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#MuteRKelly supporters protest outside R. Kelly's studio Wednesday night, Jan. 9, 2019, in Chicago. Lifetime's

Bild: AP/Chicago Sun-Times

Kommentar

Über die Unerträglichkeit, dass R. Kelly immer noch eine Karriere hat

Toni Lukic / watson.de



R. Kelly hat diese Woche seinen 52. Geburtstag gefeiert. Und zwar in R.-Kelly-Manier, in einem Chicagoer Club, im Pelzmantel vor Champagner-Flaschen, während ihm Fans vor seinem abgesperrten Bereich ein Ständchen sangen.

«Es ist mein motherf*ing Geburstag und ich gebe keinen Fick drauf, was heute passiert», brüllt er vor der Meute.

Was dieser Tage passiert, ist der überfällige Untergang von R. Kelly.

Vor seinem Studio haben in dieser Nacht wieder Menschen unter dem Motto #muterkelly («Verstummt R. Kelly»). Die Staatsanwaltschaften in Atlanta und Chicago prüfen eine Anklage gegen den Sänger.

Den Anstoss dafür gab die Doku-Serie «Surviving R. Kelly». In sieben Episoden schildern Frauen, wie sie von dem R’n’B-Sänger systematisch unterdrückt und sexuell missbraucht worden seien. Viele von ihnen waren minderjährig. Stets ging es Kelly demnach darum, Macht über sie auszuüben.

Der Trailer zur «Surviving R. Kelly»-Dokuserie:

abspielen

Video: YouTube/Lifetime

Dabei gibt es seit 20 Jahren üble Vorwürfe gegen ihn. 2002 erschien ein Video, das R. Kelly zeigen soll, wie er auf eine 13-jährige Patentochter uriniert. Laut Anklage sollen mehr als zwölf Zeugen das Mädchen als seine Patentochter identifiziert haben. Beide bestritten, dass sie auf dem Video zu sehen waren. 2008 wurden Kelly und seine Patentochter von einem Geschworenengericht in allen Punkten freigesprochen.

Auch bekannt ist, dass R. Kelly als 27-Jähriger die 15-jährige Sängerin Aaliyah mit gefälschten Papieren heiratete. Er lernte Aaliyah kennen, als sie zwölf Jahre alt war. Für sie produzierte er den Song «Age Ain't nothing but a Number» («Alter ist nur eine Nummer»).

This combination photo shows singer R. Kelly after the first day of jury selection in his child pornography trial at the Cook County Criminal Courthouse in Chicago on May 9, 2008, left, the late R&B singer and actress Aaliyah during a photo shoot in New York on May 9, 2001. Kelly served as the lead songwriter and producer for Aaliyah’s 1994 debut album, “Age Ain't Nothing but a Number.” (AP Photo)

Bild: AP

2017 recherchierte Buzzfeed darüber, dass drei Familien den Sänger beschuldigten, ihre Töchter in seinen Häusern mit anderen Frauen »gegen ihren Willen in einem Kult zu halten«. Dort dürften die Frauen ihre Familien nicht kontaktieren, müssten nach Erlaubnis fragen, wenn sie sich ausserhalb des Hauses bewegen wollten und sollten ihn die ganze Zeit »Daddy" nennen.

Das alles ist bekannt und doch konnte sich Kelly immer wieder rauswinden. Als Reaktion auf die «Surviving R. Kelly»-Dokus erklärte er, dass er «jeden verklagen» werde. Und auch jetzt, als sich alte Weggefährte gegen ihn stellen, seine US-Konzerte gestrichen wurden und seine eigene Tochter ihn ein «Monster» bezeichnet, sieht er sich nicht genötigt, Reue zu zeigen.

Vielleicht, weil er immer noch Abermillionen an seinen grossen Hits verdient? Weil er von Menschen geschützt wurde, die jahrelang mit seiner Marke Geld verdient haben? Eventuell aber auch, weil er einfach grössenwahnsinnig ist?

2018 brachte er den Song «I Admit» raus, wo er alles andere tat, als Dinge zuzugeben, wie es der der Songtitel vermuten liess. Er stritt jede Anschuldigung gegen sich ab und meinte, nur Gott könne ihn stummschalten («Only God can mute me»). Diese Ignoranz muss für die betroffenen Frauen unerträglich sein.

Was sie auch nicht verstehen dürften ist, dass R. Kelly in Deutschland weiterhin auf Tour geht. Im April spielt er in Hamburg und Ludwigsburg zwei Konzerte. 100.10 Euro kostet die Stehplatz-Karte in Ludwigsburg. Ein Sprecher des Veranstaltungsortes erklärte gegenüber dem US-Portal TMZ: «Sie können sicher sein, dass wir die Situation genau beobachten und – wenn nötig – auch dementsprechend handeln werden.»

Sein Kollege John Legend hat R. Kelly als Serienvergewaltiger bezeichnet. Geht es denn noch nötiger?

Manche werden sagen, dass man die Kunst unabhängig vom Künstler bewerten sollte. Und tut man dies, ist R. Kelly zweifelsohne einer der grössten Musiker seiner Zeit. Das Musik-Magazin «Vibe» bezeichnete ihn als grössten Songwriter der letzten 20 Jahre. Seine grössten Hits wie «I Believe I Can Fly» oder «World's Greatest» kennt jeder.

#MuteRKelly supporters protest outside R. Kelly's studio, Wednesday, Jan. 9, 2019 in Chicago. Lifetime's

Bild: AP/Chicago Sun-Times

R. Kelly ist R'n'B-Sänger, sein Job ist es, so viel Gefühl wie möglich in die Songs zu legen. Je authentischer das Thema des Songs ist, desto besser. Doch die meisten seiner Songs drehen sich um Sex und wie er Frauen verführt.

Es läuft einem eiskalt den Rücken runter, wenn er die ihm vorgeworfenen Triebtäter-Taktiken als Sexy Talk in seinen Liedern verkauft. 

Noch furchtbarer ist es, dass er trotz heftiger Vorwürfe jahrelang in einer Musik-Industrie existieren konnte, in der sexuelle Verbrechen und systematische Unterdrückung von Frauen so viel präsenter sind als in anderen Entertainment-Zweigen. 

Eine Entschuldigung bei den Opfern und der Öffentlichkeit sieht er nicht ein. Also sollten wir die Konsequenzen ziehen – und seine Musik nicht mehr hören. 

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