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Steht Syrien vor der letzten Schlacht? Die wichtigsten  Antworten zu Idlib

Die Welt schaut in diesen Tagen auf Idlib – machen sich nun Hunderttausende Flüchtlinge nach Europa auf? In der nordsyrischen Provinz könnte sich in diesen Tagen der seit sieben Jahren tobende Krieg entscheiden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Fabian Hock / az aargauer Zeitung



Es wirkt wie ein letztes Ultimatum: Alexander Lawrentjew, Russlands Syrien-Beauftragter, will der Türkei offenbar doch noch etwas Zeit gewähren, um eine Lösung für die Provinz Idlib zu finden. Ein Weg ohne militärische Mittel sei möglich, hiess es nun aus Moskau.

In this Sunday, Sept. 9, 2018 photo, fighters with the Free Syrian army patrol the outskirts of the northern town of Jisr al-Shughur, Syria, west of the city of Idlib. In the northern Idlib province, a corner of nearly 3 million people, Syria's government and its opponents are preparing for a final, bloody showdown. (Ugur Can/DHA via AP)

Die «Freie Syrische Armee» erwartet den Angriff des Diktators: Assads Regierungstruppen haben Idlib umstellt. Bild: AP/AP

Zugleich setzte die syrische Armee am Mittwoch ihre Angriffe auf Idlib fort. In der nordsyrischen Provinz könnte sich in diesen Tagen der seit sieben Jahren tobende Krieg entscheiden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer hält sich in Idlib auf?

In this Monday, Sept. 10, 2018 photo, an armed man rides his motorcycles in the centre of the northern city of Idlib, Syria. Syrian government forces, backed by Russia and Iran, have been massing troops for weeks in preparation for an attack on Idlib province, the last major rebel stronghold in the country. The U.N. has warned that a battle will spark a humanitarian catastrophe, where more than 3 million people live in the territory, nearly half of them already displaced from fighting elsewhere in Syria. (Ugur Can/DHA via AP)

Bewaffnete Männer in Idlib. Bild: AP/AP

Die Provinz Idlib ist die letzte von islamistischen Rebellen kontrollierte Gegend in Syrien. Rund drei Millionen Menschen leben derzeit dort. Ein grosser Teil ist aus anderen Landesteilen geflohen, darunter zahlreiche bewaffnete Kämpfer.

Was passiert gerade rund um die Provinz?

Bild

Bild: az/zvg

Syrische Regierungstruppen sind rund um Idlib aufmarschiert und haben die Region umstellt. Seit Tagen fliegen russische Kampfflugzeuge Angriffe auf die Rebellenhochburg. Beobachter sehen darin die Vorbereitungen für einen gross angelegten Angriff. Assad holt zum finalen Schlag aus.

Was wären die Folgen eines Sturms auf Idlib?

In this Tuesday Sept. 11, 2018 photo, schoolchildren attend a class in the northern town of Jisr al-Shughur, Syria, west of the city of Idlib. Syrian government forces, backed by Russia and Iran, have been massing troops for weeks in preparation for an attack on Idlib province, the last major rebel stronghold in the country. The U.N. has warned that a battle will spark a humanitarian catastrophe. (Ugur Can/DHA via AP)

Schulkinder in einem Dorf westlich von Idlib Bild: AP/DHA

Assad könnte die Kontrolle über die letzte Bastion der Aufständischen zurückgewinnen, was dem vorläufigen Ende des Syrien-Krieges gleichkommen würde. Die UNO warnt indes vor einer der schlimmsten humanitären Katastrophen seit Jahrzehnten – mit bis zu 800'000 neuen Flüchtlingen.

4. Wer unterstützt Assad?

epa06837012 Syrian President Bashar al-Assad gives an interview to the Russian NTV Channel in Damascus, Syria, 24 June 2018. Assad affirmed that any constitutional reform in Syria should be done by a national referendum which is wholly a Syrian matter, with no way related to the will of the United Nations or foreign countries.  EPA/SANA

Bild: EPA/EPA

Der Iran und Russland greifen dem syrischen Diktator unter die Arme. Ohne Hilfe aus Moskau hätte sich Assad wohl nicht an der Macht in Syrien halten können. Auch der bevorstehende Angriff auf Idlib dürfte mit russischer Unterstützung ablaufen: Moskau hat Marineeinheiten vor der Küste stationiert. Die Bombardierung aus der Luft hat längst begonnen.

Was will Russland in Syrien?

Russian President Vladimir Putin gestures as he addresses at the Eastern Economic Forum in Vladivostok, Russia, Wednesday, Sept. 12, 2018. (Sergei Bobylevl/TASS News Agency Pool Photo via AP)

Bild: AP/POOL TASS Host Photo Agency

Präsident Putin will durch eine starke militärische Präsenz in Syrien seinen Einfluss in der Region festigen und Russlands Rolle auf der weltpolitischen Bühne verankern. Es ist daher in Putins Interesse, seinen Verbündeten Assad an der Macht zu halten.

