboten werden, die Stadt zu verlassen. Und dies zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: das Neujahrsfest steht bevor.

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der grossen jährlichen Reisewelle sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

China stoppt ab Donnerstag alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt Wuhan. Wie der staatliche Fernsehsender CCTV am Mittwoch unter Berufung auf den Krisenstab in Wuhan berichtete, dürfen die Bewohner die Stadt, in der das Virus zuerst aufgetreten war, ab Donnerstag um 10.00 Uhr (Ortszeit, 03.00 Uhr MEZ) nur noch mit einer Sondergenehmigung verlassen.

Britische Flughäfen verschärfen Kontrollen

In Grossbritannien werden Reisende aus Wuhan künftig bei ihrer Ankunft auf Symptome des Coronavirus untersucht. Das teilte das britische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Ein medizinisches Team empfange Reisende am Flughafen London Heathrow, die mit einem der drei wöchentlichen Direktflüge aus der chinesischen Stadt ankommen.

An den Flughäfen Zürich und Genf werden aktuell noch keine zusätzlichen Massnahmen zum Schutz von Reisenden und Angestellten unternommen.

«Superverbreiter» wie bei Sars-Pandemie befürchtet

Gesundheitsexperten befürchten, dass besonders ansteckende Patienten das Virus schneller streuen könnten. Sogenannte Superverbreiter (engl. Superspreader) hatte es auch bei der ebenfalls von China ausgegangenen Sars-Pandemie gegeben, der 2002/2003 rund 800 Menschen zum Opfer fielen.

Das neue Virus gehört zur selben Virusart, es ist nur eine andere – nach derzeitigem Stand harmlosere – Variante. Gerade auch wegen der Erinnerungen an den Sars-Ausbruch ist die neue Erkrankung bei Menschen in China zum allgegenwärtigen Thema geworden.

Das Land war damals praktisch zum Stillstand gekommen, Schulen blieben über Wochen geschlossen. Sars-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu.

Pandemie-Experten der UNO warten noch ab

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat trotz der rasanten Zunahme von Infektionen mit einem neuartigen Virus in China vorerst keine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ausgerufen. Ein Expertenrat, der die WHO berät, sah dafür am Mittwoch keinen Anlass, wollte aber am Donnerstag weiter tagen.

Die WHO-Experten empfahlen, den Informationsaustausch zwischen den Staaten zu verbessern. Mit einer offiziellen «Notlage» könnten weitere konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden sein, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Zu solchen Empfehlungen kann beispielsweise gehören, dass Reisende auf Krankheitssymptome geprüft werden sollen, und dass medizinisches Personal besser geschützt werden soll.

Die WHO kann einen internationalen Gesundheitsnotstand ausrufen und damit schärfere Massnahmen zur Bekämpfung der Seuche empfehlen. Als in China vor mehr als 17 Jahren das Sars-Virus auftauchte, empfahl die WHO Massnahmen wie Fiebermessungen an Flughäfen der betroffenen Region. Damit sollten möglicherweise Erkrankte erkannt und vom Reisen abgehalten werden.

Flughäfen in anderen Ländern wie Singapur installierten für ankommende Fluggäste Tore mit Wärmebildkameras. So wollten sie fiebernde Passagiere herausfiltern. Damals gab es das WHO-Prozedere zur Erklärung einer «Notlage von internationaler Tragweite» (public health emergencies of international concern; PHEIC) noch nicht.

Flughafen-Screenings bringen laut Studien wenig

Auch nach Ausbruch der Schweinegrippe 2009 empfahlt die WHO solche Messungen. Forscher an der Universität von Perth in Australien kamen in einer Studie 2015 jedoch zum Schluss, dass die Massnahmen nicht effektiv waren.

Auch vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin hiess es, es gebe keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit sogenannter Entry Screenings an Flughäfen, also Kontrollen bei der Einreise. Sinnvoll seien Exit Screenings in von einer Erkrankungswelle besonders betroffenen Gebieten. Wuhan hat entsprechende Kontrollen bei der Ausreise bereits eingeführt.

Opferzahl steigt rasant

Die Zahl der nachgewiesenen Fälle der neuen Lungenkrankheit in China ist auf inzwischen 571 gestiegen. Das teilte Chinas Gesundheitsbehörde am Donnerstag mit. Von neuen Todesfällen war hingegen nicht die Rede.

Damit sind seit Ausbruch der Krankheit weiterhin 17 Todesfälle bestätigt. Laut der offiziellen Angaben gibt es unter den nachgewiesenen Erkrankungen 95 schwere Fälle. Sie alle liegen in der Provinz Hubei mit der besonders stark betroffenen Metropole Wuhan.

Zuvor hatte das Staatsfernsehen berichtet, dass der Verkehr aus Wuhan gekappt werde. China stoppte ab Donnerstag alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt.

Auch ausserhalb Chinas wurden weitere Infektionen mit dem Coronavirus bekannt. Erstmals wurde ein Fall in den USA gemeldet.

Junger Amerikaner erkrankt

In den USA sei ein Mann erkrankt, der nach einer Reise in die chinesische Stadt Wuhan am 15. Januar in die Westküstenmetropole Seattle zurückgekehrt war, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Dienstag (Ortszeit) mit. Der Mann in seinen 30ern habe bei der Rückreise noch keine Symptome bemerkt, sich später aber zur Untersuchung in ein Spital begeben.

Sein Zustand sei gut. Es bestehe nur ein sehr geringes Risiko, dass er weitere Menschen angesteckt haben könnte, hiess es. Die Behörden seien dabei, eine Liste der Menschen zusammenzustellen, mit denen der Mann Kontakt hatte.

Nachgewiesene Fälle gibt es auch in Japan, Südkorea, Taiwan und Thailand. In Europa gibt es bislang keine Nachweise.

In Thailand sind mit zwei neuen Fällen inzwischen vier Erkrankte erfasst, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Thailands Behörden haben demnach seit Anfang Januar rund 20'000 Menschen auf mögliche Symptome wie Fieber kontrolliert, die mit Flügen aus Wuhan gekommen waren.

Ursprung des Virus: ein Fischmarkt

Es wird vermutet, dass das neue Coronavirus von einem Fischmarkt in der zentralchinesischen Metropole Wuhan kommt, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden.

Man gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die Quelle ein Wildtier auf dem Markt gewesen sei, sagte Gao Fu, Direktor des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle. Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

(dsc/sda/dpa)

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