International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Deutscher für zwei Monate am Flughafen Neu-Delhi gestrandet – er war selber schuld



A stray dog sits at the deserted Indira Gandhi international airport during lockdown to control the spread of coronavirus in New Delhi, India, Friday, May 8,2020. India is carrying out several repatriation flights to bring back citizens stranded in various countries. (AP Photo/Manish Swarup)

Des Deutschen Zuhause für einige Wochen: der Flughafen Neu-Delhi. Bild: AP

Ein Deutscher hat knapp zwei Monate im Transitbereich des Flughafens der indischen Hauptstadt Neu-Delhi gelebt. Eigentlich wollte der 41-Jährige schon Ende März von Hanoi über Neu-Delhi nach Istanbul fliegen, wie ein Mitarbeiter der Flughafenpolizei der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Sein Weiterflug sei aber wegen Indiens Corona-Massnahmen gestrichen worden. Die deutsche Botschaft informierte ihn anschliessend mehrfach über Rückreisemöglichkeiten nach Deutschland, wie es aus dem Auswärtigen Amt heisst. Aber nach Deutschland habe der Mann nicht gewollt, da er eigenen Worten zufolge strafrechtliche Verfolgungen befürchtete.

Er habe aber auch keinen Antrag auf ein indisches Visum gestellt, sagte ein Mitarbeiter der Flughafensicherheit. Dieses hätte er demnach aber auch nicht erhalten, weil er indischen Behörden von kriminellen Vorstrafen erzählt habe: «Er sagte uns, dass er in Deutschland eine strafrechtliche Verfolgung befürchtet und dass er über die Türkei nach Saudi-Arabien reisen möchte.» Das Auswärtige Amt, das Bundeskriminalamt und das Bundesjustizministerium wollten sich zu einer möglichen kriminellen Vergangenheit des Flughafendauergasts nicht äussern. Deutsche Behörden seien jedoch wegen des Mannes in Kontakt mit indischen Behörden gewesen.

So sass der Mann wochenlang im Flughafen. Er habe meist das Flughafen-WLAN benutzt, mit Familie und Freunden telefoniert sowie Magazine und Zeitungen gelesen, sagte der Mitarbeiter der Flughafensicherheit. Indische Behörden hätten ihm Essen, Getränke, Zahnpasta und frische Kleider gebracht. Geschlafen habe er auf Sitzen oder am Boden. Während dieser Zeit fanden lediglich Rückholflüge verschiedener Staaten statt. Am frühen Dienstagmorgen habe der Mann den Flughafen schliesslich mit einer KLM-Rückholmaschine in Richtung Amsterdam verlassen, wie der Flughafensprecher sagte.

Deutschland und Indien haben ein Abkommen, das das Ausliefern Krimineller ermöglicht. Allerdings sind dies langwierige Verfahren, die gewöhnlich nur bei besonders schweren Fällen angewendet werden. Ausserdem hätte Indien den Mann abschieben können.

Fälle von so lange auf Flughäfen gestrandeten Menschen sind ungewöhnlich – 2004 machte der Film «Terminal» von Steven Spielberg Furore, mit Tom Hanks in der Hauptrolle, der in New York am JFK-Flughafen hängenbleibt, da sein Heimatland in einem Bürgerkrieg versunken ist und plötzlich nicht mehr anerkannt wird.

FILE - In this Oct. 25, 2016, file photo, Tom Hanks arrives at a special screening of

War auch schon gestrandet, aber nur im Film: Tom Hanks. Bild: Jordan Strauss/Invision/AP/Invision

Er wird über Nacht zum Staatenlosen und darf nicht in die USA einreisen. Monatelang schlägt er sich im Terminal durch, verliebt sich in eine Stewardess, bevor sich die Lage in seiner Heimat wieder normalisiert und er dahin zurückkehren kann. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Diese Airlines sind wegen Corona gegroundet (Auswahl)

«Ich bin ein Mensch, ich brauche keinen Personalausweis»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

4 Tage Schmerzen: Wie ein Schweizer Gleitschirmpilot im Himalaya nur knapp überlebte

Was für fünf Gleitschirmpiloten als grosses Abenteuer beginnt, endet für einen von ihnen im Kampf ums Überleben. Der SRF-Dokfilm «Am seidenen Faden – Geschichte einer Rettung» zeigt die eindrückliche Geschichte des heute 35-jährigen Bodo Zimmermann.

2016 tritt der Schweizer Bodo Zimmermann gemeinsam mit vier Freunden das bisher grösste Abenteuer seines Lebens an. Mit seinem Gleitschirm will der Rettungssanitäter und ambitionierte Gleitschirmpilot das Himalaya-Gebirge erobern. Zimmermann und seine Freunde wollen fliegen, wo sonst noch niemand geflogen ist. Dafür nehmen sie eine anstrengende Reise auf sich.

Von der indischen Hauptstadt Neu-Delhi fahren sie mit dem Zug nach Pathankot und danach weiter mit dem Bus nach Bir Billing. Dort geht es …

Artikel lesen
Link zum Artikel