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A photograph dated 19 April 2005 showing the newly elected Pope Benedict XVI as he greets pilgrims while standing on the balcony of Saint Peter's Basilica, in the Vatican, after his election. Cardinal Joseph Ratzinger of Germany chose Benedict XVI as name. Ratzinger has been the eighth German to be elected pope.  EPA/CLAUDIO ONORATI

Papst Benedikt XVI., mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, im Jahr 2005. Bild: EPA

Papst Benedikt äussert sich zu Missbrauchs-Krise in der Kirche – und sorgt für Empörung

Ein Aufsatz des ehemaligen Papstes sorgt für Empörung in den sozialen Netzwerken. Allerdings erhält der 91-Jährige auch Zuspruch.



Eigentlich wollte er ja ruhig bleiben. «Für die Welt verborgen.»

Doch nun hat sich der 2013 zurückgetretene Papst Benedikt wieder zu Wort gemeldet – und dabei ausgerechnet über das wohl heikelste Thema geschrieben: den sexuellen Missbrauch an Kindern in der katholischen Kirche.

In einem Aufsatz (hier kannst du ihn Wort für Wort lesen) legte der 91-Jährige dar, was seiner Ansicht nach die Gründe für die Krise in der katholischen Kirche seien.

Diese hatte im Februar zu einem Anti-Missbrauchs-Gipfel im Vatikan geladen, nachdem Missbrauchsskandale in Ländern wie Deutschland, den USA oder Chile ans Tageslicht gekommen waren.

Das Problem nach Ratzinger:

Nicht das Problem sind für Benedikt etwa das Zölibat oder die Machtstrukturen.

Der Deutsche sieht viel eher die 1968er-Jahre als Ursache für die Missbräuche. «Zu der Physiognomie der 1968er-Revolution gehörte, dass nun auch Pädophilie als erlaubt und als angemessen diagnostiziert wurde», schreibt das ehemalige Kirchenoberhaupt.

Unabhängig davon hätte sich zeitgleich «ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie ereignet, der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte».

Benedikt fragt: «Wieso konnte Pädophilie ein solches Ausmass erreichen?» Und liefert die Antwort gleich nach. Es sei die «Abwesenheit Gottes» gewesen.

Weiter heisst es: In den Jahren von 1960 bis 1980 seien «die bisher geltenden Massstäbe in Fragen Sexualität vollkommen weggebrochen» und eine «Normlosigkeit entstanden, die man inzwischen abzufangen sich gemüht hat».

Bendedikt schildert einige Erfahrungen, die er in der damaligen Zeit gemacht hat:

«Ähnliche Wirkungen erzielte der von der österreichischen Regierung herausgegebene ‹Sexkoffer›. Sex- und Pornofilme wurden nun zu einer Realität bis dahin, dass sie nun auch in den Bahnhofskinos vorgeführt wurden. Ich erinnere mich noch, wie ich eines Tages in die Stadt Regensburg gehend vor einem grossen Kino Menschenmassen stehen und warten sah, wie wir sie vorher nur in Kriegszeiten erlebt hatten, wenn irgendeine Sonderzuteilung zu erhoffen war. Im Gedächtnis ist mir auch geblieben, wie ich am Karfreitag 1970 in die Stadt kam und dort alle Plakatsäulen mit einem Werbeplakat verklebt waren, das zwei völlig nackte Personen im Grossformat in enger Umarmung vorstellte.»

Papst Benedikt XVI.

Der ehemalige Papst wird nächste Woche 92 Jahre alt – und wünscht sich ganz offensichtlich die Zeit vor 1968 zurück. Zur Erinnerung: Das war jene Zeit, als unverheiratete Paare keinen Sex haben durften und in der die Homosexualität nicht nur verachtet wurde, sondern an vielen Orten der Welt strafbar war.

Während in der Kirche aber weiterhin geschwiegen wurde, machten die Achtundsechziger plötzlich ihren Mund auf. Sie sprachen das Thema Sex an, brachen die Tabus und befreiten sich aus der sexuellen Unterdrückung.

Bei der katholischen Kirche hat es 50 Jahre länger gedauert, bis man im Vatikan Handlungsbedarf sah und das Thema bei einem Gipfel ansprach. Zufrieden waren die Opferverbände nach dem Missbrauchs-Gipfel von Februar dennoch nicht. Es bleibt nach wie vor viel zu tun.

Die Reaktionen:

Was man definitiv nicht machen sollte: Das Rad der Zeit zurückdrehen. So zumindest die Reaktionen in den sozialen Medien nach Benedikts Aufsatz. Hier einige Beispiele:

Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen:

Vielen fehlen die Worte ...

Papst Benedikt erhält für seinen Aufsatz allerdings auch Zuspruch. Etwa von Kardinal Robert Sarah, der eine wichtige Stimme der katholischen Kirche ist.

Er bedankt sich beim Deutschen für dessen Mut, das Wort ergriffen zu haben. Seine Analyse der Krise sei von einer «kapitalen Wichtigkeit». Der 91-jährige Ex-Papst steht mit seiner Meinung also nicht alleine da. (cma)

Unser Autor Dani Huber hat mit der Kirche abgerechnet:

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Schweizergarde

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Schweizergarde
quelle: ap l' osservatore romano
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