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Angriff auf Polizeischule in Pakistan
quelle: ap/ap / arshad butt
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Blutiges «IS»-Attentat in Pakistan: Mindestens 60 Tote und über 100 Verletzte



Extremisten haben eine Polizeischule in Pakistans Unruheprovinz Belutschistan angegriffen und 60 Menschen getötet. Das bestätigte am Dienstagmorgen ein Polizeibeamter der Provinzhauptstadt Quetta, Haseeb Ahmed. Mehr als 120 Menschen wurden demnach verletzt.

Auch die drei Täter seien tot. Nach Militärangaben zündeten zwei der Angreifer bei dem Überfall in Quetta Sprengstoffwesten, einer wurde erschossen. Der Innenminister von Belutschistan, Sarfraz Bugti, erklärte den stundenlangen Einsatz der Sicherheitskräfte in Quetta am frühen Morgen für beendet.

Die Angreifer hätten kurz vor Mitternacht (Ortszeit) den Wachmann erschossen und sich Zugang zu dem Schulgelände verschafft, wo sich rund 700 Polizeianwärter aufhielten, teilte der Minister mit. Nach seinen Worten waren die Täter bis zu einem Schlafsaal vorgedrungen und hatten dort das Feuer auf die schlafenden Kadetten eröffnet.

Medien berichteten von heftigen Feuerwechseln und schweren Explosionen auf dem Gelände. Die Polizei befreite zum Ende der Gefechte etwa 250 Geiseln.

Hinter der Tat scheint die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) oder eine ihr angeschlossene Gruppe zu stecken. Am frühen Morgen bekannte sich der «IS» mit einem Anruf bei einem gut vernetzten pakistanischen Journalisten zu dem Anschlag. Ein Kommandant drohte mit weiteren Anschlägen.

Relatives of police cadets wait for word outside the Police Training Center after an attack on the center in Quetta, Pakistan October 25, 2016. REUTERS/Naseer Ahmed

Angehörige trauern vor der Polizeiakademie um die Opfer. Bild: NASEER AHMED/REUTERS

«IS» kündigt formales Bekenntnis an

Bald werde der «IS» «der Albtraum der pakistanischen Regierung» sein, habe er gesagt. Für den späteren Tagesverlauf habe der «IS» zudem ein formales Bekenntnis angekündigt. So hatte es die Terrormiliz bereits bei früheren Anschlägen gehalten.

Ein hochrangiger Offizier des paramilitärischen Grenzkorps, General Sher Afghan, machte eine Extremistengruppe verantwortlich, die dem IS 2015 die Anhängerschaft geschworen hat: Lashkar-e-Jhangvi al-Almi, ein Ableger der sunnitischen pakistanischen Extremistengruppe Lashkar-e Jangvi.

Dies gehe aus angehörten Gesprächen hervor, sagte er. Während des Angriffs hätten die Angreifer in Kontakt mit «Aktivisten in Afghanistan» gestanden, sagte der General.

Wieder Quetta

Die pakistanische Regierung betont immer wieder, dass der IS keine organisierte Präsenz im Land habe. Medien melden aber regelmässig Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern der Miliz. Der «IS» selbst sagt, er wolle unter anderem auf pakistanischem und afghanischem Staatsgebiet eine neue «IS»-Provinz einrichten, die Khorasan-Provinz.

Zuletzt hatte der IS im August einen grossen Anschlag in Pakistan für sich reklamiert - ebenfalls in Quetta. Bei dem Anschlag vor einer Klinik waren damals 71 Menschen getötet und fast 190 verletzt worden. Allerdings bekannte sich damals auch die pakistanische Talibangruppe Jamaat-ul-Ahrar zu der Tat. Doppelbekenntnisse sind in Pakistan nicht ungewöhnlich. Bis heute ist nicht klar, wer die Tat beging.

Separatisten und Islamisten

Belutschistan ist zugleich die grösste, ärmste und unruhigste Provinz Pakistans. Dort sind mehr extremistische Gruppen präsent und aktiv als in den anderen Landesteilen. Separatisten kämpfen zum Beispiel für die Abspaltung von Pakistan oder für mehr politische und finanzielle Autonomie der Provinz. Auch einige pakistanische Taliban-Gruppen sowie die afghanischen Taliban haben hier ihre Basis. (cma/sda/afp/dpa/reu)

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