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Leader of The League party, Matteo Salvini, meets the media during a news conference at the chamber of deputies in Rome, Tuesday, March 3, 2020. (Roberto Monaldo/LaPresse via AP)

Matteo Salvini spricht Anfang März in Rom zu den Medien. Bild: AP

Salvini streut mit altem Corona-Video Verschwörungstheorien – der Rai-Konter sitzt

Lega-Boss Matteo Salvini postet ein altes Rai-Video und streut den Verdacht, das neue Coronavirus könnte im Labor entstanden sein. Tatsächlich geht es im Beitrag um ein Coronavirus – allerdings nicht um den Erreger von COVID-19.



Das neue Coronavirus «SARS-CoV-2» geht um die Welt. Und mit ihm eine Welle von Verschwörungstheorien. Eine der beliebtesten: Der Krankheitserreger habe keine natürliche Herkunft, sondern sei in einem Labor in China entstanden.

Diese Theorie verbreitet sich derzeit auch in Italien. Auch Ex-Innenminister Matteo Salvini hat auf Facebook ein irreführendes Video geteilt, in dem es um genau solche Laborversuche geht.

Laborversuche an Coronaviren

Dabei handelt es sich um einen Beitrag der Sendung «TGR Leonardo», der 2015 auf dem TV-Sender Rai Tre ausgestrahlt wurde. Es geht um ein Experiment in einem chinesischen Labor, durch das ein Supervirus entstanden sei.

«Einer Gruppe von Forschern ist es gelungen, eine Chimäre, also einen veränderten Organismus, zu kreieren, indem man das Protein eines Coronavirus von Fledermäusen [...] genommen und mit einem Virus kombiniert hat, das bei Mäusen SARS hervorruft», so der Sprecher im Beitrag. So sei tatsächlich ein Virus entstanden, auf das auch der Mensch anfällig ist.

>> Coronavirus: Die News im Liveticker

«Unglaublich», schreibt Salvini zum Video und kündigt eine Anfrage seiner Lega bei Ministerpräsident Giuseppe Conte und Aussenminister Luigi De Maio an.

epa07782421 Italian Premier Giuseppe Conte (R) is flanked by Deputy Premier and Interior Minister Matteo Salvini (L) as he addresses the Senate over the government crisis in Rome, Italy, 20 August 2019. Deputy Premier and Interior Minister Matteo Salvini and his party League pulled out from government and caused a political crisis a week ago. Italian Prime Minister Conte said that the government has come to an end and that he would resign.  EPA/ETTORE FERRARI

Matteo Salvini (links) und Giuseppe Conte Bild: EPA

Der Post sorgt bei einigen Anhängern Salvinis für grosse Aufruhr: «Ich sage meiner Frau schon lange, dass sie irgendeinen Fehler im Labor gemacht haben. Und siehe da! Zu viele Zufälle, China wird sich erklären müssen.» Oder: «Es besteht kein Zweifel, dass das Virus in einem chinesischen Labor zu militärischen Zwecken entstanden ist. Versehentlich hat er sich dann in China verbreitet, die Wirtschaft ist zusammengebrochen und dann haben sie ihn hier verbreitet.» So zwei von vielen Kommentaren unter dem Video.

Rai hat unterdessen bestätigt, dass der Beitrag wirklich in dieser Form ausgestrahlt worden sei. Allerdings bekräftigte die Rundfunkanstalt, das Experiment und das daraus entstandene Virus hätten nichts mit COVID-19 zu tun.

Kein Zusammenhang zwischen Experiment und Ausbruch

Um alle Zweifel zu beseitigen, liess Rai Tre am Mittwoch den Epidemiologie-Experten Enrico Bucci zu Wort kommen. Der Forscher mit Doktortiteln in Biochemie und Molekularbiologie erklärte, warum es sich beim Erreger von COVID-19 nicht um ein Virus handeln kann, das im Labor entstanden ist:

«Das Virus im Labor ist ein Modell, das keine Epidemie auslösen kann. Es ist ein Modell, das von Wissenschaftlern gebraucht wird, um zu zeigen, dass die Übertragung von Fledermäusen auf den Menschen möglich ist. Sie haben uns also quasi schon damals gewarnt, dass eine Coronavirus-Übertragung auf den Menschen eine mögliche Gefahr ist.»

Zudem erkenne man an der Struktur von «SARS-CoV-2», dass es nicht künstlich sein kann, so Bucci weiter: «Es gibt einen grossen Unterschied: Bei Viren, die im Labor entstanden sind, erkennt man Spuren. Denn Wissenschaftler fügen ganze Stücke einer DNA in ein Virus ein. Bei natürlichen Mutationen hingegen sind die Veränderungen hingegen viel kleiner und über das ganze Virus verteilt.»

Matteo Salvini hat bisher noch nicht auf die Stellungnahme von Rai reagiert. Das Video und die Kommentare sind nach wie vor auf Facebook auffindbar.

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