International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

In Istanbul startet der Prozess gegen die mutmassliche Mörder Khashoggis



Nach den viel kritisierten Urteilen in Saudi-Arabien wird der Fall des ermordeten regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nun von der türkischen Justiz aufgerollt.

Zweieinhalb Jahre nach der brutalen Tat beginnt heute Freitag ein Prozess gegen 20 Angeklagte in Istanbul. Zwei Hauptbeschuldigten wird vorgeworfen, die 18 übrigen Angeklagten zum vorsätzlichen Mord unter Folter angestiftet zu haben, hiess es in der Anklageschrift der Istanbuler Staatsanwaltschaft, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

epa08522793 (FILE) - Saudi journalist and former editor-in-chief of the Saudi newspaper Al-Watan Jamal Khashoggi attends the opening ceremony of the 11th edition of the Arab Media Forum 2012 in Dubai, United Arab Emirates, 08 May 2012 (reissued 02 July 2020). Turkey will hold on 03 July 2020 a trial in absentia for 20 suspects, including two former aides to Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman (MBS), for the murder of journalist Jamal Khashoggi in October 2018, according to media reports.  EPA/ALI HAIDER *** Local Caption *** 55726295

Brutal ermordet: Jamal Khashoggi. Bild: keystone

Ein Sonderkommando aus Riad hatte Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul brutal getötet, als er Papiere für seine geplante Hochzeit abholen wollte. Sein Leichnam wurde zerstückelt.

Die saudische Regierung hat den Mord eingeräumt. Kronprinz bin Salman, der faktische Herrscher in Saudi-Arabien, bestritt aber, die Tötung selbst angeordnet zu haben. Die Uno-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard war dagegen zu dem Schluss gekommen, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Kronprinzen und anderer ranghoher Vertreter Saudi-Arabiens gebe.

Alle Angeklagten sind saudische Staatsbürger, der Prozess findet in ihrer Abwesenheit statt. Für die Verdächtigen sind nach der Anklageschrift schon im März 2019 Fahndungsaufrufe über Interpol erlassen worden.

Anklage: Mord war geplant

Khashoggi wurde der Anklageschrift zufolge im Konsulat stranguliert und dann zerstückelt. Der türkische Staatsanwalt kommt zu dem Schluss, dass von Anfang an geplant gewesen sei, den Journalisten zu ermorden, sollte er nicht einwilligen, nach Saudi-Arabien gebracht zu werden. Er widerspricht damit der saudischen Darstellung, wonach es zunächst keine Mordabsichten gab. Bereits im Vorfeld sei auch die Vertuschung des Mordes geplant worden.

Bei den Hauptangeklagten handelt es sich der Anklageschrift zufolge um Saud bin Abdullah al-Kahtani, einen ehemaligen engen Berater des saudischen Kronprinzen bin Salman, und den ehemaligen stellvertretenden Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri.

«Vor dem Hintergrund einer völlig unglaubwürdigen Justiz in Saudi-Arabien bietet das Verfahren in der Türkei nun die Chance, die Mörder von Khashoggi zur Rechenschaft zu ziehen», teilte die Organisation Reporter ohne Grenzen mit.

Fünf Männer zum Tode verurteilt

Ein Gericht in Saudi-Arabien hatte im Dezember fünf Männer im Fall Khashoggi zum Tode verurteilt. Drei weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen von insgesamt 24 Jahren. Die Namen der Angeklagten sollten unter Verschluss bleiben, bis die Urteile rechtskräftig sind.

Die Türkei, die EU und die Vereinten Nationen hatten die Todesurteile scharf kritisiert. Es sei weit davon entfernt, die Erwartungen der Türkei und der internationalen Gemeinschaft zu erfüllen, hiess es in einer Erklärung des Aussenamts in Ankara. Die Aufklärung des Mordes auf türkischem Boden sei eine «moralische Verpflichtung». (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die Chronologie des Falls Khashoggi

Fall Khashoggi: Ein Mord mit politischen Konzequenzen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Tote und verwundete Zivilisten bei türkischem Angriff in Nordsyrien

Bei einem Angriff der Türkei in Nordsyrien, wo türkische Truppen bereits Grenzgebiete beherrschen, sind eine Frau und zwei Kinder getötet worden. Die Truppen hätten nach Störfeuer in der Region Tal Rifat sieben Kämpfer der Kurdenmiliz YPG ausser Gefecht gesetzt, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara am Sonntag mit. Die syrische Staatsagentur Sana berichtete, eine Frau und zwei Kinder seien getötet und sieben weitere Zivilisten verletzt worden. Tal Rifat liegt zwischen Aleppo und …

Artikel lesen
Link zum Artikel