Warum konzentriert sich nun alles ausgerechnet auf Idlib?

In this Sunday, Sept. 9, 2018 photo, fighters with the Free Syrian army eat in a cave where they live, in the outskirts of the northern town of Jisr al-Shughur, Syria, west of the city of Idlib. In the northern Idlib province, a corner of nearly 3 million people, Syria's government and its opponents are preparing for a final, bloody showdown. (Ugur Can/DHA via AP)

Kämpfer der «Freien Syrische Armee» in einer Höhle westlich von Idlib. Bild: AP/AP

Die Absenz der USA im Syrienkrieg hat ein Vakuum geschaffen, das drei Staaten füllten: Russland, der Iran und die Türkei. Im Versuch, Syrien zu stabilisieren, hatte man sich ursprünglich darauf verständigt, sogenannte «Deeskalationszonen» einzurichten: Vier von Rebellen dominierte Gebiete, überwacht von russischen, türkischen und iranischen Truppen. Beobachter warnten früh, dass die Konzentration der Rebellen auf einige wenige Gebiete de facto einer Einladung an das syrische Regime gleichkommt, eines nach dem anderen einzunehmen. Und genau so kam es. Die Provinz Idlib ist die letzte Zone, die noch übrig ist.

Welche Interessen verfolgt die Türkei?

epa06986147 A handout photo made available by Turkish President Press office shows Turkish President Recep Tayyip Erdogan speaking during a graduation ceremony of Turkish Land Forces Command (NCO) vocational high school in Balikesir, Turkey, 31 August 2018.  EPA/TURKISH PRESIDENT PRESS OFFICE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA/TURKISH PRESIDENT PRESS OFFICE

Die Türkei und Syrien sind direkte Nachbarn. Seit sieben Jahren nimmt die Türkei Flüchtlinge aus Syrien auf – insgesamt weit mehr als drei Millionen und damit dreimal so viele wie ganz Europa zusammen. Das Land stösst allerdings an seine Grenzen. Greift Assad Idlib an, könnte sich die Lage dramatisch verschärfen. Es geht jedoch nicht nur um die Flüchtlinge: Die Türkei ist eine Art Schutzmacht der Rebellen in Syrien. Unter diesen befinden sich auch radikale Islamisten. Die Türkei finanziert sie seit Beginn des Syrienkrieges im Jahr 2011. Mithilfe der Rebellen versucht Ankara, die Entstehung eines zusammenhängenden Kurdengebiets in Nordsyrien (und damit an der türkischen Grenze) zu verhindern.

Warum droht die Lage jetzt zu eskalieren?

epa07003234 A handout photo made available by the Iranian presidential office shows Iranian president Hassan Rouhani (C),Turkish president Recep Tayyip Erdogan (R), and Russia president Vladimir Putin (L) during a joint press conference after their a meeting in Tehran, Iran, 07 September 2018. Media Reported that Iran, Russia, and Turkey are holding a trilateral meeting on the Syria crisis.  EPA/IRAN PRESIDENTIAL OFFICE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA/IRAN PRESIDENTIAL OFFICE

Am Wochenende kamen Russland, Iran und die Türkei zusammen, um über das weitere Vorgehen in Idlib zu beraten. Der türkische Präsident wollte Zeit gewinnen, um die verschiedenen Rebellengruppen in die von der Türkei besetzten Gebiete im Norden des Landes abziehen zu lassen. Russland und Iran lehnten ab. Terroristen werde kein freies Geleit gewährt, so die Begründung. Tatsächlich befindet sich eine Vielzahl an tschetschenischen Kämpfern in Idlib. Moskau wird diese kaum abziehen lassen. Die Türkei steckt in der Zwickmühle: Einerseits hat sie in Syrien aus ihrer Sicht vitale Interessen zu verteidigen. Andererseits möchte sie eine direkte Konfrontation mit Russland unbedingt vermeiden.

Welche Rolle spielt Europa?

Europa soll vor allem beim Wiederaufbau Syriens helfen. Das ist zumindest der Wunsch des russischen Präsidenten. Die mehr als 100 Milliarden Euro, die für den Wiederaufbau des zerstörten Landes nötig wären, kann Russland alleine unmöglich aufbringen. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien haben bereits ablehnend reagiert. Putin hat allerdings ein Druckmittel: Die Menschen, die sich bei einem Angriff auf Idlib in Richtung Europa aufmachen würden. (aargauerzeitung.ch)

Kunst in den Ruinen von Syrien

Video: srf/SDA SRF

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