DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Interview

Christoph Blocher: «Es gibt keine Parallelen zwischen Trump und mir»

Christoph Blocher über das Phänomen Trump, die Parallelen und Unterschiede zwischen den USA und der Schweiz – und was passiert, wenn die Zuwanderung bei uns nicht zurückgeht.

Doris Kleck / Nordwestschweiz



Überrascht Sie die Wahl von Trump?
Christoph Blocher:
Ja. So wie sich Trump aufgeführt hat, war ich lange Zeit der Meinung, dass er gar nicht Präsident werden will. Dass Trump einen solchen Zulauf hat, muss zu denken geben. Mich interessiert das Phänomen.

ZUR MELDUNG DES „SONNTAGSBLICK“, WONACH CHRISTOPH BLOCHER SEIN AMT ALS VIZEPRAESIDENT DER SVP ABGEBEN WERDE, STELLEN WIR IHNEN AM SONNTAG, 10. JANUAR 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Guest speaker Christoph Blocher after the event

SVP-Vordenker Christoph Blocher:  Bild: KEYSTONE

Was ist ihre Erklärung?
Trump hat nicht gegen die Demokraten gekämpft, sondern gegen das Establishment – auch in der eigenen Partei. Er sprach von der korrupten Elite und hat damit einen Nerv getroffen. Die Leute haben das Gefühl, dass ihre Ängste und Nöte von der Politik nicht ernst genommen werden. Besonders neu ist das nicht. In den USA ist die Entwicklung einfach sehr radikal. Aber wir hatten vorher bereits den Brexit und das Ja zur Zuwanderungsinitiative.

Gibt es denn Parallelen zwischen der Schweiz und den USA?
Die USA sind föderalistisch und ein starker demokratischer Staat. Doch die Mentalität ist ganz anders. Die Machtlosigkeit gegenüber dem Establishment ist wegen der direkten Demokratie in der Schweiz viel geringer als in den USA. Der Mittelstand in den USA hat das Gefühl, er komme unter die Räder. Die Ausländer würden die Jobs wegnehmen. Trump hat gesagt, er würde eine Mauer zu Mexiko bauen. Natürlich wissen die Leute, dass das sinnbildlich ist. Doch es zeigt, dass er die Ängste wahrnimmt.

Diese Promis müssten jetzt eigentlich auswandern

Er macht Politik mit Ängsten, wie die SVP.
Die SVP macht keine Politik mit den Ängsten. Aber sie nimmt die Sorgen der Leute ernst. Wir müssen etwas gegen die masslose Zuwanderung machen. Die SVP hat ein wirkungsvolles Konzept, das Volk und Stände akzeptiert haben. Doch das Parlament will es nicht umsetzen. Sie werden schon noch sehen was passiert, wenn die Zuwanderung nicht zurückgeht.

Was? Würde ein Trump bei uns salonfähig?
Vielleicht wäre er das schon. Trump wird in den USA zu einer Beruhigung führen, wenn er den Wahlkampfmodus verlässt.

Trump kämpft gegen das Establishment, Sie gegen die Classe politique ...
Es gibt keine Parallelen zwischen Trump und mir. Aber ich habe bereits vor 25 Jahren festgestellt, dass unsere Classe politique die Unabhängigkeit der Schweiz preisgeben will. Auch bei der Europa-Abstimmung hat man gesagt, die Unterschicht sei dagegen. Doch es ging darum, Sorgen ernst zu nehmen und die Selbstbestimmung zu wahren.

Die Karikaturisten dieser Welt zu Trumps Wahl

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Über Social Media tragen Rechtsextreme ihre Ideologien in die Mitte der Gesellschaft»

Andre Wolf ist Faktenchecker bei der österreichischen Rechercheplattform Mimikama. In seinem Buch «Angriff auf die Demokratie» schreibt er über die Gefahren rechtsextremer Netzwerke, die das Internet unterwandern.

Herr Wolf, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass seit Beginn der Pandemie intensiver Fake News verbreitet werden und der Hass im Netz zugenommen haben. Warum?Andre Wolf: Dieses Phänomen kann man immer dann beobachten, wenn etwas passiert, das viele Menschen betrifft und das Thema stark medial aufgegriffen wird. Im Fahrwasser der Berichterstattung tauchen dann viele Falschmeldungen auf. Das passierte schon 2015 bei der Flüchtlingskrise. Oder immer, wenn es islamistisch-motivierte Terroranschläge …

Artikel lesen
Link zum Artikel