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epa04485241 US four star General Philip Breedlove, the Supreme Allied Commander Europe of NATO Allied Command Operations, talks during a press conference at Nato compound in Lago Patria, Naples district, Italy, 11 November 2014. NATO's top commander Breedlove a week earlier sounded alarm about the growing security challenges from Russia in Ukraine and called for the western military alliance to boost its presence.  EPA/CIRO FUSCO

Vier-Sterne-General Philip Breedlove.
Bild: EPA/ANSA

«Russland ist eine existenzielle und dauerhafte Bedrohung für die USA und die Weltordnung»

Philip Breedlove, bis vor kurzem oberster Befehlshaber der NATO in Europa, erklärt, wie er Putin stoppen will.



Zwischen 2013 und 2016 war Philip Breedlove oberster Befehlshaber der US-Truppen in Europa und hatte die gleiche Funktion auch innerhalb der NATO inne. In der jüngsten Ausgabe des geopolitischen Magazins «Foreign Affairs» erklärt er die Strategie der NATO gegenüber Russland.  

«Russland hat bewiesen, dass es mit wenig Anstrengung Washington und seine Alliierten in Angst versetzen kann.»

Philip Breedlove

Nach dem Ende des Kalten Krieges fuhren die Amerikaner ihre militärische Präsenz in Europa massiv zurück, und zwar von über 400'000 Mann auf weniger als 100'000. Für die USA rückten andere Prioritäten in den Vordergrund: Irak, Afghanistan und neuerdings auch China.

Russland hat die Militärausgaben jährlich erhöht

Auch die anderen NATO-Staaten zogen ihre Friedensdividende ein und kürzten ihre Militärausgaben. «Nur eine Handvoll von NATO-Staaten sind heute in der Lage, Kampfhandlungen durchzuführen, und keine (ausser den USA) kann es über einen längeren Zeitraum tun», klagt Breedlove.

epa01514011 Russian soldiers leave the check-point at the security zone near the village of Nadarbazevi some 70 km ot Tbilisi, Georgia, 08 October 2008. Russian forces quit posts in buffer zones around rebel regions of Georgia on 08 October  in their final withdrawal from positions held since Russia's war with Tbilisi two months ago. The Georgian Interior Ministry confirmed the complete pull-out from outside South Ossetia, ministry spokesman Shota Utyashvili said on 08 October. He did not mention whether Russian troops had left posts around Georgia's other separatist region of Abkhazia.  EPA/ZURAB KURTSIKIDZE

Russische Truppen bei einem Checkpoint 70 Kilometer entfernt von Tiflis.
Bild: EPA

Ganz anders Russland. Nachdem die chaotische Jelzin-Phase vorbei war, begann ein systematischer Neuaufbau der Streitkräfte. «Nach 1998 erhöhte Russland jedes Jahr seine Militärausgaben», stellt Breedlove fest. «Gleichzeitig begann es, sich systematisch in die Angelegenheiten seiner Nachbarn einzumischen, beispielsweise indem es mehrmals die Gaslieferungen in die Ukraine aussetzte.»  

«Die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten sollten proaktiv werden und die russischen Pläne durchkreuzen, bevor Moskau aggressiv handelt.»

Philip Breedlove

2008 wurde dem Westen schlagartig klar, dass Russland sich wieder in der Rolle des grossen Widersachers des Westens sieht. Putin nützte die Tatsache aus, dass die USA mit dem Irak und Afghanistan beschäftigt waren und liess seine Truppen in Süd-Ossetien einmarschieren. Damals war dies noch Teil von Georgien und Georgien war im Begriff, sich der NATO anzunähern.

Masterplan für Ukraine

«Das russische Vorgehen in Georgien war der Masterplan für die Aktionen in der Ukraine», stellt Breedlove fest. Spätestens dann war klar, dass Putin keineswegs ein friedliches Mitglied eines europäischen Hauses sein würde, wie sich der Westen dies gewünscht hätte.

Im Gegenteil: Schon 2005 hatte Wladimir Putin seine inzwischen legendäre Äusserung gemacht, wonach der Kollaps der UdSSR die «grösste geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts» gewesen sei. Mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim hatte er die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. «Die Grundlage jeder Strategie in Europa muss die Erkenntnis sein, dass Russland eine dauernde und existenzielle Bedrohung für die USA, ihre Alliierten und das internationale System ist», so Breedlove.

epa01091304 Russian President Vladimir Putin enjoys fishing on the Khemchik River in Republic of Tuva 15 August 2007.  EPA/DMITRY ASTAKHOV RIA NOVOSTI/KREMLIN POOL

Hat schon als Teenager gelernt, zuzuschlagen: Wladimir Putin.
Bild: EPA

Ebenfalls von Putin stammt die Äusserung, wonach er als Teenager in St.Petersburg gelernt habe, stets als Erster zuzuschlagen. Breedlove rät daher zum gleichen Vorgehen. «Die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten sollten proaktiv werden und die russischen Pläne durchkreuzen, bevor Moskau aggressiv handelt», stellt er fest.

Die rasche Eingreiftruppe der NATO

Die NATO hat deshalb ihre militärischen Bemühungen erhöht, um allfällige russische Aktionen frühzeitig kontern zu können. Sie führt vermehrt Manöver durch und hat eine so genannte «Very High Readiness Joint Task Force» ins Leben gerufen, eine Elite-Brigade, die innert kürzester Zeit in Aktion treten kann. Im letzten Sommer hat die NATO auch angekündigt, ihre Response Force auf 40'000 Mann aufzustocken.

«Russland hat bewiesen, dass es mit wenig Anstrengung Washington und seine Alliierten in Angst versetzen kann», so Breedlove. Das soll sich mit der neuen Strategie ändern. «Der Kreml respektiert nur Stärke und nimmt jede Gelegenheit wahr, wenn andere schwach oder nicht aufmerksam sind», warnt Breedlove. «Deshalb müssen die Vereinigten Staaten und die NATO auf der Hut sein.»

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