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FILE PHOTO - North Korean leader Kim Jong Un meets scientists and technicians in the field of research into nuclear weapons in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang March 9, 2016.     KCNA/Files via Reuters   ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NO THIRD PARTY SALES. SOUTH KOREA OUT. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS.

Kim Jong Un im Kreise seiner Atomwissenschaftler. Bild: © KCNA KCNA / Reuters/REUTERS

Warum niemand den irren Kim stoppen kann

Zum zweiten Mal dieses Jahr testet Nordkorea eine Atombombe – die bisher stärkste. Offenbar kann niemand den Diktator daran hindern, sein Land zu einer Atommacht zu machen.



Bei seinem Amtsantritt schwärmte US-Präsident Barack Obama von einer Welt ohne Nuklearwaffen. Mit dem Iran ist es ihm auch gelungen, ein Abkommen auszuhandeln, das bis auf Weiteres verhindert, dass die Ayatollahs in den Besitz von Atomwaffen geraten. Bei Kim Jong Un hingegen beisst Obama auf Granit. Nordkorea hat soeben eine Atombombe getestet, zum zweiten Mal in diesem Jahr.

FILE--Chicago Bulls star Dennis Rodman and Carmen Electra, are shown arriving at the opening of the Planet Hollywood restaurant in  this Montreal July 1998 file photo. The bad boy of the NBA confirmed Tuesday Nov. 17, 1998 he married former ``Baywatch'' actress Carmen Electra on Saturday Nov. 14, 1998 in Las Vegas. (AP Photo/stf-Ryan Remiorz)

Basketballstar Denis Rodman: Er ist regelmässig bei Kim zu Besuch. Bild: AP/CP

Die traditionellen Massnahmen greifen gegen Kim nicht. Anders als mit dem Iran gibt es kaum Handel zwischen den USA und Nordkorea, ein Boykott wäre daher sinnlos. Und es hilft auch nicht wirklich weiter, dass es ausser dem ehemaligen Basketballstar Dennis Rodman keinen Amerikaner gibt, der Kim persönlich kennt.

Dabei ist die Situation wirklich gefährlich geworden. Schon in Frühjahr meldete der «Economist», dass Nordkorea alle sechs Wochen eine neue Atombombe baut – und dass es auch in der Lage ist, diese an strategisch wichtige Orte der Welt zu transportieren. «Nur extreme Optimisten können heute noch daran zweifeln, dass Nordkorea inzwischen Raketen entwickelt hat, die nicht nur seine südlichen Nachbarn bedrohen, sondern auch Japan und bald auch den amerikanischen Militärstützpunkt in Guam», schrieb der «Economist» damals.

Für Kim ist die Atombombe mehr als eine schreckliche Waffe. Sie hätte seinem Land «Würde und nationale Macht» gebracht, prahlte er einst, und er sei nun in der Lage, «Manhattan in Schutt und Asche zu legen».  

Die Versuche, Nordkorea zur Vernunft zu bringen, sind mehr als 20 Jahre alt. 1994 versprach der damalige US-Präsident Bill Clinton Kims Vater Kim Jong II zwei Atomreaktoren – die kein waffenfähiges Uran produzieren konnten – und die Lockerung von Sanktionen, wenn er sein Atombomben-Programm auf Eis legen würde. Kim Jong II willigte zwar ein, verstiess jedoch so offensichtlich gegen die vereinbarten Auflagen, dass die Übung abgebrochen wurde.  

radar-reuters  Bilder eines Raketenstarts, die das nordkoreanische Staatsfernsehen am Dienstag sendete. Sie sollen den jüngsten Test von Mittelstreckenraketen zeigen, den Nordkorea während des G20-Gipfels im benachbarten China durchführte. Staatsführer Kim Jong Un soll sich selbst ein Bild vom Start der drei Geschosse gemacht haben.
Der UN-Sicherheitsrat hat die Aktion nun scharf verurteilt. Der Test zeige die unverhohlene Missachtung internationaler Verpflichtungen und die Absicht Nordkoreas, zu provozieren,

Start einer nordkoreanischen Rakete.

Der nächste Versuch waren die «Sechs-Parteien-Gespräche». Die USA verhandelten nicht mehr bilateral mit Nordkorea, sondern zusammen mit China, Japan, Russland und Südkorea. 2009 lancierte Nordkorea in kurzer Folge Trägerraketen, was den Gesprächen nicht eben förderlich war. Als Nordkorea 2012 neue Raketentests ankündigte, wurden die Gespräche eingestellt.  

Einzig China könnte Druck auf Kim ausüben. Peking ist aber bisher vor harten Sanktionen zurückgeschreckt. Die Chinesen wollen auf keinen Fall, dass es zu einer Wiedervereinigung der beiden Koreas kommt, weil US-Truppen dann direkt an ihrer Grenze stehen würden. Deshalb kaufen sie weiter Kohle und Eisenerz aus Nordkorea und liefern im Gegenzug Erdöl, Nahrungsmittel und Konsumgüter.  

South Korean protesters stage a rally to oppose the possible deployment of the United States' advanced defense system THAAD, a Terminal High-Altitude Area Defense, on Korea Peninsula, in front of the government complex in Seoul, South Korea, Monday, Feb. 15, 2016. The United States said Saturday it temporarily deployed an additional Patriot missile battery in South Korea in response to North Korea's nuclear test and a long-range rocket launch, ahead of talks next week to set up an even more sophisticated U.S. missile defense in a move that has worried China and Russia. The signs read:

Proteste gegen US-Abwehrraketen in Südkorea. Bild: Ahn Young-joon/AP/KEYSTONE

Die Chinesen wollen auch nicht, dass die Amerikaner in Südkorea sogenannte THAAD-Raketen aufstellen, Abwehrraketen, die allfällige nordkoreanische Angriffe in der Luft abfangen könnten. Sie haben Angst, dass damit auch ihre eigene nukleare Streitmacht bedroht wäre. Dass Amerikaner und Chinesen gemeinsam gegen Nordkorea vorgehen werden, ist derzeit ohnehin wenig wahrscheinlich. Der Streit um die Inseln im südchinesischen Meer hat dazu geführt, dass die Beziehungen zwischen Washington und Peking ziemlich frostig geworden sind.

Der neueste Atomtest wird einen internationalen Proteststurm auslösen – mehr nicht. Für ein gemeinsames Vorgehen von China, Südkorea und den USA fehlt das politische Fundament. Typisch die Reaktion aus Peking: China verlangt die Wiederaufnahme der moribunden «Sechs-Parteien-Gespräche».

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